Neue Kommentare

NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...
Peter Schmidt zu Verleihung der Goldenen Kamera – mit Bruno Ganz und ohne Friede Springer: Und noch einmal zur Goldenen Kamera
Im Fol...

Hans Joachim Schneider zu Tina – das Tina Turner Festival: Was soll aus einem Stück werden, wenn die Dame, ...
Marion Sörensen zu Leipziger Buchmesse – Impressionen: Das ist wieder einmal ein wunderbar geschriebener...
Dagmar Reichardt zu Ennio Morricone: Farewell-Tour 2019: Danke, lieber Herr Cvek! Ja, das war ein wirklich...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Bildende Kunst

Cris Pink: „Offshore“ – nebulöse Lichtschleier in unzähligen Farbschichten

Drucken
(182 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 25. November 2013 um 10:06 Uhr
Cris Pink: „Offshore“ – nebulöse Lichtschleier in unzähligen Farbschichten 4.3 out of 5 based on 182 votes.
Cris Pink: „Offshore“ – nebulöse Lichtschleier in unzähligen Farbschichten

Unter dem Titel „Offshore“ stellt die Hamburger Galerie Hengevoss-Dürkop erstmals Landschaften der auf Mallorca lebenden deutschen Künstlerin Cris Pink vor.
„Offshore“, ein geläufiger Begriff aus der Wirtschaftssprache, bedeutet im ursprünglichen Sinne „küstenfern“ – und die Landschaften von Cris Pink sind in der Tat fern der Küste: Bis auf wenige Ausnahmen dominieren Wasserlandschaften im Werk der gebürtigen Koblenzerin, die seit mehr als 30 Jahren auf Mallorca lebt.
Diese Landschaften sind keine Abbilder der Natur, keine Dokumente, auch wenn sie nach konkreter Anschauung vor Ort entstanden sind. Cris Pink reist viel und sie zeichnet auf ihren Reisen unentwegt. Zurück im Atelier jedoch löst sie sich von den naturalistischen Skizzen, entkleidet die Landschaft gleichsam ihrer Körperlichkeit und transformiert sie zu spirituell durchdrungenen Empfindungsräumen aus Licht und Farbe.

Licht und Wasser haben die Malerin seit ihrer Jugend fasziniert. Nach ihrem Studium – zuerst Modedesign in Hamburg, danach freie Kunst in Mainz – zog sie das unvergleichliche Licht des Südens nach Spanien. Seitdem spielt es in ihren Bildern eine zentrale Rolle. All ihren Werken wohnt ein inneres Leuchten inne. Mitunter ist es auch nur ein Glimmen und Schimmern, wie unter einer Wolkendecke. In den jüngsten Landschaften, „Luz y Calma“, „Moeris“ und „Tras la Lluvia“ scheinen verstärkt auch wieder die Farben des Nordens durch: nebulöse Lichtschleier in gebrochenen Pastellfarben, die an das diffuse Grau dänischer Landschaftsmaler des 18. und 19. Jahrhunderts erinnern.

Jedes einzelne dieser Gemälde besteht aus unzähligen Farbschichten, die wie abgelagerte Sedimente von der Entstehungsgeschichte der Landschaften künden. Mit zum Teil hauchzarten, fast transparenten Lasuren verleiht Cris Pink ihren deliktaten Farbteppichen eine fein-stoffliche Körperlichkeit, die von den wolkigen Farbkissen Gotthard Graubners ebenso inspiriert scheinen, wie von den monochromen Farbnebeln eines Marc Rothko.

Die Tatsache, dass die Künstlerin immer und immer wieder Wasser thematisiert, führt sie auf die unterschiedlichen Bedeutungsebenen zurück, die bei der Betrachtung von Wasserstücken mitschwingen, ohne dass wir uns oftmals dessen bewusst sind.
Die alten Germanen glaubten fest daran, dass die die Seelen der Ungeborenen und der Toten im Wasser ruhen. In Märchen und Mythen sind Spiegelflächen der Durchgang zur Unterwelt. Im Christentum ist Wasser Symbol von Reinheit und Reinigung und nach C.G. Jung Sinnbild für das Unbewusste schlechthin.
Cris Pink sind alle diese Konnotationen wohl bewusst. Sie hat nicht nur bildende Kunst, sondern auch Kunsttherapie studiert und dieses Wissen in ihre Bilder einfließen lassen.

In ihrer eigenständigen Auslegung der metaphysischen Malerei Georgio Morandis – des Flaschenmalers, der in seinen Stillleben das Rätsel um das Wesen der Dinge ergründen wollte - treffen das Unbewusste, die Wahrnehmung der Wirklichkeit und Selbstreflexion aufeinander und bilden gemeinsam eine zweite geheimnisvolle Wirklichkeit hinter den sichtbaren Dingen.
Deshalb erscheint es nur folgerichtig, dass sich ihre Formensprache auf dem schmalen Grat zwischen Abstraktion und Figuration bewegt. Die Materie bleibt im Ungefähren, Flüchtigen, fast Entmaterialisierten. Eben noch meint man figurative Bildinhalte wie Blätter, Blüten und Gräser auszumachen, schon lösen sie sich wieder in abstrakte Linien und Flächen auf.
Dieses permanente Changieren zwischen gegenständlicher und ungegenständlicher Malerei verleiht ihren Seelenlandschaften eine geheimnisvolle Poesie und meditative Kraft. Das Bild wird zum visuellen Mantra, zum Spiegel innerer Befindlichkeiten, der den Betrachter auf sich selbst zurückwirft.


Cris Pink, „Offshore“, ist bis zum 21. Dezember 2013 in der Galerie Hengevoss-Dürkop, Klosterwall 13, 20095 Hamburg zu sehen. Geöffnet: Mi.-Fr. 12-18 Uhr, Sa 12-14 Uhr u.n.V.

Cris Pink gründete in Palma die Designschule „Blau“, unterrichtete an der Helwan Universität in Kairo, an der Universidad de las Islas Baleares in Palma de Mallorca und im Auftrag der mallorquinischen Regierung in der renommierten Fundación Joan Miro. Die Liste der privaten und öffentlichen Kunstsammlungen, in denen ihre Gemälde vertreten sind, reicht von der Fundación Aena und dem Colegio de Abogados in Palma bis zum Forum Lindenthal in Köln und dem Koblenzer Stadtmuseum.


Fotonachweis:
Courtesy: Galerie Hengevoss- Dürkop. Fotos: Isabelle Hofmann
Header: Detail aus Luz y calma, 81x60 cm
Galerie:
01. Niebla sobre agua, 70x70cm
02. Weaving voices II, 190x160 cm
03. Murmullo, 116x90 cm
04. Luz y calma, 81x60 cm
05. Cris Pink

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Bildende Kunst > Cris Pink: „Offshore“ – nebulöse Licht...

Mehr auf KulturPort.De

Joachim Caffonnette Trio: Vers L‘Azur Noir
 Joachim Caffonnette Trio: Vers L‘Azur Noir



Die Richtung ist vorgegeben, auch wenn wir nicht wissen, woher und aus welcher Farbe sie kommen. Es geht ins tief dunkle Azurblau-schwarz: das belgische Trio um  [ ... ]



„Hyper! A Journey Into Art and Music“
 „Hyper! A Journey Into Art and Music“



Die Deichtorhallen in Hamburg suchen mit der Ausstellung „Hyper! A Journey Into Art and Music“ von Kurator Max Dax, ein neues, junges Publikum – und die Re [ ... ]



Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance
 Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance



Wer sakrale Kunst schätzt, sollte eine bemerkenswerte Ausstellung in Berlin nicht versäumen. In Kooperation mit der National Gallery, London, präsentieren die [ ... ]



„Ein letzter Job”. Oder der diskrete Charme des Michael Caine.
 „Ein letzter Job”. Oder der diskrete Charme des Michael Caine.



Das Alter ist ein besonders tückischer gefräßiger Moloch, die Zeit drängt, doch Schauspieler wie der 86jährige Michael Caine in „Ein letzter Job” trotze [ ... ]



Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze
 Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze



„Die Aufgabe, sieben Adagios, wovon jedes gegen zehn Minuten dauern sollte, aufeinander folgen zu lassen, ohne den Zuhörer zu ermüden, war keine von den leic [ ... ]



Wolfgang Marx: Am grauen Meer
 Wolfgang Marx: Am grauen Meer



„Warum“, möchte „Der Freitag“ von einer erfolgreichen Drehbuchautorin wissen, warum „kommt bei Angst so viel Rosamunde Pilcher heraus?“ Mit Angst sp [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.