Neue Kommentare

Matthijs van de Beek zu „Stan & Ollie”. Oder die schmerzliche Seite der Komik : Das klingt wunderbar und wird ganz sicher angesch...
Dr. Frank-Peter Hansen zu Die Wittgenstein-Dekomposition: Frank-Peter Hansens Antwort auf Martin A. Hainz...
NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...
Peter Schmidt zu Verleihung der Goldenen Kamera – mit Bruno Ganz und ohne Friede Springer: Und noch einmal zur Goldenen Kamera
Im Fol...

Hans Joachim Schneider zu Tina – das Tina Turner Festival: Was soll aus einem Stück werden, wenn die Dame, ...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Bildende Kunst

Rezensiert! Ehrliche Haut – Körperbilder zwischen Beauty und Bulimie

Drucken
(113 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 14. Dezember 2009 um 16:22 Uhr
Rezensiert! Ehrliche Haut – Körperbilder zwischen Beauty und Bulimie 4.6 out of 5 based on 113 votes.
Rezensiert! Ehrliche Haut – Körperbilder zwischen Beauty und Bulimie

In der Ausstellung „Ehrliche Haut – Körperbilder zwischen Beauty und Bulimie“, Münchner Kulturfabrik Pasing, zeigen bis 17. Januar 2010 sieben Künstler, wie heute die verschiedensten Verhaltensweisen und Methoden den Körper verändern: Jugendwahn, Narzissmus, Körperideale der Modeindustrie und welche Sehnsüchte damit verbunden sind.
Der Druck der Gesellschaft immer perfekt auszusehen – jung, schlank, dynamisch, erfolgreich zu sein – wächst immer mehr. Nicht nur, weil die Werbeindustrie per Mausklick Beine länger macht, Fältchen verschwinden lässt und kleine Fettpölsterchen retuschiert, auch die Gentechnologie zeigt den Trend zum maßgeschneiderten Menschen. In sieben künstlerischen Beiträgen der Ausstellung „Ehrliche Haut – Körperbilder zwischen Beauty und Bulimie“ werden kulturelle Krankheiten thematisiert.

Die ehrliche Haut ist sprichwörtlich der ehrliche, aufrichtige und integere Mensch. Haut wird rot wenn man lügt, kann nichts verbergen und verzeiht nicht.

Die Münchner Künstlerin Beate Passow zeigt zwei großformatige Porträtfotografien von Frauen, auf denen nur bei genauer Betrachtung körperliche Wunden zu sehen sind. „Fräulein B.“ ganz in schwarz gekleidet, ist von hinten aufgenommen und verschränkt die Arme auf dem Rücken. Sie hat sich mehrfach im autoaggressiven Effekt die Pulsadern aufgeschnitten. Dagegen zeigt das, einem Herrscherporträt anmutende, Foto von „Frau P.“ eine klitzekleine Tätowierung von Buchstaben und Nummern auf dem Unterarm. Sie ist eine Überlebende von Auschwitz.

Die Serie des New Yorker Fotografen Martin Schoeller erinnert auf den ersten Blick an die Aufnahmen von Richard Avedons Realismusfotografie der 1960/70er Jahre. Doch sind schockierend dünn, ausgemergelt, aber auch Fettleibigkeit die zentralen Themen dieser Porträtserie. Schoellers „Food Victims“ zeigen verschiedene Facetten essgestörten Verhaltens und negativer Körperwahrnehmung. Es sind Gesichter und Detailaufnahmen des Körpers Betroffener und ehemaliger Betroffener, d.h. esssüchtiger, bilumischer und magersüchtiger Frauen und Männer.

Tätowierungen und Piercings widmet sich der Berliner Fotograf Andreas Fux in seinen Arbeiten. Sowohl die Körperbemalung als auch das Durchlöchern der Haut mit Metall gehören mittlerweile zur akzeptierten Kunst am Körper und ziehen sich durch alle gesellschaftlichen Schichten. Körperschmuck hat ganz unterschiedliche Funktionen und Bedeutungen. Mitgliedszeichen, rituelles, Ausdruck von Abgrenzung, Verzierung oder Protest.

Im Zentrum der Berliner Künstlerin Paula Muhr, Absolventin der Leipziger Hochschule für Graphik und Buchkunst, stehen Stereotypien weiblicher Körper. In einer Kombination aus Fotoserie und Tonspur, wird unter dem Titel “ Mimikry“, die Maskerade der Frau kritisch beleuchtet. Mimikry ist in der Biologie der Terminus für die Ähnlichkeit von Tieren einer bestimmten Art mit denen einer zweiten Art, so dass Tiere einer dritten Art die beiden anderen Arten nicht sicher voneinander unterscheiden können und miteinander verwechseln. Die Reihe der Selbstporträts zeigen sehr ähnliche, aber verschieden geschminkte Gesichter der Künstlerin – auf der Tonspur werden Ausschnitte aus „Das Geschlecht, das nicht eins ist“, der französischen Feministin und Psychoanalytikerin Luce Irigaray, vorgelesen.



 
Home > Blog > Bildende Kunst > Rezensiert! Ehrliche Haut – Körperbilder z...

Mehr auf KulturPort.De

Hamburger Theater Festival: „Heilig Abend“ – ein als Krimi getarntes philosophisches Werk
 Hamburger Theater Festival: „Heilig Abend“ – ein als Krimi getarntes philosophisches Werk



Packendes Kammerspiel mit zwei exzellenten Schauspielern, die nach dem Schlussapplaus strahlten wie nach einem gelungenen Coup: Sophie von Kessel und Michele Cuc [ ... ]



Daniel Garcia Trio: Travesuras
 Daniel Garcia Trio: Travesuras



Ob tosende Akkord-Sturzbäche, Staccato-Piano oder ausufernde Tastenläufe: Zurückhaltung gehört nicht unbedingt zu den musikalischen Qualitäten des spanische [ ... ]



KP Brehmer – „Korrektur der Nationalfarben“
 KP Brehmer – „Korrektur der Nationalfarben“



So berühmt wie seine Kollegen Sigmar Polke und Gerhard Richter ist er nie geworden. Vielleicht war er nicht ehrgeizig genug, vielleicht war er zu…. – ach, m [ ... ]



„All My Loving”. Edward Berger auf den Spuren der „comédie humaine”
 „All My Loving”. Edward Berger auf den Spuren der „comédie humaine”



Mit einem untrügerischen Gespür für die menschlichen Untiefen erzählt Regisseur Edward Berger in „All My Loving” von den Verirrungen und Verletzungen, di [ ... ]



Versuch über den Schwindel
 Versuch über den Schwindel



Schwindel ein Thema der Philosophie? Und dann auch noch im ausgehenden 18. Jahrhundert? Marcus Herz, ein heute nur noch Spezialisten bekannter Autor der Goetheze [ ... ]



Judith Tellado: Yerba Mala
 Judith Tellado: Yerba Mala



Was macht eine Künstlerin und Sängerin, wenn sie bereits entdeckt wurde? Sie macht weiter! Sie versucht dem Prädikat „Entdeckung des Jahres 2014“ gerecht  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.