Neue Kommentare

Maggie zu Walter-Kempowski-Literaturpreis 2019: Guten Abend,
Gibt es denn schon irgendeine...

Lothar Segeler zu Filmtonschaffende erstmals als Urheber*innen an Kinoerlösen beteiligt: Großartig - wie lange haben wir darauf gewartet!...
Alf Dobbertin zu Henri Bergson: Die beiden Quellen der Moral und der Religion: Ein großes Lob dem Rezensenten Stefan Diebitz, d...
Maximilian Buchmann zu „Apocalypse Now - Final Cut”. Der Höllentrip des Francis Ford Coppola: Uff! Nur heute im Kino? Hoffentlich bekomme ich n...
Klaus Schöll zu Am 12. Juli 2019 wird die James-Simon-Galerie eröffnet – in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Ich finde das die Treppe zur James-Simon-Galerie ...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Festivals, Medien & TV

A Summer’s Tale Festival in Luhmühlen – vier Tage lang Musik im Urlaubsmodus

Drucken
(44 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 06. August 2019 um 20:19 Uhr
A Summer’s Tale Festival in Luhmühlen – vier Tage lang Musik im Urlaubsmodus 3.9 out of 5 based on 44 votes.
A Summers Tale Festival

Nicht ein einziger besoffener Typ weit und breit. Dafür massenweise umhertollende Kinder, tanzende Eltern zwischen Bollerwagen und Picknickdecken - und überall lächelnde Gesichter. A Summer’s Tale in Luhmühlen ist der glatte Gegenentwurf zu Wacken. Fröhlich, friedlich, bunt, nur positive Energie. Das ultimative Familienfestival.

Im Nachherein scheint es fast, als sei beim Summer’s Tale der Geist von Woodstock auferstanden. 50 Jahre ist das Jahrhundert-Open-Air-Festival nun her, das 1969 unter dem Motto „3 Days of Peace & Music“ rund 400 000 Besucher nach Bethel, State New York lockte – und widererwarten lief alles friedlich ab. Natürlich sind 400 000 kein Vergleich zu den 13000 Besuchern vergangenes Wochenende in der Lüneburger Heide. Doch auch dieses Festival war ganz eindeutig ein Statement: Die gelebte Utopie eines harmonischen Miteinanders. Ohne Aggression, ohne Hass, ohne Ausgrenzung, ohne Fremdenfeindlichkeit. Dafür mit jeder Menge guter Musik, guter Laune und guten Projekten. Mit zahlreichen Workshops, Yoga-Kursen und Umweltorganisationen wie Greenpeace, Fridays for Future und Viva con Agua, die um Unterstützung warben. Und natürlich mit vielen, vielen Produkten für das umweltbewusste Publikum, vom Bio-Schafskäse bis zum Batik-T-Shirt. Wer die „Kulturelle Landpartie“ kennt, die sich einst aus der Anti-Atomkraft-Bewegung gebildet hat und mittlerweile alljährlich zwischen Himmelfahrt und Pfingsten die Massen zur alternativen Shopping-Tour ins Wendland zieht, kann sich dieses Festival als eine Art „Kulturelle Landpartie mit Musik“ vorstellen. Das Publikum durch die Bank tiefenentspannt im Urlaubsmodus, die Jüngsten mit dicken Kopfhörern auf den Ohren bestens gewappnet gegen zu viel Lärm.

Zugegeben, die Autorin dieser Zeilen hat nur einen der insgesamt vier Festivaltage des vergangenen Wochenendes erlebt, im Grunde lediglich sechs Stunden. Also nur einen klitzekleinen Ausschnitt mit drei von weit über dreißig Konzerten. Aber diese sechs Stunden haben nachhaltig Eindruck hinterlassen. Angefangen bei der kompetenten Einweisung auf dem riesigen Parkplatzgelände, über Schließfächer und EC-Automaten bis zu den freundlichen Ordnern im Fotograben war hier einfach alles hervorragend organisiert. Und vor allem: Ohne jeden Stress!

 Das lag natürlich auch an dem fantastischen Wetter, das es gut mit dem Festival meinte. Die dicke Regenfront, die an diesem Nachmittag über Norddeutschland zog, ging haarscharf an Luhmühlen vorbei. Wer übrigens meint, den Namen schon mal in anderem Zusammenhang gehört zu haben, liegt richtig: Auf dem weitläufigen Gelände mit dem zentralen weichen Sandplatz (herrlich für die herumtollenden Kids) werden ansonsten internationale Meisterschaften der Vielseitigkeitsreiter ausgetragen. Deshalb auch die überdachte Tribüne mit ein paar hundert Sitzplätzen. Einfach ideal für die vielen Senioren, die es sich hier gemütlich machten.   

Die Zeiten, in denen Open-Air-Konzerte mit stundenlanger Verspätung anfangen, scheinen endgültig vorbei. Auf der großen Konzertbühne beim Summer’s Tale am Samstagabend jedenfalls begannen sie pünktlich auf die Minute. Zuerst Faber, ein junger Zürcher mit Sendungs-Bewusstsein, dessen Band vor eindrucksvollem Berg-Panorama groovte. Faber singt seine Chansons auf hochdeutsch, zum Teil sind sie politisch engagiert, zum Teil auch ziemlich frech und anzüglich. Obwohl er noch lange nicht das Format seiner Vorbilder hat, erinnert er durchaus schon an Jacques Brel, manchmal auch an Charles Aznavour.   

Zwei Stunden später begeisterte der Australier Xavier Rudd mit seinem luftigen Sound aus Folk, Blues, Rock und Reggae. Alles Songs, in denen der engagierte Mulit-Instrumentalist soziale und gesellschaftliche Fragen thematisiert.  Klima- und Naturschutz liegen Rudd ebenso am Herzen, wie die Reche der Aborigines. Und wenn man ihn da oben auf der Bühne zwei riesige Didgeridoos bespielen sieht, barfuß, mit Rastalocken, braungebrannt und am ganzen Oberkörper tätowiert, dann sieht er fast selbst aus wie ein Buschmann.  

Und dann endlich, um 22.30 Uhr, ist sie da: Isabelle Geffroy, besser bekannt als Zaz. Eine „Mademoiselle 100.000 Volt“, die, ehe man sie noch gewahr wird, los singt und in den kommenden zwei Stunden keinen Bruchteil einer Sekunde still steht.. Sie tanzt, sie hüpft, sie läuft von der Bühne runter in den Graben und schreit der begeisterten Menge zu: „Ihr seid alle viel zu weit weg“. Was für ein Energiebündel! Was für mitreißende Chansons! Was für ein Lebensgefühl! Zaz ist eine unglaublich authentische Sängerin, man glaubt ihr jedes Wort, schließlich singt sie ja auch fast nur von sich („Je veux“) Ja, sie will! Sie will Liebe, Leidenschaft und eine glückliche Welt und das bringt sie in jedem ihrer Songs zum Ausdruck. Mit einer Mischung aus Pop, Salsa, Jazz und Rock. Jawohl, auch Rock! Ein fetziger Beat, den man gar nicht so ohne weiteres zutraut. Aber sie probiert halt immer Neues aus, alle musikalischen Stile, alle Sprachen, alle kulturellen Einflüsse. Und plötzlich kommt da noch eine andere Frau auf die Bühne, umarmt die Künstlerin und erzählt von der „Arche“, einem christlichen Hilfswerk für sozial benachteiligte Kinder. Bei jedem ihrer Konzerte stellt Zaz derzeit ein soziales Projekt vor, für das gespendet werden kann. Das gehört zum Konzept ihrer gemeinnützigen Plattform ZAZIMUT, die sich unter anderem in Sachen Armutsbekämpfung, Umweltschutz und Entwicklungshilfe engagiert.  Zaz weiß, dass ihr Publikum die gleichen Werte teilt wie sie. Und dass ein emotional aufgeladenes Konzert die beste Gelegenheit ist, die Herzen zu erreichen.

Irgendwann nach Mitternacht ist auch dieses wunderbare Konzert zu Ende. Die Massen strömen zum Ausgang, aber auch hier alles easy going. Der letzte Shuttle-Bus nach Lüneburg geht schließlich erst um 1.30 Uhr früh. Die Sommer-Geschichten dieses Festivals werden noch lange nachwirken. In jedem Fall nächsten Sommer wieder - aber dann länger.

A Summer’s Tale Festival

Luhmühlen in der Nähe von Lüneburg vom 1. bis 4. August 2019
Alle Infos und Bilder auf
www.asummerstale.de
 
Fotos: Isabelle Hofmann

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Festivals, Medien & TV > A Summer’s Tale Festival in Luhmühlen – ...

Mehr auf KulturPort.De

Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien
 Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien



Wie sieht es in anderen Ländern mit dem öffentlichen Raum aus? Bei uns gibt es ihn kaum noch, denn jeder freie Quadratmeter wird dem Auto gewidmet. Können wir [ ... ]



Theater-Horror vom Feinsten – „Mummy Brown/Mumienbraun“ der norwegischen Gruppe Susie Wang schockte beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel
 Theater-Horror vom Feinsten – „Mummy Brown/Mumienbraun“ der norwegischen Gruppe Susie Wang schockte beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel



Das Programmheft hat nicht zu viel versprochen: Eine derart blutige, ins Groteske überzogene Horror Picture Show hat man in Hamburg noch nicht geboten bekommen. [ ... ]



Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“
 Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“



Die Zitterpartie der Macht
Welch ein Glück im Unglück. Wie üblich nach einem Zwischenfall auf Leben und Tod so auch diesmal, wie erwartet: Kaum war das Kind  [ ... ]



„I Am Mother” Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo
 „I Am Mother” Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo



Grant Sputores post-apokalyptischer Science-Fiction Thriller „I Am Mother” beginnt als intimes Kammerspiel in einem, hermetisch von der Welt abgeschlossenen  [ ... ]



Letizia Battaglia: Retrospektive in Venedig
 Letizia Battaglia: Retrospektive in Venedig



Sie gilt als bekannteste „Mafia-Fotografin“ und als „eine der wichtigsten Fotografinnen unserer Zeit“, aber auch als politisch, ökologisch, sozial und f [ ... ]



DDR-Schlager, Weltraum-Fuzzys und Russische Rapper
 DDR-Schlager, Weltraum-Fuzzys und Russische Rapper



Das erste Wochenende nach der Eröffnung des Sommerfestivals auf Kampnagel
„Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200...“ Manchen mögen  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.