Neue Kommentare

Maggie zu Walter-Kempowski-Literaturpreis 2019: Guten Abend,
Gibt es denn schon irgendeine...

Lothar Segeler zu Filmtonschaffende erstmals als Urheber*innen an Kinoerlösen beteiligt: Großartig - wie lange haben wir darauf gewartet!...
Alf Dobbertin zu Henri Bergson: Die beiden Quellen der Moral und der Religion: Ein großes Lob dem Rezensenten Stefan Diebitz, d...
Maximilian Buchmann zu „Apocalypse Now - Final Cut”. Der Höllentrip des Francis Ford Coppola: Uff! Nur heute im Kino? Hoffentlich bekomme ich n...
Klaus Schöll zu Am 12. Juli 2019 wird die James-Simon-Galerie eröffnet – in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Ich finde das die Treppe zur James-Simon-Galerie ...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Bildende Kunst

„Selbstjustiz durch Fehleinkäufe“. Sammlung Falckenberg

Drucken
(114 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 12. März 2015 um 10:59 Uhr
„Selbstjustiz durch Fehleinkäufe“. Sammlung Falckenberg 4.4 out of 5 based on 114 votes.
Selbstjustiz durch Fehleinkäufe. Sammlung Falckenberg

Ziemlich blöd guckt sie aus der Wäsche. Nein, falsch, vielmehr aus der Schärpe.
Die Frau mit dem dunkel angelaufenen Kopf und ihren zwei Einkaufstaschen steht ja völlig nackt vor gelbem Grund – bis auf die rote Schärpe, die sich leuchtend von dem gelbgrünlichen Leib abhebt. „Selbstjustiz durch Fehleinkäufe“ hat Martin Kippenberger (1953-1997) diese 1984 auf die Leinwand gebannte Abrechnung mit einer Liebschaft genannt. „Aber Kippenberger wäre nicht Kippenberger, wenn seine Arbeit nicht zugleich allgemein ein gekonnter Seitenhieb auf das Kunstsammeln wäre“, schreibt Harald Falckenberg in seiner Einführung.

Lange hat der Hamburger Sammler nach diesem Bild gesucht. Nachdem er es im Sommer 2014 endlich in den Händen hielt, inspirierte es ihn zur gleichnamigen Ausstellung – einem rund 140 Arbeiten umfassenden Querschnitt durch die Neuerwerbungen seit 2011.

Harald Falckenberg ist einer der angesehensten und potentesten Sammler Deutschlands. Und doch zählt er sich nicht zur Riege der Superreichen, die Kunst als Statussymbol sehen und jede x-beliebige Summe zahlen. Ganz im Gegenteil, die Kunstwelt, bei der es nur noch um Kapitalanlage, gelegentlich auch um Geldwäsche geht, ist ihm höchst suspekt. Und Künstler wie Jeff Koons und Damian Hirst, die auf dieser Hype-Welle ganz oben schwimmen, ebenso.
Falckenberg sammelt seit 20 Jahren Konzeptkunst, Richard Artschwager, John Baldessari, Hanne Darboven und Konrad Klapheck, um nur einige Namen zu nennen. Vor allem aber Counter Culture, wie die subversive, gegen den Mainstream schwimmende Kunstrichtung neudeutsch genannt wird. Künstler, wie den frühverstorbenen Punk Martin Kippenberger gehören dazu oder der Aktions- und Konzeptkünstler John Bock, dessen Schrott-Installationen nicht selten ganze Räume füllen und zu riesigen Bühnenbildern geraten. Auch der amerikanische Performance- und Installationskünstler Mike Kelley (1954-2012), Paul McCarthy, Albert Oehlen oder der visionäre Allrounder Christoph Schlingensief. Weit mehr als 60 Positionen sind jetzt bei den Neuerwerbungen der vergangenen vier Jahre vertreten, völlig unterschiedliche Künstler, die jedoch eines vereint: Sie haben sich von der kommerziellen Schiene verabschiedet. Behandeln stattdessen gesellschaftliche Entwicklungen, wie Falckenberg schreibt: „Fragen und Probleme, die uns alle angehen“.

„Selbstjustiz durch Fehleinkäufe“, ist zu sehen bis 25. Mai, in der Sammlung Falckenberg, Wilstorfer Straße 71, Tor 2, 21073 Hamburg-Harburg,
Öffnungszeiten und Führungen: Do und Fr 18 Uhr, Sa 12 und 15 Uhr, So 12, 15 und 17 Uhr, Anmeldung ist erforderlich.
Individuelle Führungen für Gruppen und Schulklassen sind nach Absprache möglich.
Anmeldung und Information.


Abbildungsnachweis:
Header: Außenansicht der Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg.
Galerie:
01. Martin Kippenberger, Selbstjustiz durch Fehleinkäufe, 1984. Mixed media auf Leinwand. 120x100 cm. © Martin Kippenberger Estate. Foto: Adam Reich.
02. Christoph Schlingensief: The African Twintowers. Stairlift to Heaven. Installation, Größe variable; Courtesy Hauser & Wirth. Foto / Photo: Uwe Walter.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Bildende Kunst > „Selbstjustiz durch Fehleinkäufe“. Samml...

Mehr auf KulturPort.De

Vilnius und die Nutzung postindustrieller Gebäude als alternative Zentren für Kultur und Nachtleben
 Vilnius und die Nutzung postindustrieller Gebäude als alternative Zentren für Kultur und Nachtleben



In den letzten Jahren haben viele osteuropäische Städte Projekte gestartet, um ehemalige Industriegebäude und bislang ungenutzte Flächen in Zentren städtisc [ ... ]



Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien
 Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien



Wie sieht es in anderen Ländern mit dem öffentlichen Raum aus? Bei uns gibt es ihn kaum noch, denn jeder freie Quadratmeter wird dem Auto gewidmet. Können wir [ ... ]



Theater-Horror vom Feinsten – „Mummy Brown/Mumienbraun“ der norwegischen Gruppe Susie Wang schockte beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel
 Theater-Horror vom Feinsten – „Mummy Brown/Mumienbraun“ der norwegischen Gruppe Susie Wang schockte beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel



Das Programmheft hat nicht zu viel versprochen: Eine derart blutige, ins Groteske überzogene Horror Picture Show hat man in Hamburg noch nicht geboten bekommen. [ ... ]



Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“
 Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“



Die Zitterpartie der Macht
Welch ein Glück im Unglück. Wie üblich nach einem Zwischenfall auf Leben und Tod so auch diesmal, wie erwartet: Kaum war das Kind  [ ... ]



„I Am Mother” Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo
 „I Am Mother” Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo



Grant Sputores post-apokalyptischer Science-Fiction Thriller „I Am Mother” beginnt als intimes Kammerspiel in einem, hermetisch von der Welt abgeschlossenen  [ ... ]



Letizia Battaglia: Retrospektive in Venedig
 Letizia Battaglia: Retrospektive in Venedig



Sie gilt als bekannteste „Mafia-Fotografin“ und als „eine der wichtigsten Fotografinnen unserer Zeit“, aber auch als politisch, ökologisch, sozial und f [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.