Neue Kommentare

Kentin Abalo zu „Assassination Nation” – Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo : WAS FÜR EIN FOTO!!!
Großartig. Hoffe der...

Sybille zu Das Chinesenviertel auf Hamburg St. Pauli: Danke für den Beitrag. Ich sehe gerade den Film ...
Nikias Geschke zu „The Guilty”. Der beklemmende Minimalismus des Gustav Möller: Das klingt superspannend. Danke für den Tipp. ...
Harry zu „Otto. Die Ausstellung“: OTTO ist großartig. Ich wusste nicht, dass er ei...
Alex zu Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars: Wer bist du? Halten Sie Ihre Meinung besser, wenn...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

Die Bilderwelt des Friedrich Eigner

Drucken
(136 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 02. Dezember 2009 um 13:57 Uhr
Die Bilderwelt des Friedrich Eigner 4.6 out of 5 based on 136 votes.
Kunst und Kultur - kurz vorgestellt: Die Bilderwelt des Friedrich Eigner

Der österreichische Maler Friedrich Eigner sagt, dass wir sehr häufig mit Bildern leben, die keine Eindeutigkeit haben und die aus „Überblendungen“ bestehen, auf welche die Menschen unterschiedlich reagieren.
Er verweist mit dieser Aussage auf den in Wien geborenen und in New York lebenden Mediziner, Neurologen, Hirnforscher und Nobelpreisträger Eric Kandel und seiner Suche nach dem Gedächtnis. Kandel belegt die These: „Wir sind was wir sind und das deswegen, weil wir lernen und erinnern.“

Wir begreifen auf Grund dessen Forschung, dass nichts konstanter ist als die Veränderung – das gilt insbesondere für unser Gehirn, denn wir können unser Denken, unser Lernen und unser Gedächtnis mitbestimmen, es quasi trainieren. Und somit erinnern und denken wir individuell, also unterschiedlich zu anderen und selbst unsere eigene individuelle Erinnerung verändert sich im Laufe der Zeit, durch weitere und neue Erfahrungen, die die alten überlagern und somit weitere und neue Erinnerungen produzieren.

Das ist das große Thema der Bildwerke Friedrich Eigners. Er macht die beschriebenen Vorgänge sichtbar, er will zeigen, dass sowohl jedwede Erinnerung eine Überblendung der individuell erlebten Ereignisse ist, als auch das Vergessen.
Eigner setzt in seiner Kunst Schichten übereinander. Dadurch entsteht etwas dreidimensionales, es entstehen Räume, Räume unserer Erinnerung, die wir als Betrachter füllen können und müssen. Eigner übermalt seine Werke nicht, er setzt eine Art Filter, oft mit festgelegten Abständen übereinander. Viele seiner Bilder zeigen ursprünglich Architektur und Stadtraumfragmente, die durch eine oder mehrere Schichten und Filter uns entzogen werden. Der Künstler lässt die Motive verschwimmen.

Er setzt wie ein Raster dünne Klebelinien nebeneinander auf Glas und fixiert diese über seine Großstadtbilder in kurzem Abstand. Er spielt mit dem Phänomen des Verschwommenen und der Unschärfe sowie mit der Verdopplung der Linien durch Schatten auf dem darunterliegenden Motiv. Die Verschwommenheit ist das Vorzeichen des Vergessens, aber auch – wie wir durch Kandel wissen – ist das Verschwommene ebenfalls ein Teil des Erinnerns. Die Fokussierungen der Bilder liegen also nicht auf dem was wir sehen, sondern darauf was wir empfinden, erinnern und denken. Der Maler öffnet uns Zwischenräume.

Im unteren Teil der Galerie präsentiert der Künstler einen braun-schwarzen Dreiklang mit dem Titel: „Brooklyn Chocolate“. Auch in diesen Bildern spielen Schichten eine Rolle, allerdings anders als bei den sonstigen ausgestellten Werken. Dem Anschein nach hat Eigner nämlich hier Schichten entfernt. Wie in einem Übergangsstadium zwischen dem Gestern und Heute steht das Bild in einem festgefrorenen Zustand des „Dazwischen-Seins“. Der handwerkliche Prozess scheint unvollendet.

Überhaupt passt das Bild des Schichtens dann auch zum Titel der Ausstellung: „Morning Frost“, denn der morgendliche Frost ist die erstarrte Schicht über den Dingen, die sich anschmiegt, überzieht, aber die auch konserviert. Und Erinnern ist immer auch der Versuch zu konservieren. Aber es ist eben nur einer von mehren möglichen Aggregatszuständen des Seins.
Eigner verwendet die künstlerische Form der Reduktion, Klarheit und Einfachheit, die die Kommunikation erleichtert. Er delegiert ein gehöriges Stück der Kommunikation an die Betrachter. Er nimmt sich als Künstler zurück, entzieht sich der alleinigen Verantwortung für die Kunstwerke und formuliert mit dieser Haltung, dass die Qualität eines Kunstwerks davon abhängt, wie die Qualität unserer Kommunikation ist.



 
Home > Blog > Bildende Kunst > Die Bilderwelt des Friedrich Eigner

Mehr auf KulturPort.De

Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher
 Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher



Wie muss man sich eine Person vorstellen, die Freunde und Kollegen als „Naturereignis“ bezeichnen?
In jedem Fall als einen charismatischen Menschen mit üb [ ... ]



Maria Austria. Eine jüdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin
 Maria Austria. Eine jüdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin



Das Verborgene Museum in Berlin-Charlottenburg präsentiert bis zum 10. März 2019 Fotoarbeiten und Dokumente der niederländischen Fotografin Maria Austria (191 [ ... ]



„Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand
 „Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand



Paweł Pawlikowski hat das schwermütige, visuell atemberaubende Noir-Drama „Cold War” seinen Eltern gewidmet, deren stürmische On- und Off-Beziehung ihn zu [ ... ]



Madeleine Peyroux: Anthem
 Madeleine Peyroux: Anthem



Jazz oder nicht Jazz? – Was Madeleine Peyroux auf ihrem neuen Album präsentiert, ist relaxt und poetisch, warm und subtil, aber auch modern, überraschend luf [ ... ]



68. Pop und Protest
 68. Pop und Protest



APO, Mini, Flower-Power: Mit der glänzend inszenierten Ausstellung „68. Pop und Protest“ verabschiedet sich Sabine Schulze nach zehn Jahren als Direktorin d [ ... ]



Wolf Haas: Junger Mann
 Wolf Haas: Junger Mann



Launig ist die Anlage und könnte in eine interessante Geschichte führen: Ein introvertierter 13-jähriger bekämpft sein starkes Übergewicht mit Kalorienzähl [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.