Werbung

Neue Kommentare

Claus Friede zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Nein, nur eine kurze Pause......
Kalle mit der Kelle zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Seit November nichts Neues. Ist der Film-Blog ges...
Geli zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Mal eine nette Eigenwerbung zur Abwechslung... gl...
Rudi Arendt zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Reflexion der Landschaft - aktuelle impressionist...
Ulrike Tempel zu Adventsmessen und Handwerkermärkte in Hamburg – Alle Jahre wieder...: Leider sind die Termine veraltet 2017 / 2018...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Bildende Kunst

Hanno Edelmann: Das ganze Leben im Dienst der Kunst

Drucken
(52 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 26. August 2011 um 21:13 Uhr
Hanno Edelmann: Das ganze Leben im Dienst der Kunst 4.2 out of 5 based on 52 votes.
Hanno Edelmann: Das ganze Leben im Dienst der Kunst

Es gibt Maler, denen gebührt einfach Hochachtung. Nicht, weil sie so avantgardistisch sind, internationale Berühmtheit erlangten oder Rekordpreise erzielten.
Nein, vielmehr, weil sie ihr ganzes Leben in den Dienst der Kunst stellten. Unbeirrt und gradlinig ihren Weg gingen, alle Entbehrungen, zum Teil auch Schmähungen, auf sich nahmen, um sich und ihrer Kunst treu zu bleiben.
Hanno Edelmann ist so ein Maler. Lange schon war es recht still um ihn geworden, nun steht sein Werk wieder im Rampenlicht: In einer großangelegten Schau zeigt die Galerie im Elysée derzeit eine Auswahl seiner Gemälde, Aquarelle und Farb-Lithographien.

Hanno Edelmann ist ein Geschichtenerzähler. Der Hamburger Künstler malt nicht nur einfach Figuren vor stark farbigen, informellen Hintergründen. Er malt Menschen mit Schicksalen. Viele halten den Kopf nachdenklich geneigt oder in die Hände gestützt, andere erscheinen so beredt, dass man sie direkt zu hören vermeint. Die beiden „Kritiker“ beispielsweise, die sich vor einem Bild mit Strichmännchen unterhalten. Die blau-graue Männergruppe, die verschwörerisch die Köpfe zusammensteckt, um ein „Kleines Geheimnis“ zu teilen. Oder der alte Mann mit Hut vor gelbem Grund, gleich zum Auftakt der Schau, der auf einem blauen Zettel die Frage aufgeschrieben hat: „Was ist Kunst?“ - und nun den Besucher so eindringlich anschaut, als erwarte er von ihm die Antwort. Was diese Figuren eint, ist die Melancholie, die sie verströmen. Und ihr seltsam altertümliches Erscheinungsbild Das komplette Personen-Repertoire des 87-jährigen Künstlers scheint aus einer anderen Welt, aus einer anderen Zeit zu stammen. Aus den Romanen von Balzac und Fontane, Dostojewski und Tschechow. „Der 100ste Geburtstag“, ein illustres Trinkgelage um einen weiß gedeckten Tisch, scheint von den Sittengemälden alter Holländer inspiriert. „Das Picknick“ paraphrasiert eindeutig Manets „Frühstück im Freien“. Besonders jedoch kommt einem Chagall in den Sinn – und das nicht nur wegen der gleichen intensiv-leuchtenden Farbigkeit. In Edelmanns Gemälden tauchen immer wieder alte Männer mit dunklen steifen Hüten und langen weißen Rauschebärten auf - ganz ähnlich denen, die wir aus Chagalls Bildern kennen. Das mag damit zusammenhängen, dass Hanno Edelmann 1944 in russische Kriegsgefangenschaft geriet und auf seinem Marsch nach Sibirien mit eben jenem eindrucksvollen Typus Mensch zusammentraf, den schon der gebürtige Weißrusse Chagall in seinen Werken festhielt.
In dem kleinen Katalog, der zur Ausstellung an der Rothenbaumchaussee herauskam, schildert Hanno Edelmann ein Erlebnis von diesem Marsch, das sein ganzes weiteres Schaffen beeinflussen sollte: Unterwegs war der Trupp deutscher Soldaten tagelang in einer Baracke zusammengepfercht, ohne Brot und ohne Hoffnung. Da bat ihn ein Mitgefangener: „Mal uns doch etwas“. Aus Holzkohle und zerriebenem Ziegelstein mischte sich Edelmann die Farben und überzog die weiß gestrichenen Wände mit seinen Figuren. „Du hast uns mit deinen Bildern ein Stück Hoffnung geschenkt“, sagte daraufhin ein älterer Soldat zu ihm. „Aus der Not heraus gibst Du ihnen ein Stück neues Leben“.
Dieses Erlebnis, so Hanno Edelmann, hätte ihn nach dem Krieg „gegen alle Verführungen der abstrakten Kunst“ gefeit. Für ihn war fortan klar, was Kunst ist und was sie bewirken soll: Menschen berühren, indem er ihrem Geist und ihrem Körper Gestalt verleiht. Dass die reine Malerei, die pure Lust an der Farbe deshalb nicht zu kurz kommt, zeigen seine gestischen, zum Teil recht heftigen und unerhört lebendigen Hintergründe – ganz ohne Form.

„Hanno Edelmann – Malerei, Farblithografien, Aquarelle“, bis 20. Oktober in der Galerie im Elysée, Rothenbaumchaussee 10, Hamburg-Rotherbaum.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Bildende Kunst > Hanno Edelmann: Das ganze Leben im Dienst der...

Mehr auf KulturPort.De

„Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli“
 „Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli“



Überall – nur nicht im Gesicht. Für einen „anständigen Tätowierer“ ein ungeschriebenes Gesetz. Christian Warlich (1891-1964) war mehr als nur anständi [ ... ]



Welten: Akureyri
 Welten: Akureyri



Akureyri ist eine Stadt im äußersten Norden Islands. In dem idyllisch, an einem Fjord gelegenen Zwanzigtausend-Seelen-Ort sind mehrere Kulturzentren, dort lebe [ ... ]



Buddenbrook-Debütpreis 2019: „Otto“, ein tragisch-komischer Roman von Dana von Suffrin
 Buddenbrook-Debütpreis 2019: „Otto“, ein tragisch-komischer Roman von Dana von Suffrin



Die Gewinnerin des Debütpreises des Buddenbrookhauses und des Lions Clubs Lübeck-Hanse für 2019 steht fest: Dana von Suffrin erhielt den mit 2.000 Euro dotier [ ... ]



Aspekte Festival 2020 – Die Programmatik
 Aspekte Festival 2020 – Die Programmatik



Woraus besteht die Musik unserer Zeit, was macht sie aus? Und überhaupt: Ist es die, die wir hören, ist es die, die komponiert wird oder die, die zeitgenössis [ ... ]



Über die Mathematik des Wassers
 Über die Mathematik des Wassers



Pascal Dusapin, 1955 in Nancy geboren, ist einer der wichtigsten Impulsgeber der Gegenwartsmusik.
Im Gespräch zum 5. Philharmonischen Konzert des Philharmonis [ ... ]



Paolo Pellegrin. Un’Antologia
 Paolo Pellegrin. Un’Antologia



„Fotografie ist wie schreiben für mich“, sagt Paolo Pellegrin. „Es ist eine Stimme.“
Diese „Stimme“ ist extrem berührend, mitunter fast unerträg [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.