Neue Kommentare

Maggie zu Walter-Kempowski-Literaturpreis 2019: Guten Abend,
Gibt es denn schon irgendeine...

Lothar Segeler zu Filmtonschaffende erstmals als Urheber*innen an Kinoerlösen beteiligt: Großartig - wie lange haben wir darauf gewartet!...
Alf Dobbertin zu Henri Bergson: Die beiden Quellen der Moral und der Religion: Ein großes Lob dem Rezensenten Stefan Diebitz, d...
Maximilian Buchmann zu „Apocalypse Now - Final Cut”. Der Höllentrip des Francis Ford Coppola: Uff! Nur heute im Kino? Hoffentlich bekomme ich n...
Klaus Schöll zu Am 12. Juli 2019 wird die James-Simon-Galerie eröffnet – in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Ich finde das die Treppe zur James-Simon-Galerie ...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Festivals, Medien & TV

Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle

Drucken
(100 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Samstag, den 26. August 2017 um 10:01 Uhr
Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle 4.0 out of 5 based on 100 votes.
Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle

Maurice Ravel, zelebriert wie ein baskischer Gottesdienst. Begeisterter Beifall für Katja und Marielle Labèque, das Ensemble Basque und das Duo Oreka TX in der Hamburger Laeiszhalle.
Mit ihrem außergewöhnlichen SHMF-Programm kehren die Klavier-Schwestern zu ihren Ursprüngen und zu den Wurzeln des berühmten französischen Komponisten zurück.

Verblüffend, wie jung sie aussehen. Katja und Marielle Labèque sind mittlerweile Mitte 60 und wirken auf der Bühne immer noch mädchenhaft. Ganz in Schwarz mit langen, offen getragenen schwarzen Haaren und in hochkonzentriertem Blickkontakt, wenn sie sich an den beiden Flügeln gegenübersitzen, meint man hier zwei Hohepriesterinnen der Klavierkunst vor sich zu haben, zwei Zauberinnen, die ihre Zuhörer in einen magischen Bann ziehen.

Zum Auftakt Ravels „Ma mère l’oye“, („Meine Mutter, die Gans“), ein Zyklus von fünf kleinen „kindischen“ Stücken für Klavier zu vier Händen, die von einer Märchensammlung aus dem 17. Jahrhundert inspiriert sind. Einfache, größtenteils ruhige Melodien, die in der Interpretation von Kaja und Marielle Labèque feinen, federleichten Fingerübungen gleichkommen.
Es folgt die „Rapsodie espagnole“, Ravels erstes großes Orchesterwerk. Das Stück, das wie viele seiner Werke zuerst als Klavierfassung für zwei Klaviere entstand, suggeriert zwar lebensfrohe Folklore, doch erste Satz, das „Prélude à la nuit“, kommt ausgesprochen melancholisch und düster daher. Die beiden Schwestern scheinen sich in diesen Abgründen zu weiden. Ihr feinfühliges Spiel lassen Goyas Gespenster-Bilder vor Augen erscheinen, die auch im zweiten Satz „Malaguena“ nicht weichen wollen. In der „Habanera“ und vor allem in der ausgelassenen „Feria“ begeistern sie dann mit glasklaren Anschlag und temperamentvollen Glissandi.
Nach der Pause dann eine Überraschung: Die Schwestern setzen sich an den Rand und überlassen Bixente Etchegaray die Bühne, der mit vollem, einschmeichelndem Bariton ein einfaches baskisches Volkslied anstimmt. Unversehens fühlt man sich in die karge, ursprüngliche Landschaft am Fuße der Pyrenäen versetzt. Man versteht kein Wort, doch Stimme und Melodie berühren die Seele. Man spürt hier den Stolz dieses kleinen Volkes, das seit Jahrhunderten um Selbstbestimmung kämpft.

Katja und Marielle Labèque stammen aus Bayonne, dem französischen Teil des Baskenlandes. Maurice Ravel wurde im baskischen Ciboure, eine halbe Autostunde südlich geboren. Mit ihrem ungewöhnlichen SHMF-Abend präsentieren die Schwestern und ihre baskischen Kollegen einen herzerwärmenden Einblick in die Klangwelt der spanisch-französischen Grenzregion und bringen dem Publikum die musikalischen Wurzeln Ravels nahe. Ganz besonders faszinierend das Schlagwerkduo Oreka TX und ihr Txalaparta, ein dem Xylophon ähnliches Instrument aus Klanghölzern, die mit dicken runden Klöppeln senkrecht von oben bearbeitet werden und einen wunderbar warmen Sound erzeugen.

Höhepunkt dann Ravels „Bolero“ auf Baskisch – mit zwei Klavieren, Trommel, Schellen, Ziegenglocke und Fingerschnipsen. Wunderschön zart und rau, meditativ und ungestüm. So behutsam und ehrfürchtig hat man Ravels Hit wohl noch nie gehört.
Als Zugabe noch einmal ein traditionelles, volkstümliches Lied von Thierry Biscary und Bixente Etchegaray – Accapella at its best. Den beiden Sängern des Ensemble Basque hätte man noch stundenlang zuhören können.

Schleswig-Holstein Musik Festival 2017
Katja und Marielle Labèque: Roots
Maurice Ravel
- Ma mère l'oye / Ballettmusik
- Rhapsodie espagnole
- Boléro / Fassung für zwei Klaviere und Percussion
sowie baskische Volksmusik


Abbildungsnachweis:
Header: Katia und Marielle Labèque. Foto: PR Weingold & Böhm

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar C.Müller
+1
 
 
Erhalt des Kultursommers auf der Trabrennbahn Bahrenfeld.

Wo haben wir sonst eine so tolle und große Open Air Fläche?
Leute bewegt euch.
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Festivals, Medien & TV > Roots – Katja und Marielle Labèque zum Sch...

Mehr auf KulturPort.De

„Paranza – Der Clan der Kinder”. Das Erbe von Berlusconi und Camorra
 „Paranza – Der Clan der Kinder”. Das Erbe von Berlusconi und Camorra



Sie wollen Designer-Sneaker, Motorroller und das schnelle Geld. In ihrer Heimatstadt Neapel ist ein Machtvakuum entstanden, die Bosse der Camorra sind erschossen [ ... ]



Vilnius und die Nutzung postindustrieller Gebäude als alternative Zentren für Kultur und Nachtleben
 Vilnius und die Nutzung postindustrieller Gebäude als alternative Zentren für Kultur und Nachtleben



In den letzten Jahren haben viele osteuropäische Städte Projekte gestartet, um ehemalige Industriegebäude und bislang ungenutzte Flächen in Zentren städtisc [ ... ]



Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien
 Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien



Wie sieht es in anderen Ländern mit dem öffentlichen Raum aus? Bei uns gibt es ihn kaum noch, denn jeder freie Quadratmeter wird dem Auto gewidmet. Können wir [ ... ]



Theater-Horror vom Feinsten – „Mummy Brown/Mumienbraun“ der norwegischen Gruppe Susie Wang schockte beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel
 Theater-Horror vom Feinsten – „Mummy Brown/Mumienbraun“ der norwegischen Gruppe Susie Wang schockte beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel



Das Programmheft hat nicht zu viel versprochen: Eine derart blutige, ins Groteske überzogene Horror Picture Show hat man in Hamburg noch nicht geboten bekommen. [ ... ]



Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“
 Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“



Die Zitterpartie der Macht
Welch ein Glück im Unglück. Wie üblich nach einem Zwischenfall auf Leben und Tod so auch diesmal, wie erwartet: Kaum war das Kind  [ ... ]



„I Am Mother” Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo
 „I Am Mother” Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo



Grant Sputores post-apokalyptischer Science-Fiction Thriller „I Am Mother” beginnt als intimes Kammerspiel in einem, hermetisch von der Welt abgeschlossenen  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.