Neue Kommentare

Lydia zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Durch die persönliche Darstellung ist der Artike...
Hans Maschek zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Wunderbar atmosphärische Beschreibung. Ich habe ...
Matthijs van de Beek zu „Stan & Ollie”. Oder die schmerzliche Seite der Komik : Das klingt wunderbar und wird ganz sicher angesch...
Dr. Frank-Peter Hansen zu Die Wittgenstein-Dekomposition: Frank-Peter Hansens Antwort auf Martin A. Hainz...
NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Bildende Kunst

William Turner, der Maler der Elemente

Drucken
(122 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 28. Juni 2011 um 11:58 Uhr
William Turner, der Maler der Elemente 4.5 out of 5 based on 122 votes.
Kultur - Kunst  William Turner, der Maler der Elemente - Bucerius Kunst Forum

Alles bei diesem Maler sei so „ohne Form und voller Leerstellen“, dass es an das „erste Chaos der Welt(entstehung)“ erinnern würde, schrieb der britische Essayist William Hazlitt 1816 hämisch.
Es gäbe sogar Leute, die William Turners Bilder „Pictures of nothing“ nennen würden. Ganz offenkundig hatte der gute Mann nicht begriffen, welch profundes Naturverständnis Turners revolutionärer, weit vorgreifender Landschaftsmalerei zu Grunde lag. In der Ausstellung „William Turner. Maler der Elemente“ führt das Bucerius Kunst Forum ab dem 2. Juni eben dieses Verständnis vor Augen: Knapp hundert Aquarelle und Gemälde, überwiegend Leihgaben aus der Londoner Tate Gallery, dokumentieren in Hamburg, wie eng der künstlerischer Aufbruch des visionären Engländers mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen jener Zeit verbunden war. Zugleich spiegelt die Schau aber auch die religiöse Sichtweise des Malers, der Gott als Einheit mit Kosmos und Naturbegriff.

Wo hören Erde und Feuer auf? Wo fangen Luft und Wasser an? In William Turners „Abend der Sintflut“ (1843) scheinen die vier Elemente brodelnd miteinander zu verschmelzen. Das vor Dynamik vibrierende Gemälde erfasst exemplarisch die Wechselwirkungen der elementaren Kräfte, wie sie die Wissenschaft damals beobachtete. Bereits 1811 hatte Huphrey Davy erklärt, dass „die Formen und Erscheinungen der Wesen und Substanzen der äußeren Welt fast unendlich mannigfaltig“ seien und sich „in einem Zustande ununterbrochener Veränderungen“ befänden. Die exakten Naturwissenschaften, die sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer stärker differenzierten, lösten die antike Lehre von den vier Elementen als schöpferische Prinzipien ab; gleichzeitig lud die Romantik die Landschaft mit neuen Bedeutungen auf. Beides trug dazu bei, die Landschaftsmalerei von ihrer überkommenen Rolle als Vedute oder Beiwerk einer Figurenszene zu befreien und sie als eigenständige Gattung zu etablieren. Überall in Europa interessierten sich Künstler mit einem Mal für die Rohstoffe der Natur und studierten Gesteins,- Wasser- und Wolkenformationen. Auch William Turner hielt mit ungeheurem Fleiß Naturphänomene fest, 20 000 Zeichnungen und Gemälde vermachte er nach seinem Tod der Londoner National Gallery. Doch anders als viele Kollegen, bezog er zudem das Feuer in seine Landschaftskonzeption ein. Vor allem aber konzentrierte er sich auf die Beziehung der vier Elemente untereinander. Wie Davy, den er kannte und sicher auch schätzte, verstand William Turner Feuer, Wasser, Erde und Luft als Teil eines energetischen Prinzips, in dem alles mit allem in Verbindung steht und sich permanent in etwas Neues verwandelt. Die in fünf Themenbereiche gegliederte Schau veranschaulicht nun, wie diese Weltsicht zum Verzicht auf Gegenständlichkeit und zur Auflösung der Form führte – zu einer unerhört kühnen Abstraktion, die damals noch gar keinen Namen hatte.


Fotonachweis: Alle William Turner © Tate, London 2011
Header: Detail aus: Burning of the Houses of Parliament, Farbstudie aus dem Skizzenbuch Burning of the Houses of Parliament (Finberg CCLXXXIII), 1834. The Tate Gallery, London, Digital Image
1. The New Moon; or, “I’ve lost My Boat, You shan’t have Your Hoop”, vor 1840. The Tate Gallery, London, Digital Image
2. Fishing Boats Bringing a Disabled Ship into Port Ruysdael, o.J. The Tate Gallery, London, Digital Image
3. Whalers, o.J. The Tate Gallery, London, Digital Image
4. Paestum in a Thunderstorm aus Aquarellfolge Liber Studiorum (Little Liber), um 1825. The Tate Gallery, London, Digital Image
5. Wolkenstudie, nach 1830. The Tate Gallery, London, Digital Image
6. Fiery Sunset off the Coast, um 1841/45. The Tate Gallery, London, Digital Image
7. Cliffs from the Sea, um 1825. The Tate Gallery, London, Digital Image

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Bildende Kunst > William Turner, der Maler der Elemente

Mehr auf KulturPort.De

Daniel Fuhrhop: Verbietet das Bauen! Eine Streitschrift.
 Daniel Fuhrhop: Verbietet das Bauen! Eine Streitschrift.



In diesen Tagen ist die Wohnungsnot eines der wichtigsten Themen der Politik. Sonst kann man sich ja auf überhaupt nichts einigen, aber hier kennt man über all [ ... ]



Giving Art a Face von Michael Knepper in der Galerie Kunstraum Hamburg
 Giving Art a Face von Michael Knepper in der Galerie Kunstraum Hamburg



Wie schreibt man eine Kunstkritik, wenn man mit dem Künstler seit Kindertagen befreundet ist? Vielleicht lieber gar nicht!? Gerade auch, weil sich die Kunst ein [ ... ]



Dimitri Monstein Ensemble: Landscape
 Dimitri Monstein Ensemble: Landscape



Das Schlagzeug als Solo-Instrument ist nicht unbedingt das, was man auf einer Jazz-Platte erwartet. Denn eigentlich ist es nichts selbstverständlicher, beweist  [ ... ]



Privattheatertage 2019: „Die Schulz-Story“. Oder wie „verzwerge“ ich mich selbst
 Privattheatertage 2019: „Die Schulz-Story“. Oder wie „verzwerge“ ich mich selbst



Keine andere Partei zelebriert die Selbstzerfleischung so exzessiv wie die SPD! Nun hat ein Kapitel Leidensgeschichte jüngster Zeit sogar Bühnenreife erlangt:  [ ... ]



„Sunset”. László Nemes’ Metaphorik des Abgrunds
 „Sunset”. László Nemes’ Metaphorik des Abgrunds



„Sunset” ist eine atemberaubende verstörende Vision, hinter deren unfassbar exquisiter Schönheit sich der Horror selbstzerstörerischer Zivilisationen verb [ ... ]



Focusyear Band: Open Paths
 Focusyear Band: Open Paths



Eigenartiger Name für eine Band! Ein fokussiertes Jahr – was hat es mit der zeitlichen Limitierung auf sich?
Focusyear ist ein einjähriges Programm für ein [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.