Neue Kommentare

Lydia zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Durch die persönliche Darstellung ist der Artike...
Hans Maschek zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Wunderbar atmosphärische Beschreibung. Ich habe ...
Matthijs van de Beek zu „Stan & Ollie”. Oder die schmerzliche Seite der Komik : Das klingt wunderbar und wird ganz sicher angesch...
Dr. Frank-Peter Hansen zu Die Wittgenstein-Dekomposition: Frank-Peter Hansens Antwort auf Martin A. Hainz...
NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Bildende Kunst

„Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters“

Drucken
(93 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 10. November 2017 um 10:42 Uhr
„Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters“ 3.8 out of 5 based on 93 votes.
Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters

Reproduktionen und Variationen sind keine Erfindung der Moderne. Wie „Die Geburt des Kunstmarktes“ im Bucerius Kunst Forum zeigt, gingen schon „Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters“ in Serie, um schnell und effektiv zu verkaufen.

Es ist eine opulente Schau, die erste, die Franz Wilhelm Kaiser als Direktor des Bucerius Kunst Forums konzipiert hat, und sie dringt tief in die Blütezeit der Niederlande vor rund 400 Jahren ein.

Vorausgegangen war eine schwere Krise und Revolte, die entscheidend zum späteren Aufschwung beitrug: 1568 hatten sich die sieben Nordprovinzen von Spanien losgesagt, 80 Jahre dauerte ihr Kampf um Unabhängigkeit, der 1648 (zeitgleich mit dem Dreißigjährigen Krieg) endete. Aus Furcht vor der im katholischen Süden wütenden Inquisition emigrierten in diesen Jahren tausende Glaubensflüchtlinge, darunter zahlreiche Künstler, in den Norden. In der protestantischen Republik herrschte Glaubensfreiheit und Toleranz, was nicht nur Geistes- und Naturwissenschaften beflügelte, sondern ganz maßgeblich auch die Wirtschaft. Die Generalstaaten stiegen zur größten See- und Handelsmacht Europas auf, Amsterdam zum wichtigsten Handelsplatz und zur wohlhabendsten Stadt Europas. Das Bürgertum wollte zeigen, was es hat und wer es ist – und dieses Geltungsbedürfnis befriedigte die Kunst. Wie gut, denn als Auftraggeber verlor der Adel an Bedeutung und die bilderfeindliche calvinistische Kirche fiel gleich ganz aus.

So aber arbeiteten um 1650 etwa 700 Künstler in den Niederlanden, die jährlich rund 70.000 Gemälde herstellten. Die Kundschaft fanden sie auf Märkten, Kneipen oder der Straße, das heißt, die Künstler wurden selbst zu Händlern. Die nunmehr größtenteils anonyme Kundschaft fragte nach lebensnahen Themen zu bezahlbaren Preisen: Porträts, idyllische Landschaften, derbe Sittengemälde, kriegerische Seestücke - oder einfach Wasserfälle, Kühe und Pferde. Da die Konkurrenz groß war, galt es Markenzeichen und Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln. Also spezialisierten sie sich: Jan van Goyen auf Landschaften und eine neuartige Ton-in-Ton-Malerei, Jacob van Ruisdael aufreißende Gebirgsbäche, Jan Porcellis steht heute noch für Seestücke, Paulus Potter für Kühe, Pieter Claesz für Stillleben und Eglon van der Neer für feinmalerische Interieurs. Es wurde wie am Fließband produziert – und genau das zeigt das Bucerius Kunst Forum im Erdgeschoss anhand einer Fülle von thematisch geordneten Werken.
Einzeln oder in Teilen würden diese Bilder wahrscheinlich keinen Hund hinterm Ofen hervorlocken. Gebündelt und mit dem Hintergrundwissen des hervorragenden Katalogs aber gibt Kaiser einen ebenso komplexen, wie spannenden Einblick in die Entstehung des Kunstmarktes.

Im Obergeschoß taucht man dann ein in das Beziehungsgeflecht der führenden Amsterdamer Kunsthändler: Hendrik Uylenburgh (später übernimmt Sohn Gerrit) und Johannes de Renialme bedienten das obere Preissegment des aufkeimenden Geschäfts. Und Rembrandt war genau der Künstler, den Uylenbourgh dazu brauchte: Hochbegabt und noch nicht zu teuer, dazu noch selbst gut bei Kasse: Mit einem Darlehen von 1.000 Gulden kaufte sich der junge Maler als Uylenburgs Partner und Werkstattleiter ein. Als er Saskia, der Nichte des Kunsthändlers heiratet, wird Beziehung auch noch familiär. Merke: Gute Kontakte waren schon damals Gold wert.

„Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters“
Zu sehen bis 7. Januar 2018 im Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt 2, 20095 Hamburg.
Die Buchhandelsausgabe des Katalogs zur Ausstellung Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters können Sie versandkostenfrei über die Website des Hirmer Verlags bestellen.
Weitere Informationen


Abbildungsnachweis:
Header: Ausstellungsansicht Bucerius Kunst Forum; Die Geburt des Kunstmarktes
Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters. © Bucerius Kunst Forum, 2017, Foto: Uli Perrey
Galerie:
01. Adriaen van Ostade: Der Maler in seiner Werkstatt, 1663. Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Foto © bpk, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans-Peter Klut
02. Otto Marseus van Schrieck: Waldboden mit Distel und Schlange, o.J. Staatliches Museum Schwerin/Ludwigslust/Güstrow. Foto © bpk, Staatliches Museum Schwerin/Ludwigslust/Güstrow. Foto: Elke Walford
03. Ausstellungsansicht. © Bucerius Kunst Forum, 2017. Foto: Ulrich Perrey
04. Julius Porcellis: Schiffe auf stürmischer See, o.J. Staatliches Museum Schwerin/Ludwigslust/ Güstrow. Foto © bpk, Staatliches Museum Schwerin/Ludwigslust/Güstrow, Foto: Göran Gnaudschun
05. Simon Jacobsz de Vlieger: Das Flaggschiff Aemilia feuert Salut für Admiral Maerten Harpertsz. Tromp, 1640er Jahre, Privatsammlung
06. Ausstellungsansicht. © Bucerius Kunst Forum, 2017. Foto: Ulrich Perrey
07. Jan Weenix: Jagdstillleben mit erlegtem Hasen, o. J. Hamburger Kunsthalle. Foto © bpk, Hamburger Kunsthalle, Foto: Elke Walford
08. Jan Weenix: Stillleben mit totem Hasen und Geflügel, 1701. Museumslandschaft Hessen Kassel, Gemäldegalerie Alte Meister. Foto © Museumslandschaft Hessen Kassel
09. Hendrik van Vliet: Innenansicht der Oude Kerk in Delft vom südlichen Seitenschiff, 1657. Privatsammlung
10. Jan Josephsz. van Goyen: Flachlandschaft mit Blick auf Scheveningen, 1646. Museum der bildenden Künste, Leipzig. Foto © bpk, Museum der bildenden Künste Leipzig. Foto: Ursula Gerstenberger
11. Ausstellungsansicht. © Bucerius Kunst Forum, 2017. Foto: Ulrich Perrey
12. Buchumschlag Die Geburt des Kunstmarktes. Hirmer Verlag

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Bildende Kunst > „Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ru...

Mehr auf KulturPort.De

Daniel Fuhrhop: Verbietet das Bauen! Eine Streitschrift.
 Daniel Fuhrhop: Verbietet das Bauen! Eine Streitschrift.



In diesen Tagen ist die Wohnungsnot eines der wichtigsten Themen der Politik. Sonst kann man sich ja auf überhaupt nichts einigen, aber hier kennt man über all [ ... ]



Giving Art a Face von Michael Knepper in der Galerie Kunstraum Hamburg
 Giving Art a Face von Michael Knepper in der Galerie Kunstraum Hamburg



Wie schreibt man eine Kunstkritik, wenn man mit dem Künstler seit Kindertagen befreundet ist? Vielleicht lieber gar nicht!? Gerade auch, weil sich die Kunst ein [ ... ]



Dimitri Monstein Ensemble: Landscape
 Dimitri Monstein Ensemble: Landscape



Das Schlagzeug als Solo-Instrument ist nicht unbedingt das, was man auf einer Jazz-Platte erwartet. Denn eigentlich ist es nichts selbstverständlicher, beweist  [ ... ]



Privattheatertage 2019: „Die Schulz-Story“. Oder wie „verzwerge“ ich mich selbst
 Privattheatertage 2019: „Die Schulz-Story“. Oder wie „verzwerge“ ich mich selbst



Keine andere Partei zelebriert die Selbstzerfleischung so exzessiv wie die SPD! Nun hat ein Kapitel Leidensgeschichte jüngster Zeit sogar Bühnenreife erlangt:  [ ... ]



„Sunset”. László Nemes’ Metaphorik des Abgrunds
 „Sunset”. László Nemes’ Metaphorik des Abgrunds



„Sunset” ist eine atemberaubende verstörende Vision, hinter deren unfassbar exquisiter Schönheit sich der Horror selbstzerstörerischer Zivilisationen verb [ ... ]



Focusyear Band: Open Paths
 Focusyear Band: Open Paths



Eigenartiger Name für eine Band! Ein fokussiertes Jahr – was hat es mit der zeitlichen Limitierung auf sich?
Focusyear ist ein einjähriges Programm für ein [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.