Neue Kommentare

Klaus Schenkelberg zu Nachruf auf Kammersänger Theo Adam: Ich bin der uneheliche Sohn von Theo Adam, geb. 1...
Peter Schmidt zu Verleihung der Goldenen Kamera – mit Bruno Ganz und ohne Friede Springer: Und heute trifft mich die Nachricht vom Tod diese...
Stephan Thieken zu Symposium in Weimar: „Wie stabil ist unsere liberale Grundordnung? Internationale Perspektiven zur Zukunft demokratischer Verfassungen“: Dieses Symposium war das furchtbarste welches ic...
Hermann Funk zu Goethe-Institut begrüßt neues „Zentrum für digitale Lexikographie der deutschen Sprache“: Mehr Geld und Infrastruktur für die digitale Lex...
dominique zu Ennio Morricone: Farewell-Tour 2019: hallo, frau reichhardt.
vielen herzlichen d...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

Die Bilderwelt des Friedrich Eigner

Drucken
(136 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 02. Dezember 2009 um 13:57 Uhr
Die Bilderwelt des Friedrich Eigner 4.6 out of 5 based on 136 votes.
Kunst und Kultur - kurz vorgestellt: Die Bilderwelt des Friedrich Eigner

Der österreichische Maler Friedrich Eigner sagt, dass wir sehr häufig mit Bildern leben, die keine Eindeutigkeit haben und die aus „Überblendungen“ bestehen, auf welche die Menschen unterschiedlich reagieren.
Er verweist mit dieser Aussage auf den in Wien geborenen und in New York lebenden Mediziner, Neurologen, Hirnforscher und Nobelpreisträger Eric Kandel und seiner Suche nach dem Gedächtnis. Kandel belegt die These: „Wir sind was wir sind und das deswegen, weil wir lernen und erinnern.“

Wir begreifen auf Grund dessen Forschung, dass nichts konstanter ist als die Veränderung – das gilt insbesondere für unser Gehirn, denn wir können unser Denken, unser Lernen und unser Gedächtnis mitbestimmen, es quasi trainieren. Und somit erinnern und denken wir individuell, also unterschiedlich zu anderen und selbst unsere eigene individuelle Erinnerung verändert sich im Laufe der Zeit, durch weitere und neue Erfahrungen, die die alten überlagern und somit weitere und neue Erinnerungen produzieren.

Das ist das große Thema der Bildwerke Friedrich Eigners. Er macht die beschriebenen Vorgänge sichtbar, er will zeigen, dass sowohl jedwede Erinnerung eine Überblendung der individuell erlebten Ereignisse ist, als auch das Vergessen.
Eigner setzt in seiner Kunst Schichten übereinander. Dadurch entsteht etwas dreidimensionales, es entstehen Räume, Räume unserer Erinnerung, die wir als Betrachter füllen können und müssen. Eigner übermalt seine Werke nicht, er setzt eine Art Filter, oft mit festgelegten Abständen übereinander. Viele seiner Bilder zeigen ursprünglich Architektur und Stadtraumfragmente, die durch eine oder mehrere Schichten und Filter uns entzogen werden. Der Künstler lässt die Motive verschwimmen.

Er setzt wie ein Raster dünne Klebelinien nebeneinander auf Glas und fixiert diese über seine Großstadtbilder in kurzem Abstand. Er spielt mit dem Phänomen des Verschwommenen und der Unschärfe sowie mit der Verdopplung der Linien durch Schatten auf dem darunterliegenden Motiv. Die Verschwommenheit ist das Vorzeichen des Vergessens, aber auch – wie wir durch Kandel wissen – ist das Verschwommene ebenfalls ein Teil des Erinnerns. Die Fokussierungen der Bilder liegen also nicht auf dem was wir sehen, sondern darauf was wir empfinden, erinnern und denken. Der Maler öffnet uns Zwischenräume.

Im unteren Teil der Galerie präsentiert der Künstler einen braun-schwarzen Dreiklang mit dem Titel: „Brooklyn Chocolate“. Auch in diesen Bildern spielen Schichten eine Rolle, allerdings anders als bei den sonstigen ausgestellten Werken. Dem Anschein nach hat Eigner nämlich hier Schichten entfernt. Wie in einem Übergangsstadium zwischen dem Gestern und Heute steht das Bild in einem festgefrorenen Zustand des „Dazwischen-Seins“. Der handwerkliche Prozess scheint unvollendet.

Überhaupt passt das Bild des Schichtens dann auch zum Titel der Ausstellung: „Morning Frost“, denn der morgendliche Frost ist die erstarrte Schicht über den Dingen, die sich anschmiegt, überzieht, aber die auch konserviert. Und Erinnern ist immer auch der Versuch zu konservieren. Aber es ist eben nur einer von mehren möglichen Aggregatszuständen des Seins.
Eigner verwendet die künstlerische Form der Reduktion, Klarheit und Einfachheit, die die Kommunikation erleichtert. Er delegiert ein gehöriges Stück der Kommunikation an die Betrachter. Er nimmt sich als Künstler zurück, entzieht sich der alleinigen Verantwortung für die Kunstwerke und formuliert mit dieser Haltung, dass die Qualität eines Kunstwerks davon abhängt, wie die Qualität unserer Kommunikation ist.



 
Home > Blog > Bildende Kunst > Die Bilderwelt des Friedrich Eigner

Mehr auf KulturPort.De

Das Rainer Trio
 Das Rainer Trio



Es geht also auch in einer kleinen Besetzung: Nach dem beachtlichen Erfolg des Quintett-Albums „Gravitational Waves" (Absilone/Socadisc, 2018), hat der franzö [ ... ]



„Der Goldene Handschuh”. Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo
 „Der Goldene Handschuh”. Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo



„Der Goldene Handschuh”, jenes Hybrid aus Charakterstudie und Horrorfilm, polarisiert Kritiker wie Zuschauer: Regisseur Fatih Akin inszeniert wagemutig Heinz [ ... ]



Vladyslav Sendecki & Atom String Quartet: Le Jardin Oublié/My Polish Heart
 Vladyslav Sendecki & Atom String Quartet: Le Jardin Oublié/My Polish Heart



Das Jahr mit ein paar Tüpfelchen aus anderen Musikstilen zu bereichern, das passt gut in unsere Zeit. Vladyslav Sendecki, Pianist der NDR-BigBand, versucht, mit [ ... ]



Heimat, Gefangenschaft, Freiheit. Verdis Freiheitsoper Nabucco in der Neuinszenierung von Kirill Serebrennikov
 Heimat, Gefangenschaft, Freiheit. Verdis Freiheitsoper Nabucco in der Neuinszenierung von Kirill Serebrennikov



Am 22. August 2017 lässt das Ermittlungskomitee der Russischen Föderation den Theater-, Kino-, Opern- und Ballettregisseur Kirill Serebrennikov wegen des „Ve [ ... ]



15 kurze Fragen an Nesrine Belmokh
 15 kurze Fragen an Nesrine Belmokh



Jazz und Chanson, Soul und Pop, World und traditionelle arabische Musik: Die Klänge des Trios NES sind so vielfarbig, dass sich keine Schublade für eine Katego [ ... ]



„Frühes Versprechen”. Romain Gary und die monströse Liebe einer Mutter
 „Frühes Versprechen”. Romain Gary und die monströse Liebe einer Mutter



Er war Schriftsteller, Kampfflieger für die Luftwaffe der France libre, Generalkonsul in Los Angeles, Filmregisseur und Ehemann von Jean Seberg: Romain Gary (19 [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.