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Bildende Kunst

Vivian Kahra und Bodo Korsig: restless in space

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Dienstag, den 27. Februar 2018 um 09:00 Uhr
Vivian Kahra und Bodo Korsig: restless in space 4.4 out of 5 based on 118 votes.
Vivian Kahra und Bodo Korsig: restless in space

Die Galerie Borchardt in der Hamburger Altstadt zeigt Werke der beiden Künstler Vivian Kahra und Bodo Borsig. Beide stellen erstmals gemeinsam in einer dialogischen Ausstellung ihre Arbeiten vor.

Vivian Kahra (*1971) studierte Ende der 1990er, Anfang der 2000er an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und anschließend an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Zwischen 2005 und 2017 lebte sie in New York, bevor sie wieder nach Deutschland zurückkam und in Freiburg/Br. lebt und arbeitet.
Seit der Studienzeit ist sich Kahra in ihrem künstlerischen Ausdruck treu geblieben, auch wenn sie die Thematik längst vielschichtiger und ausgereifter gibt. Ihre zumeist großformatigen Bilder mit Öl, Wasserfarben auf Leinwand, Leinen oder Papier sind eingefrorene Bewegungsmomente, die einer narrativen Welt folgen. Bewegung, Dynamik und Balance bedeutet bei der Künstlerin in erster Linie sportliche Aktivität: Skateboard-Fahren und Wintersport.
Auffällig an den Bildern ist sowohl die häufig farbliche Zurückgenommenheit, die Betrachterperspektive von oben, aus einer Entrückung als auch der Mut zum Undefinierten, zur freien unbemalten oder nur angedeuteten Fläche. Und genau diese Elemente sind es, die ihr Werk dadurch besonders machen. Die zurückhaltenden Grau- und Grüntöne, die gebrochene Farbigkeit und Temperatur distanzieren den Betrachter in gleicher Weise wie er von der räumlichen Situation distanziert wird. Der Betrachter wird dadurch aber keineswegs aus den Szenerien ausgeschlossen, er muss sich jedoch inner- oder außerhalb des Bildes seinen Platz suchen und verbleibt in der Rolle des Beobachters.
Was Vivian Kahra anbietet ist die Auseinandersetzung mit Raum, Dynamik, Zeit, Fragment und zumeist einer Einzelfigur, die eine Entsprechung nur im eigenen Schatten findet.

Das Collagieren und Setzen von Schnitten in den Papierarbeiten ist nicht nur räumliches Bedürfnis, sondern immer auch zeichnerischer Ausdruck. Aussparungen im Bild, unfertig wirkende und schablonierte Elemente entziehen sogar Raum, wirken plakativ, schattenartig und dominant. Als ob der semantische Faden abbricht oder kein Ende finden könnte entsteht ein geheimnisvoller Zustand zwischen realistischer, geerdeter Welt und abstrakter Phantasie.
Die Unruhe im Raum (restless in space) macht sich in uns breit, anstatt in den Bildern der Künstlerin.

Ganz anders verhält es sich mit den Objekten und Wandarbeiten von Bodo Korsig (*1962). Der in Zwickau geborere Künstler geht mit seinen Themen und Werken gelassen spielerisch, aber dennoch präzise um. Was auf den ersten Blick illustrativ oder dekorativ erscheinen kann, wird im Dialog der Werke miteinander oder mit einem Raum oder Ort umgehend entzerrt. Ornamente und Muster stehen bei Korsig nie für sich selbst, sie verbinden sich intensiv mit den Orten, an denen sie auftauchen, geben Festigkeit oder metamorphes Bedenken. Gerade in seiner „Windows“-Serie wird dies deutlich. Form ist nur durch bestimmte Materialien in seiner Festigkeit definiert und im nächsten Moment bereits gravitätisch aufgelöst. Als visuellen Orientierungspunkt baut der Künstler auf wissenschaftlichen Formen auf, die aus der Neurologie, der Hirnforschung und der Biologie im allgemeinen stammen. Es gibt kaum ein skulpturales Objekt, das nicht an seinem eigenen Leben oder an dessen Bezug zweifelt.
Auch die Farbigkeit spielt eine immens wichtige Rolle. Entweder ist die Kontrastierung klar und in schwarz-weiß gehalten oder Vorder- und Rückseite der flachen Wandmuster kommunizieren farbig unterschiedlich. Hinter einer dem Betrachter zugewandten roten Schauseite reflektiert an der Wand ein Grün, dass rückseitig auf das Objekt aufgetragen wurde oder umgekehrt. Die Bedeutung des Raums und des Lichts wird bei diesen Objekten besonders betont.

Wie bei Kahra – und hier treffen sich formal und inhaltlich die beiden Künstler – spielt der Schablonen-hafte Ausdruck eine wichtige Rolle. Reduktion auf das Wesentliche.

Vivian Kahra und Bodo Korsig: Restless in Space

Zusehen bis 25. Mai 2018 in der Galerie Borchardt, Hopfensack 19, in 20457 Hamburg.
Öffnungszeiten: Di-Fr 12 - 18 Uhr und Sa 12 - 16 Uhr
Weitere Informationen


Abbildungsnachweis:
Header: Motiv der Einladungskarte „restless in space“
Galerie:
01. Vivian Kahra: „Paul Breathing“, 2017, Öl auf Leinwand, 118x181cm
02. Vivian Kahra: „Riverspace“, 2014, Öl auf Leinwand, 51x61cm
03. Vivian Kahra: „Edge“, 2014, Öl auf Leinwand, 121x183cm
04. Vivian Kahra: „Man Standing“, 2016, Wasserfarbe, Öl auf Leinwand, 183x122cm
05. Vivian Kahra: „From the other Side“, 2016, Öl auf Leinwand, 183x122cm
06. Vivian Kahra: „Barefoot“, 2017, Öl auf Leinwand, 183x122cm
07. Bodo Korsig: „Journey into the Past“, 50 Objekte, Acrylglas, je ca. 120x120x1cm, 12 Textobjekte, Aluminium, Lack je ca. 200x20x1cm
08. Bodo Korsig: „Beauty Under Construction”, Aluminium, Autolack, Öl, 150x110x5cm
09. Bodo Korsig: „Hidden mind“, Aluminiumguss, 250x250x8cm
10. Bodo Korsig: „Windows of the Mind“, Filz, 100x100cm
11. Bodo Korsig: „Methamorphoses“, Pigment, Papier, je 70x70x4cm
12. Bodo Korsig: „Talking with the Enemy“, 50 Keramiken, je ca. zwischen 6x25x6cm und 15x180x15cm.

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