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Bedo (Foto: Bülent Kayaturan)

Bülent Kayaturan ist Moderator, Sprecher und DJ. Aber bekannt ist er unter dem Namen Bedo.
Seit 1998 moderiert der 1976 in der Türkei geborene und in Hamburg lebende Bedo kulturelle Bühnenveranstaltungen. Seine Medienkarriere begann er mit "Oriental Evenings" beim Offenen Kanal Hamburg. Die Radiosendung wurde zweisprachig, deutsch und türkisch geführt.
Von 2000 bis 2003 war er für die tägliche Morgensendung "Oriental Sabah" verantwortlich. Danach wechselte er zum Fernsehen. Seit dem 1. September 2003 moderiert er die Samstagabend-Show „Oriental Night“ beim Regionalsender Hamburg1 Fernsehen die auch bei TVBerlin ausgestrahlt wird.

Claus Friede, sprach im Hamburger Schanzenviertel mit Bedo über dessen Arbeit, seine Ziele, über kulturelle Identitäten und Migrationsthemen.

Ein deutscher Kopf und ein türkisches Herz

Claus Friede (CF): Erinnerst du dich, wie alles angefangen hat, als du ein Kulturprogramm für türkischstämmige Deutsche und Migranten beim Offenen Kanal in Hamburg im Radio namens „Oriental Sabah“ machtest?

Bedo: Ja, daran kann ich mich sehr gut erinnern!

CF: Gab es eine Initialzündung dafür?

Bedo: Ja! Die Initialzündung waren die permanenten Beschwerden von vielen Menschen aus meiner Umgebung, weshalb es keine Sendung für Türken und Deutsch-Türken, weder in Hamburg, noch in Deutschland gab. Weder eine im Radio noch im Fernsehen. Wir mussten uns türkisches Fernsehen aus der Türkei anschauen oder im Internet türkisches Radio hören. Es ist natürlich etwas anderes, wenn Sendungen für Deutsch-Türken aus Deutschland kommen und nicht aus der Türkei. Ich habe gemerkt, dass sich zwar viele darüber beschweren, aber keiner machte was dagegen. Von meinen Eltern habe ich eine Erziehung genossenen die lautete: Rede nicht so viel und beschwere Dich nicht, tue etwas! Und ich erinnere mich, ich bin dann einfach damals zum Offenen Kanal gegangen, hab gesagt: „Ich bin Bedo und möchte Radio machen“. Darauf hatte ich dann auch richtig Lust. So hat es angefangen.

CF: War es denn ein Antrieb mehr von Außen, von den Leuten aus deinem Umfeld, oder wolltest auch du selbst etwas bewegen?

Bedo: Na klar! Und ich hab dann gleich gemerkt: Hey, ich bin der Erste der so etwas umsetzen kann und war auch stolz darauf. Die Pionierarbeit ist die schwierigste Arbeit, aber das mache ich gerne. Ich mag auch schwierige Arbeiten. Also, die Beschwerden der Leute und auch mein eigener Antrieb haben es zu dem Punkt gebracht: „Mach es, quatsch jetzt nicht lang rum, tu was.“ Und ich glaube bis heute, dass die Themen und Sendungen nach wie vor Potential haben.

CF: Beschweren sich die Menschen aus deinem Umfeld immer noch?

Bedo: Ja, das tun sie immer noch. Jetzt sagen sie: „Es könnte mehr sein!“. Es reicht nie.
Beim Radio sind wir ja zunächst wöchentlich und unregelmäßig „on-air“ gewesen, als „Springer“, das heißt, es gab keinen festen Sendeplatz. Wenn die Sendung fertig geschnitten war musste man sich anmelden, es wurde im Kalender geschaut wann ein Sendetermin frei war und dann sendete der Offene Kanal an dem eingetragenen Datum. Das konnte mal ein Mittwoch sein und danach ein Freitag. Das lief dann zwei Jahre lang so und schließlich habe ich dann einen festen Sendeplatz erhalten, jeden ersten Mittwoch im Monat, etwas später dann jeden ersten und dritten Mittwoch, dann jeden Mittwoch, bis ich letztlich jeden Tag eine Sendung machte.
Aber das war für viele immer noch nicht genug!

CF:
Und wie waren die Reaktionen auf die Inhalte?

Bedo: Wir haben sehr viele Reaktionen bekommen. Bei der wöchentlichen Sendung klingelte das Telefon oft alle fünf Minuten. Wir haben in der täglichen, zweistündigen Sendung manchmal 100 Anrufer gehabt. Da kamen dann Liederwünsche, sehr oft Gratulationen, es haben Leute angerufen, die dann nur sagten: „Ich wollte Dir zu der Sendung gratulieren, ihr macht das supertoll.“ Und viele wollten dann auch gar nicht ihre eigene Stimme on-air hören, sondern sagten: „Ne, ne, ich wollte Dir nur meine Sympathie bekunden – Mach weiter so!“

CF: Gab es auch kritische Äußerungen?

Bedo mit Cem Özdemir, Vorsitzender der Grünen Bedo: Oh ja, viele Deutsche wissen gar nicht wie heterogen die türkische Gesellschaft ist. Die Türkei ist immer noch ein Vielvölkerstaat. Das zeigt sich auch daran, dass es in der Türkei sehr viele unterschiedliche politische, kulturelle und religiöse Strömungen gibt. Da gab es dann zunächst schon Angriffe und viel Ärger. Ich hab beispielsweise Musik gespielt die passte dem einen nicht, dann hab ich auch einmal andere Musik gespielt, die war dann den anderen nicht recht. Ich habe versucht, meine Neutralität zu wahren. Und auch da gab es dann Hörer, die meinten, ich müsse klar und eindeutig Farbe bekennen und die eine oder andere Haltung vermitteln. Ich habe mir das aber nie zu Herzen genommen. Vielmehr habe ich eins festgestellt und auch oft mit meinem Vater darüber gesprochen: Wenn dich alle kritisieren, die Linke und die Rechte, Konservative und Liberale, dann machst du es richtig. Wenn dich nur eine Seite kritisiert, stehst du automatisch auf der anderen! Das wollte ich nicht. Daran hab ich mich gehalten und entsprechend weiter gemacht.

CF: Haben denn nur Türkischstämmige angerufen?

Bedo: Nein, auch Deutsche, auch viele von anderen Nationen, die auch so eine Sendung für ihren Kulturkreis haben wollten. Meine Zuhörerschaft war sehr bunt gemischt. Der Offene Kanal Hamburg stand für eine multikulturelle Stadt!

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