Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 1127 Gäste online

Neue Kommentare

Hans-Joachim Schneider zu Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg: Herrrlisch, würde der Rheinländer in mir sagen....
Wajda Art zu „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?: Wir suchen nach Enthusiasten der Kinematographie ...
Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: schade, dass sie nicht mit ihren stammmusikern un...
Helmuth Barth zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: Vorausschicken möchte ich, dass ich neben Bilder...
Anna Grillet zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Leider nein, kann die bitterböse ästhetisch bri...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

Im Gespräch: Claus Friede mit dem Zeichner Nils Kasiske

Drucken
(223 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 18. November 2009 um 10:32 Uhr
Im Gespräch: Claus Friede mit dem Zeichner Nils Kasiske 4.8 out of 5 based on 223 votes.
Im Gespräch: Claus Friede mit dem Zeichner Nils Kasiske

Der in Hamburg lebende Zeichner, Illustrator und Grafiker Nils Kasiske stellte kürzlich in der "Vicious Gallery" Hamburg sein neues Buch vor: "The Songbird's Suicide". 
"Mit seinen filigranen, monochromen Zeichnungen und Installationen lebensmüder Singvögel liefert Kasiske ein vielschichtiges, konzeptionell durchdachtes Werk ab, das nicht nur als ästhetischer Kommentar zu herrschenden Gestaltungsdirektiven aus Werbung und Produktdesign gelesen werden kann, sondern auch als Bildserie, die subtil Strukturen des Alltags des Lebens in der Großstadt beschreibt. Gleichzeitig wird Nils Kasiske zu einem Geschichtenerzähler: Seine Bilder von menschenähnlichen Vögeln - die an reale Personen wie Kurt Cobain, die Monroe oder den Unternehmer Merckle erinnern - zeigen Szenerien, die das selbst gewählte Ende einer Geschichte zeigen: Den Freitod des Singvogels..."

Claus Friede traf sich mit Nils Kasiske, um über die Publikation und seine künstlerische Arbeit zu sprechen.

Claus Friede (CF): Wie fing das Zeichnen bei Dir an? Gab es irgendwelche Initialerlebnisse?

Nils Kasiske (NK): Ich habe schon im Kindergartenalter viel gezeichnet und gemalt. Ich zeichnete immer lieber, als z.B. mit "He-Man"-Figuren zu spielen. Zeichnen gab mir etwas, das blieb, das war mit Action-Figuren nicht so.

CF: Gehst Du bei den Zeichnungen von einem Bild aus, das Du bereits im Kopf hast oder entwickelst Du die Zeichnung und Komposition erst beim Machen?

NK: Ich habe immer eine Vorstellung, aber das erste Bild im Kopf gleicht später selten dem fertigen Werk. Nicht nur gestalterisch, sondern auch inhaltlich entwickelt es sich während der Arbeit weiter. Ich finde es schwierig aus einem meiner Bilder, oder einer Skulptur, eine ursprüngliche Idee zu rekonstruieren. Bei mir hängt thematisch und konzeptionell alles zusammen, die einzelnen Werke sind immer auch Ergebnisse der vorhergegangenen Arbeiten.

CF: Wie ausgewogen ist in Deinem Schaffen der angewandte- und der künstlerische Bereich?

NK: Das ist so eine Sache; Die künstlerische Arbeit braucht Platz, Zeit und vor allem Geld. Als Illustrator stehe ich bei jeder Job-Anfrage unter Entscheidungsdruck: Kann ich es mir leisten, das jetzt nicht zu machen, um mehr Zeit für die Kunst zu haben? Wenn ich das jetzt nicht mache, wann kommt die nächste Anfrage? Wenn ich pleite bin, kann ich nämlich überhaupt nichts mehr in Ruhe machen.
Bei Jobs arbeite ich meist unter großem Zeitdruck, was der Qualität nicht schadet. Wenn ich aber eine Skulptur baue oder ein aufwendigeres Bild male, ist das ganz anders. Dann brauche ich Muße, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Ich treffe Entscheidungen alleine und bin vom Material abhängig, muss beispielsweise bei Trocknungsprozessen Pausen machen. Die künstlerische Arbeit ist intensiv. Manchmal tauche ich richtig ab, dann empfinde ich nur einen Anruf oder Termin als störend. Es ist schwer, alles miteinander zu verbinden...

CF: Du hast Dich intensiv mit der Thematik des Selbstmords von Musikern auseinandergesetzt. Wie kam es zu der Thematik?

NK: Durch zwei Bilder, die ich 2007 gemalt habe. Darauf sieht man jeweils ein Meer aus iPods. Auf dem einen Bild rettet sich ein Mann mit letzter Kraft auf einen schwimmenden Ghettoblaster, und auf dem zweiten Bild paddelt einer in einem offenen Konzertflügel gegen eine Welle iPods und Noten an. Nach diesem Bild habe ich verschiedene ähnliche Skizzen gemacht. Auch ein Meer voller iPods, dessen Wellen in weißen Noten auf einen Strand schlagen. Der Strand ist voller toter Vögel, deren Gefieder mit Musik verklebt ist. Dann störte mich, dass die Vögel durch die Musik verendet sind. Deshalb habe ich den ersten Vogel gezeichnet, der sich selbst erschießt. Erst nach der Ausstellung zum Thema, habe ich angefangen Selbstmordgeschichten zu recherchieren und zu zeichnen.
 
CF: Steckt hinter den Zeichnungen und den aufgegriffenen Themen möglicherweise auch eine gesellschaftliche Kritik, ein Unbehagen?

NK: Eher ein Kommentar. Das Bedürfnis, mit so viel Aufwand etwas zu kommentieren entspringt wohl einem Unbehagen. Aber als einen Gesellschaftskritiker verstehe ich mich nicht. Ich kann keinen derartigen Einfluss auf die Betrachter meiner Sachen nehmen. Ich habe vor drei Jahren eine Installation gebaut, in der MTV und Coca Cola für eine Konzertveranstaltung am 1. Mai in Berlin werben. Die Zuschauer werden im typischen MTV-Sprachstil aufgefordert, ihren Beitrag zur Revolution zu leisten, indem sie eine 'sms' schicken. Obwohl in der Animation Polizisten mit Molotowcocktails aus Cola-Flaschen beworfen werden, haben manche geglaubt, es wäre eine Auftragsarbeit für einen echten MTV-Spot. Wer kein Bewusstsein für bestimmte Entwicklungen hat, kann in so einer Arbeit auch keine Kritik erkennen.
 


 

Home > Blog > Bildende Kunst > Im Gespräch: Claus Friede mit dem Zeichner N...

Mehr auf KulturPort.De

Die Kunst Schmuckstücke zu fertigen – Babette von Dohnanyi
 Die Kunst Schmuckstücke zu fertigen – Babette von Dohnanyi



Der Vater ein bekannter Politiker, der Onkel ein international renommierter Dirigent. Man sollte meinen, auf Babette von Dohnanyi (52) würde ein enormer Erfolgs [ ... ]



Aspekte Festival 2018 – frozen gesture
 Aspekte Festival 2018 – frozen gesture



Welche kulturellen Spartenschubladen haben wir im Kopf? Wo ist der urbane, kulturelle Humus zu finden? Wieviel Bereitschaft zeigt Publikum für Entwicklungsphase [ ... ]



Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg
 Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg



...beginne ich, indem ich mit meinem Navi streite. Das tut so, als wüsste es nicht von der traurigen Tatsache, dass es in dieser Stadt mehr Baustellen als Kultu [ ... ]



Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit
 Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit



Wie nähert man sich in einer Fotoausstellung einem Land, deren Menschen tagtäglich durch Gewalt sterben, auf der Flucht, im Exil, traumatisiert sind, deren mat [ ... ]



„A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?
 „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?



Lynne Ramsay inszeniert ihre virtuosen Thriller-Impressionen als Exkursion in die Abgründe der Seele.
Ein Auftragskiller ist Joe (Joaquin Phoenix) nicht, er t [ ... ]



Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie
 Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie



George Bernard Shaw (1856-1950) ist vor allem bekannt für sein dramatisches Werk, das über 50 Theaterstücke umfasst. Doch der Künstler hat sich zeitlebens in [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.