Neue Kommentare

Martin Kostinak zu DFG-Schwerpunktprogramm „Das digitale Bild“: Förderzusage für neues Forschungsprojekt des Fachbereichs Kunstwissen­schaft & Medienphilosophie: Welche Förderzusage für das KIT ist hier gemein...
Miriam Fernandez zu Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien: Agradezco infinitamente al Señor Stefan Diebitz ...
Peter Schmidt zu Jochen Schäfsmeier wird Intendant der Händel-Festspiele Göttingen: Herzlichen Glückwunsch an den einstigen Geschäf...
Ana María Breppe zu Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien: The difference between the two cultures is very c...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Festivals, Medien & TV

Das Sommerfestival auf Kampnagel

Drucken
(45 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 12. August 2011 um 16:34 Uhr
Das Sommerfestival auf Kampnagel 4.5 out of 5 based on 45 votes.
Das Sommerfestival auf Kampnagel

Von Sommer war nichts zu spüren bei der Eröffnung des diesjährigen Sommerfestivals auf Kampnagel (bis 28. August), Intendantin Amelie Deuflhard und Matthias Von Hartz, der künstlerische Leiter des Festivals, waren dennoch bester Laune. Was Wunder: Der Vorverkauf lief so gut wie nie, mehr als eineinhalb soviel Karten wie im vergangenen Jahr waren im Vorfeld gefragt.

Wer also die großen Tanz- und Theatervorstellungen von Pina Bausch (am Samstag, 13.8.), der Needcompany (17., 18. und 20.8.) oder der spirituell aufgeladenen Akram Khan Company aus London (27./28.8.) noch sehen will, sollte sich beeilen.
Ob sich Pina Bauschs „Kontakthof“, ihr Klassiker aus dem Jahr 1978, als Festivalauftakt eignet, darüber lässt sich sicher trefflich streiten. Festivallaune jedenfalls wollte sich nicht so recht einstellen, dazu ist das Stück doch zu schwer, mitunter auch zu langatmig und anstrengend mit seinen drei Stunden Spielzeit. Um über diesen langen Zeitraum das Publikum konstant zu fesseln, braucht es schon charismatische Tänzer – oder eben reife Persönlichkeiten, wie sie im Jahr 2000 zu sehen waren, als Pina Bausch (1940-2009) ihr Schlüsselwerk über die Annäherung und Aggression, Zärtlichkeit und Zurückweisung mit Senioren über 65 Jahren inszenierte. Die Intensität und Dichte von damals fehlt in der „Jugendversion“, die jetzt in Hamburg zu sehen ist. An ihre Stelle jedoch sind neue Qualitäten getreten, die diesen Abend zu einem ganz besonders anrührenden Erlebnis machen. In diesem, von Bühnenbildner Rolf Borzik als große Aula mit Bühne, Klavier und ein paar Stühlen ringsherum gestalteten „Kontakthof“, knüpfen 26 blutjunge Menschen die ersten zarten Bande. Keine Profis, sondern Laien, Schüler aus Wuppertal, das macht diesen Abend so authentisch. Die meisten der 13 Mädchen und 13 Jungen dürften zwischen 15 und 20 Jahre alt sein, und die Balz-Rituale und „Übersprungs-Handlungen“, die sie hier so grandios überzeichnen, erleben sie in Ansätzen wahrscheinlich täglich – ob auf jedem Schulhof oder in der Tanzstunde.

In der leeren Aula sitzen sie anfangs wie die Spatzen auf der Stange, herausgeputzt und unsicher - die Jungs in schwarzen Anzügen, die Mädchen in bonbonfarbenen Coctail-Kleidern. Zu Walzerklängen und Schlager der 20er und 30er Jahre bohren sie ihre Schuhspitzen verlegen in den Boden, sie zupfen an ihren Kleidern, zappeln herum, streichen sich selbstbewusst durch die Haare, necken sich, testen sich aus, wackeln mit dem Po, fassen sich an, rennen chaotisch durcheinander, zwei wagen sogar einen halben Striptease und ein Mädchen schaukelt zwischendurch stoisch auf einem Spielzeugautomaten-Pferd. Gegen Ende sitzen die Teenager wieder den Zuschauern gegenüber und erzählen von der ersten Liebe. Bekenntnis-Fetzen erfährt man da, die eigentlich nur für die Ohren der besten Freundin (oder des besten Freundes) bestimmt sind.
Keine Frage, das Stück funktioniert in der Jugendversion. Über den Mut, die Souveränität und ja, auch das tänzerische Können dieser jungen Leute kann man nur staunen. Und die geniale, 30 Jahre alte Choreographie der Wuppertaler Tanztheater-Legende Pina Bausch wird sogar noch um eine Dimension erweitert. Der neue „Kontakthof“ erzählt auch davon, wie schwierig das Erwachsenwerden doch ist.

Internationales Sommerfestival 11-28. August 2011. Karten und Infos unter www.kampnagel.de
Fotonachweis:
Header: Titelmotiv Sommerfestival
Galerie: Logo Sommerfestival und Aufnahmen vom Tanztheater Wuppertal/Pina Bausch: Kontakthof. Mit Teenagern ab 14. Foto: Internationales Sommertheater

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Festivals, Medien & TV > Das Sommerfestival auf Kampnagel

Mehr auf KulturPort.De

Erntefest der Kunst – Letzte Session der Setouchi Kunst Triennale 2019 im herbstlichen Farbenrausch
 Erntefest der Kunst – Letzte Session der Setouchi Kunst Triennale 2019 im herbstlichen Farbenrausch



Seit dem Frühjahr steht die Region Setouchi im Südwesten Japans ganz im Zeichen der Kunst Triennale 2019. In drei Sessions von März bis Oktober verwandeln  [ ... ]



Boris Becker – Hochbunker. Photographien von Architekturen und Artefakten.
 Boris Becker – Hochbunker. Photographien von Architekturen und Artefakten.



Boris Becker? Gemeint ist nicht „Bobbele“ das Tennisidol, der einstige Sieger von Wimbledon. Gemeint ist der in Köln geborene und lebende Fotokünstler, der [ ... ]



„Ein leichtes Mädchen”. Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo
 „Ein leichtes Mädchen”. Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo



„Ich pfeif auf die Liebe", erklärt die 22jährige Sofia (Zahia Dehar) und stilisiert sich aus Überzeugung zum Objekt der Begierde. Für den Puritanismus der  [ ... ]



Kunst gegen Gewalt; die kolumbianische Künstlerin Doris Salcedo in der Kunsthalle St. Annen
 Kunst gegen Gewalt; die kolumbianische Künstlerin Doris Salcedo in der Kunsthalle St. Annen



Eine „der bedeutendsten Künstlerinnen des 21. Jahrhunderts“ – Kurator Oliver Zybok lehnte sich ziemlich weit aus dem Fenster, als er die kolumbianische K [ ... ]



Vilnius – Die italienische Seele Nordeuropas
 Vilnius – Die italienische Seele Nordeuropas



Kürzlich erst haben am 23. August die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen an den 30. Jahrestag des „Baltischen Wegs“ erinnert. 1989 – gu [ ... ]



40 Jahre Theater Zeppelin, 30 Jahre Theaterschule, 15 Jahre Hoheluftschiff – Und was jetzt? Auf zu neuen Ufern
 40 Jahre Theater Zeppelin, 30 Jahre Theaterschule, 15 Jahre Hoheluftschiff – Und was jetzt? Auf zu neuen Ufern



Ist das ein Schwan oder ein Pelikan? Jedenfalls eines dieser menschengroßen, phantasievoll aus Draht und Stoffen zusammengebastelten Wassertiere, die Stephanie  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.