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Bildende Kunst

Kang Mu-xiang: „Unlimited Life“ – Monumentale Plastik auf Hamburgs Rathausmarkt

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Mittwoch, den 09. Mai 2018 um 07:43 Uhr
Kang Mu-xiang: „Unlimited Life“ – Monumentale Plastik auf Hamburgs Rathausmarkt 4.0 out of 5 based on 101 votes.
Kang Mu-xiang: „Unlimited Life“ – Monumentale Plastik auf Hamburgs Rathausmarkt

Wenn die Hansestadt Hamburg ihr Allerheiligstes für die bildende Kunst hergibt, dann nur für ein Werk der Superlative: Am 23. Mai enthüllen der taiwanische Bildhauer Kang Mu-xiang und der Deutsch-Taiwanische Freundeskreis, die Bambusrunde, auf dem Rathausmarkt „Unlimited Life“ (Nicht endendes Leben) – eine monumentale Plastik in Form eines menschlichen Embryos.
Rund 1.500 Kilo schwer und über zwei Meter groß, hat sie der Künstler aus den ausrangierten Stahlseilen geformt, die jahrelang die Fahrstühle des Taipeh 101 zogen – des einstmals höchsten Gebäudes der Welt. Als Inbegriff neuen Lebens stehen sie nun für die weltumspannende Freundschaft zwischen Deutschland und Taiwan.

Wer Kang Mu-Xiang und seine tonnenschweren Figuren zum ersten Mal zu Gesicht bekommt, weiß nicht, was beeindruckender ist: Die überdimensionalen, biomorphen Plastiken aus Stahltrossen, die bei Temperaturen von 1000 Grad Celsius ihre weichen organischen Formen bekamen - oder der Künstler selbst. Mit langem, schlohweißem Haar und ebenso weißem Bart wirkt Kang wie eine Urgestalt aus Mythen und Märchen. Ungestüm, unbezähmbar, ein Mann mit brachialen Kräften, halb Pangu, halb Philosoph. Und er pflegt dieses Image: Mit offenem, wehenden Haar und meterlanger Kettensäge lässt er sich bei der Arbeit fotografieren. Mal am Strand, wie er einem Baumstamm zu Leibe rückt. Mal zwischen Stahlseilen, die er wie ein Bogen zu spannen scheint. Mal auf dem Stumpf eines gigantischen Mammutbaumes, die Kettensäge wie ein überdimensionaler Phallus zwischen den Beinen aufgestellt.

Was Wunder, dass er in Taiwan, wo er 1961 in eine Familie von Reisbauern und Holzschnitzern hineingeboren wurde, als „primitive man of modern Taiwan“ schon zur Legende wurde. Mit 13 Jahren ging er bei seinem Vater in die Lehre, schuf die ersten hölzernen Tempelfiguren und zeigte dabei erstaunliches Talent. Doch das Handwerk allein reichte ihm nicht, Kang wollte Künstler werden und seine Grenzen ausloten. Mit dem „Upcycling“ alter und ausrangierter Materialien zu aufsehenerregenden Kunstobjekten wurde er schließlich weit über Landesgrenzen hinweg bekannt.
Das erste spektakuläre Projekt entstand aus Holz. Treibholz, um genau zu sein. 2002 folgte Kang der staatlichen Einladung, auf der unbewohnten Schildkröteninsel vor Taiwans Ostküste aus dem angeschwemmten Gut Kunstobjekte herzustellen. Ein Jahr lebte der Künstler dort menschenseelenallein, fern von jeder Zivilisation. Diese Zeit hat ihn nachhaltig geprägt. Mittlerweile ist der einstige Kunst-Eremit allerdings permanent auf Tour – für ein Projekt, das man wohl als sein Lebenswerk ansehen kann: „Stahltrossen, die die Welt verbinden“.

Die Idee dazu entstand aus einem Auftrag zur Feier des zehnjährigen Bestehens des Taipeh 101. Ein ganz besonderes Kunstwerk war gefragt und Kang der Meister, der es schaffen sollte: Eine Skulptur aus den ausgedienten Stahlseilen des Wolkenkratzers, das zwischen 2004 und 2010 das höchste der Welt war.
Bis es 2013 vom Shanghai Tower abgelöst wurde, war das Taipeh 101 nicht nur das höchste Gebäude weltweit, es hatte auch die schnellsten Aufzüge: 34 Stück, die mit rund 60 km/h nur 39 Sekunden bis zur Aussichtsplattform im 89. Stock brauchen. Diese Meisterleistung der Ingenieurskunst hat allerdings auch seinen Preis: Nach 600.000 Kilometern Laufstrecke werden die zentimeterdicken Stahlseile, die nicht nur aus Taiwan, sondern auch aus China, Brasilien und Japan stammen, aus Sicherheitsgründen ausgetauscht. Das heißt: Alle sechs Jahre entstehen 24 Tonnen Industrieabfall.

Kang brauchte eineinhalb Jahre, um daraus ein Kunstwerk zu schaffen, das nicht nur umweltfreundlich ist, sondern stärker als in allen vorangegangenen Arbeiten die fernöstliche Philosophie der Wiedergeburt symbolisiert. Sein überdimensionaler Embryo steht für den Neubeginn und den ewigen Kreislauf der Natur; verweist auf den Schöpfungsakt selbst und enthält alle Möglichkeiten des Wachstums und der Entwicklung. Darüber hinaus ist diese Form aber auch ein Symbol der Überlieferung und einer Weisheit, die im Keim angelegt von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Die Arbeit an „Unlimited Life“ mit Materialien, die aus verschiedenen Ecken der der Erde stammen, inspirierte den Künstler schließlich zu seinem Projekt „Stahltrossen, die die Welt verbinden“. Seit der feierlichen Eröffnung 2013 des ersten Werkes sind sieben embryonale Figuren für den öffentlichen Raum entstanden, die bereits in Europa gezeigt wurden: Auf der Biennale von Montreux, auf dem Potsdamer Platz in Berlin und im kleinen Diepholz, dessen Skulpturenpfad überregional von sich Reden macht. Ein Werk von Kang Mu-xiang hat sogar ein neues Domizil in Deutschland gefunden: Zum dreihundertjährigen Bestehen der Stadt Karlsruhe schenkte Taiwan 2015 das Werk „Taiwan Ruyi“, das nun zwischen Filmpalast und dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie von der Freundschaft beider Länder kündet.

Für die engagierten Mitglieder des Taiwan-Freundeskreises Bambusrunde e.V. war klar, dass so ein symbolisch aufgeladenes Kunstwerk auch an die Alster gehört. Schließlich ist die Bambusrunde der älteste Deutsch-Taiwanische-Verein und feiert im kommenden Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Vorbote dieses Jubiläums ist nun „Unlimited Life“: Prominent platziert im Herzen der Stadt, direkt vor dem Hamburger Rathaus, repräsentiert die spektakuläre Skulptur bis zum 6. Juli die lange Freundschaft zwischen Taiwan und Hamburg. Wer weiß, vielleicht verlieben sich die Hamburger ja in dieses Zeichen der Völkerverständigung und wollen so etwas auch für ihre Stadt. Dann sollten sie sich beeilen, denn mittlerweile sind die ausrangierten Stahlseile so gefragt, das Kang Mu-xiang darum kämpfen muss.

Kang Mu-xiang: „Unlimited Life“

Die Skulptur wird am Mittwoch, den 23.5.2018 auf dem Hamburger Rathausmarkt enthüllt und ist bis zum 6.7.2018 dort zu sehen.

Künstlergespräch mit Kang Mu-xiang am 22. Mai 2018, 19 Uhr im Mahnmal St. Nikolai (Willy-Brandt-Straße 60, Hamburg). Der Eintritt der gemeinsamen Veranstaltung von Bambusrunde und dem Förderkreis Mahnmal St. Nikolai ist frei. Anmeldung erbeten bis 18. Mai an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Weitere Informationen zum Künstler (engl.)


Abbildungsnachweis:
Header: 無限生命. Nicht endendes Leben. Copyright (C) 2016, KMX Studio.
Galerie: Fotos: D. Langmann/Bambusrunde; KMX, Diepholz, Unendliche Weisheit; 565x377cm

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avatar Herby Neubacher
-3
 
 
Schoen das der Bauschutt aus Taipeh ein neues Zuhause gefunden hat - Gratulation!
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