Neue Kommentare

NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...
Peter Schmidt zu Verleihung der Goldenen Kamera – mit Bruno Ganz und ohne Friede Springer: Und noch einmal zur Goldenen Kamera
Im Fol...

Hans Joachim Schneider zu Tina – das Tina Turner Festival: Was soll aus einem Stück werden, wenn die Dame, ...
Marion Sörensen zu Leipziger Buchmesse – Impressionen: Das ist wieder einmal ein wunderbar geschriebener...
Dagmar Reichardt zu Ennio Morricone: Farewell-Tour 2019: Danke, lieber Herr Cvek! Ja, das war ein wirklich...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Bildende Kunst

Ernst-Hermann Ruth: „Helmut Schmidt meets Barack Obama“

Drucken
(110 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 17. September 2015 um 10:00 Uhr
Ernst-Hermann Ruth: „Helmut Schmidt meets Barack Obama“ 4.6 out of 5 based on 110 votes.
Ernst-Hermann Ruth: „Helmut Schmidt meets Barack Obama“

Die Homepage des Photodesigners Ernst-Hermann Ruth ist zweigeteilt, so als ob eine Leben über dem Bruchstrich existiert und eines darunter: Enter Ruth-Photodesign steht oben, Enter Ruth-Painting steht unten.

Der Mann muss ein aufregendes und rasantes Leben haben, denn er fotografiert seit Jahrzehnten formschöne Superkarossen der großen Automobilhersteller vor formschöner Baukultur und in atemberaubend schöner Landschaft und Stadtschaft. Der in Gauting bei München lebende Ruth, der viel in der Welt herumgekommen ist und an sehenswerten Bildbänden über Australien und Bali mitwirkte, beschäftigt sich neben seiner fotografischen Arbeit seit vielen Jahren mit besonderen Druck- und Malereitechniken. Einen Ausschnitt seines künstlerischen Schaffens zeigt er in der Galerie des Levantehauses an der Hamburger Mönckebergstraße.

Unter dem Titel „Helmut Schmidt meets Barack Obama“ sind in der überschaubaren Galerie ausschließlich Werke aus dem Zyklus zu sehen, in dem er die beiden Politiker in recht unterschiedlichen Grundstimmungen schwarz-weiß fotografiert hat – teilweise direkt vom Bildschirm seiner Fernsehers – und hat diese anschließend digital überarbeitet. Den bekannten medialen Bildwirkungen versucht Ernst-Hermann Ruth etwas entgegenzusetzen. Die in unterschiedlichen Situationen gezeigten Politikerfotos sind allesamt überarbeitet, teilweise verfremdet, auf Umrisslinien reduziert worden, übermalt und in abstrakt räumlich-emotionale Zustände versetzt. Einerseits bewahrt Ruth so den individuellen Ausdruck der Menschen Schmidt und Obama, andererseits kann er ihn aber auch unterstützen und navigieren. Der Betrachter versteht schnell, dass es inhaltlich dem Photodesigner gar nicht um Politik oder Politiker geht, sondern um die menschlichen und emotionalen Momente, die ein Gesichtsausdruck in sich trägt und ganze Bände erzählen kann. Bis auf eine Ausnahme entsteht in der Ausstellung zwar dabei keine konkrete Narration, aber der Betrachter ist in die Lage versetzt, eine direkte emotionale Kommunikation zu sich selbst aufzubauen.

Die besagte Ausnahme zeigt ein Bild mit dem betend wirkenden Profil Obamas, welches überdimensional vor der Abendsilhouette steht und sich mit einem Gefangenenlager zu vereinen scheint. Da wird der Stacheldrahtzaum zur Halskrause. Es ist auch eines der wenigen narrativen Bilder, das einen Titel trägt: „Guantanamo“.

Auch die großen Gesten sind auf die Bildern zu finden, siegessicher streckt Barack Obama seine „Yes we can“-Hand in den Himmel, doch irgendwie hat die Realität diesen Mann längst eingeholt und das löst auch in der Ausstellung Diskussionen aus. Ruth schafft es – und hier liegt eine Stärke – Kommunikation innerhalb und jenseits der Bildinhalte zu evozieren.

Formal fällt auf, dass er sowohl malerischen Duktus als auch haptische analoge Druck- und Malverfahren simuliert oder einsetzt. „Digi-Art mit Acryl“, nennt der Photodesigner seine Technik. Jedes Werk ist trotz der Druck- und Fotoverfahren ein unikat.

Betritt man den Raum, so ist ein ganz klein wenig Atelieratmosphäre zu spüren, was der Ausstellung gut tut, denn die Werke sind nicht allein in Augenhöhe an der Wand aneinandergereiht, sondern auch auf Staffeleien und auf dem Boden stehend, an die Wand gelehnt. Für Besucher lockert das die sonst so übliche „White Cube“-Ästhetik auf, zum anderen verändert sich durch die auf dem Boden stehenden Bilder das eigene körperliche Verhältnis zum gezeigten und unterbricht wohltuend die sonstige Reihung. In dieser präsentierten Form verlieren die Werke weder ihren inhaltlichen Zusammenhang, noch wirken sie unentschlossen in ihrer Präsenz. Der dialogische Kontext der Bilder untereinander bleibt also gewahrt.

HELMUT SCHMIDT meets OBAMA
Zu sehen noch bis zum 2. Oktober in der Galerie im LEVANTEHAUS (1. OG), Mönckebergstr. 7 in 20095 Hamburg
Geöffnet täglich außer So.12-19 Uhr; verkaufsoffener So: 27.9. von 13-18 Uhr
Eintritt frei
Eine Ausstellung vom Forum Kunst&Dialog, Dr. Evamaria Brehm.
Die Werke sind zu erwerben und liegen preislich zwischen 3.000 und 4.500 Euro
Homepage des Photodesigners Ernst-Herman Ruth
Homepage vom Forum Kunst&Dialog


Abbildungsnachweis: Alle © Ernst-Hermann Ruth
Header: Collage aus zwei Bildern; links Schmidt #122 und rechts Obama #111
Galerie:
01. Schmidt #115, 90x90cm.
02. Obama #118, 120x140cm.
03. Schmidt #130, 80x90cm.
04. Obama #121, 100x180cm.
05. Schmidt #137, 100x80cm.
06. Obama #129, 140x210cm.
07. Schmidt #117, 90x90cm
08. Obama #131, 85x140cm.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Bildende Kunst > Ernst-Hermann Ruth: „Helmut Schmidt meets B...

Mehr auf KulturPort.De

Joachim Caffonnette Trio: Vers L‘Azur Noir
 Joachim Caffonnette Trio: Vers L‘Azur Noir



Die Richtung ist vorgegeben, auch wenn wir nicht wissen, woher und aus welcher Farbe sie kommen. Es geht ins tief dunkle Azurblau-schwarz: das belgische Trio um  [ ... ]



„Hyper! A Journey Into Art and Music“
 „Hyper! A Journey Into Art and Music“



Die Deichtorhallen in Hamburg suchen mit der Ausstellung „Hyper! A Journey Into Art and Music“ von Kurator Max Dax, ein neues, junges Publikum – und die Re [ ... ]



Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance
 Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance



Wer sakrale Kunst schätzt, sollte eine bemerkenswerte Ausstellung in Berlin nicht versäumen. In Kooperation mit der National Gallery, London, präsentieren die [ ... ]



„Ein letzter Job”. Oder der diskrete Charme des Michael Caine.
 „Ein letzter Job”. Oder der diskrete Charme des Michael Caine.



Das Alter ist ein besonders tückischer gefräßiger Moloch, die Zeit drängt, doch Schauspieler wie der 86jährige Michael Caine in „Ein letzter Job” trotze [ ... ]



Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze
 Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze



„Die Aufgabe, sieben Adagios, wovon jedes gegen zehn Minuten dauern sollte, aufeinander folgen zu lassen, ohne den Zuhörer zu ermüden, war keine von den leic [ ... ]



Wolfgang Marx: Am grauen Meer
 Wolfgang Marx: Am grauen Meer



„Warum“, möchte „Der Freitag“ von einer erfolgreichen Drehbuchautorin wissen, warum „kommt bei Angst so viel Rosamunde Pilcher heraus?“ Mit Angst sp [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.