Neue Kommentare

Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...
yolo 456 zu Die Juden vom Altrhein: man sollte einen artikel erst einmal lesen bevor ...
yolo123 zu Die Juden vom Altrhein: Das jüdische Leben in Deutschland ist vorbei und...
Achenar Myst zu Nils Landgren with Janis Siegel: some other time: Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl de...
Achim zu Golnar & Mahan – Derakht: Musik, die glücklich macht - Danke !!!...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

William Turner, der Maler der Elemente

Drucken
(121 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 28. Juni 2011 um 11:58 Uhr
William Turner, der Maler der Elemente 4.5 out of 5 based on 121 votes.
Kultur - Kunst  William Turner, der Maler der Elemente - Bucerius Kunst Forum

Alles bei diesem Maler sei so „ohne Form und voller Leerstellen“, dass es an das „erste Chaos der Welt(entstehung)“ erinnern würde, schrieb der britische Essayist William Hazlitt 1816 hämisch.
Es gäbe sogar Leute, die William Turners Bilder „Pictures of nothing“ nennen würden. Ganz offenkundig hatte der gute Mann nicht begriffen, welch profundes Naturverständnis Turners revolutionärer, weit vorgreifender Landschaftsmalerei zu Grunde lag. In der Ausstellung „William Turner. Maler der Elemente“ führt das Bucerius Kunst Forum ab dem 2. Juni eben dieses Verständnis vor Augen: Knapp hundert Aquarelle und Gemälde, überwiegend Leihgaben aus der Londoner Tate Gallery, dokumentieren in Hamburg, wie eng der künstlerischer Aufbruch des visionären Engländers mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen jener Zeit verbunden war. Zugleich spiegelt die Schau aber auch die religiöse Sichtweise des Malers, der Gott als Einheit mit Kosmos und Naturbegriff.

Wo hören Erde und Feuer auf? Wo fangen Luft und Wasser an? In William Turners „Abend der Sintflut“ (1843) scheinen die vier Elemente brodelnd miteinander zu verschmelzen. Das vor Dynamik vibrierende Gemälde erfasst exemplarisch die Wechselwirkungen der elementaren Kräfte, wie sie die Wissenschaft damals beobachtete. Bereits 1811 hatte Huphrey Davy erklärt, dass „die Formen und Erscheinungen der Wesen und Substanzen der äußeren Welt fast unendlich mannigfaltig“ seien und sich „in einem Zustande ununterbrochener Veränderungen“ befänden. Die exakten Naturwissenschaften, die sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer stärker differenzierten, lösten die antike Lehre von den vier Elementen als schöpferische Prinzipien ab; gleichzeitig lud die Romantik die Landschaft mit neuen Bedeutungen auf. Beides trug dazu bei, die Landschaftsmalerei von ihrer überkommenen Rolle als Vedute oder Beiwerk einer Figurenszene zu befreien und sie als eigenständige Gattung zu etablieren. Überall in Europa interessierten sich Künstler mit einem Mal für die Rohstoffe der Natur und studierten Gesteins,- Wasser- und Wolkenformationen. Auch William Turner hielt mit ungeheurem Fleiß Naturphänomene fest, 20 000 Zeichnungen und Gemälde vermachte er nach seinem Tod der Londoner National Gallery. Doch anders als viele Kollegen, bezog er zudem das Feuer in seine Landschaftskonzeption ein. Vor allem aber konzentrierte er sich auf die Beziehung der vier Elemente untereinander. Wie Davy, den er kannte und sicher auch schätzte, verstand William Turner Feuer, Wasser, Erde und Luft als Teil eines energetischen Prinzips, in dem alles mit allem in Verbindung steht und sich permanent in etwas Neues verwandelt. Die in fünf Themenbereiche gegliederte Schau veranschaulicht nun, wie diese Weltsicht zum Verzicht auf Gegenständlichkeit und zur Auflösung der Form führte – zu einer unerhört kühnen Abstraktion, die damals noch gar keinen Namen hatte.


Fotonachweis: Alle William Turner © Tate, London 2011
Header: Detail aus: Burning of the Houses of Parliament, Farbstudie aus dem Skizzenbuch Burning of the Houses of Parliament (Finberg CCLXXXIII), 1834. The Tate Gallery, London, Digital Image
1. The New Moon; or, “I’ve lost My Boat, You shan’t have Your Hoop”, vor 1840. The Tate Gallery, London, Digital Image
2. Fishing Boats Bringing a Disabled Ship into Port Ruysdael, o.J. The Tate Gallery, London, Digital Image
3. Whalers, o.J. The Tate Gallery, London, Digital Image
4. Paestum in a Thunderstorm aus Aquarellfolge Liber Studiorum (Little Liber), um 1825. The Tate Gallery, London, Digital Image
5. Wolkenstudie, nach 1830. The Tate Gallery, London, Digital Image
6. Fiery Sunset off the Coast, um 1841/45. The Tate Gallery, London, Digital Image
7. Cliffs from the Sea, um 1825. The Tate Gallery, London, Digital Image

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Bildende Kunst > William Turner, der Maler der Elemente

Mehr auf KulturPort.De

Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran
 Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran



Passend zur Festspielzeit werden in der Margarethenkapelle von St. Peter, eine der ältesten Kirchen Salzburgs, Fotografien gezeigt, die sich als „interkulture [ ... ]



Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte
 Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte



Auch heute noch geschehen beglückende Wunder: Mit 80 Jahren veröffentlichte die 1923 in Wien geborene Ilse Helbich ihren ersten Roman unter dem Titel „Schwal [ ... ]



Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National
 Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National



Thierry! – allein sein Vorname löst in Luxemburg schon entzücken aus und wird mit der Addition von „National“ zum Kult. In Deutschland und Österreich fr [ ... ]



„Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls
 „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls



Samuel Moaz kreiert mit dem Antikriegsdrama „Foxtrot” einen atemberaubenden ästhetischen Kosmos: zornig, visuell kühn, emotional hochexplosiv, oft grausam, [ ... ]



Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“
 Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“



Das Stück brillant, die Schauspieler große Klasse, die Inszenierung rundum gelungen und der kleine Saal der Komödie Winterhuder Fährhaus restlos ausverkauft. [ ... ]



Vergessen und wiederentdeckt: „Ludwig Meidner – Im Nacken das Sternemeer“
 Vergessen und wiederentdeckt: „Ludwig Meidner – Im Nacken das Sternemeer“



Der Titel der Ausstellung „Im Nacken das Sternemeer“ verweist auf das Buch mit Texten von Ludwig Meidner, das 1918 in Leipzig erschien. Meidner (1884-1966),  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.