Neue Kommentare

NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...
Peter Schmidt zu Verleihung der Goldenen Kamera – mit Bruno Ganz und ohne Friede Springer: Und noch einmal zur Goldenen Kamera
Im Fol...

Hans Joachim Schneider zu Tina – das Tina Turner Festival: Was soll aus einem Stück werden, wenn die Dame, ...
Marion Sörensen zu Leipziger Buchmesse – Impressionen: Das ist wieder einmal ein wunderbar geschriebener...
Dagmar Reichardt zu Ennio Morricone: Farewell-Tour 2019: Danke, lieber Herr Cvek! Ja, das war ein wirklich...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Bildende Kunst

SternWywiol Galerie: „Ooops … I’m so sorry for the truth!“

Drucken
(171 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 08. September 2014 um 10:14 Uhr
SternWywiol Galerie: „Ooops … I’m so sorry for the truth!“ 4.6 out of 5 based on 171 votes.
SternWywiol Galerie

Die SternWywiol Galerie liegt an einem besonderen Ort in Hamburg, direkt an der Außenalster, gegenüber der „Plastik im Raum“ von Max Bill, direkt neben dem Atlantic Hotel und nur ein Bahndamm trennt sie von der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle.
Man will meinen, das sei bereits eine exklusive Eintrittskarte in das Kunstleben der Hansestadt. Wer aber Hamburg kennt, der weiß, ganz so einfach ist es nicht, um die Grundskepsis – die hier Hobby zu sein scheint – gegenüber Neuem zu vertreiben. Viele neugegründete Galerien und Kunstinstitutionen haben zunächst damit zu kämpfen, die Öffentlichkeit adäquat zu erreichen und wer keine Geduld hat, der verlege sein Betätigungsfeld in ein anderes Genre oder in eine andere Stadt.
Weitere Besonderheiten der Galerie sind: sie hat sich auf Skulpturen und Objekte spezialisiert – davon gibt es Deutschland nicht all zu viele. Und sie ist eingebunden in die Unternehmensgruppe „Stern-Wywiol“, deren Tätigkeitsfeld nicht primär mit bildender Kunst zu tun hat – Lebensmittelzusatzstoffe produziert die Firma.

Volkmar Wywiol, der die Stern-Wywiol-Gruppe 1980 aufbaute und längst die Hauptverantwortung an seinen Sohn Torsten übertrug, hat seine große Leidenschaft: die Kunst. „Schon als Schüler kam ich mit ihr in Berührung“, sagt der in Brandenburg geborene Firmenchef: „und ich habe mich selbst mit Skulptur beschäftigt. Eigentlich wollte ich Künstler werden und hatte auch schon ein Stipendium für die Landeskunstschule am Lerchenfeld.“ Wie so viele Künstler hätte auch er sich gegen den Widerstand seines Vaters durchzusetzen gehabt, doch er folgte schließlich seinem Rat „etwas handfestes“ zu lernen. „Er hatte Recht, denn ich habe dann Außenhandelskaufmann gelernt und konnte meine Kreativität ins Business überführen – und ich glaube, genau das war mein Erfolg! Nun, nach dem unternehmerischen Gelingen konnte ich darüber nachdenken, wieder direkt mit der Kunst zu tun zu haben. Obwohl – ich behaupte, dass auch jedes Unternehmen im Grunde ein Kunstwerk ist. Erfolgreiche Unternehmer sind nämlich kreative Unternehmer.“

Torsten Wywiol ergänzt: „Unser Kulturbeitrag ist nun in Hamburg in erster Linie die Galerie, die wir ins Erdgeschoss unseres Firmensitzes an der Alster einbauen konnten. Die beiden Kunsthistorikerinnen Kathrin Reeckmann und Christina Dickel, haben die Leitung übernommen und zeichnen für das Programm".

Und das kann sich in der Tat sehen lassen. Bisher wurden beispielsweise die Skulpturen von Yves Rasch, Werke der Balkenhol-Schüler Henning Schwarz und Anja Wiebelt sowie Objekte von Sibylle Waldhausen gezeigt.
Nun ist soeben die Ausstellung „Ooops … I’m so sorry for the truth!“ mit Arbeiten des in Berlin lebenden Künstlers Volker März eröffnet worden. März ist mit seiner Kunst kritisch, politisch, oft beißend sarkastisch und sehr scharfsinnig. Betritt man die Galerie so steht man auf einer Fußmatte, die nicht mit dem römischen Gruß SALVE willkommen heißt, dort steht SLAVE (Sklave) geschrieben.
„Äußerlich kommen meine Arbeiten auf den ersten Blick so harmlos daher“, sagt März, „aber mit der Beschäftigung und dem zweiten Blick sorgen sie dann für den notwendigen Sprengstoff.“ Er hätte zunächst nicht gewusst, ob die Galerie an dem schicken Ort mit Hotel Atlantic und Alsteridylle das richtige Umfeld für seine kritische Kunst sei, aber die Kontrastierung mache durchaus einen Reizfaktor aus. Außerdem hätten die Galeristinnen überzeugende Argumente gehabt und sind von den Werken überzeugt.

Volker März hat die Galerieräume umfänglichst bestückt. „Von mir aus hätten es gerne noch mehr Arbeiten sein können, damit sich der Betrachter regelrecht darin verliert“, betont der Künstler, „ein großer Teil meiner mitgebrachten Arbeiten ist hier gar nicht ausgestellt. Für mich ist diese Ausstellung ein Buch, ein Musical oder eine Oper, ein fortlaufender alltäglicher Prozess. So arbeite ich auch in meinem Atelier, eine Figur ergibt sich aus der anderen, das, was ich lese fließt tagtäglich mit ein, es gibt keinen Anfang und kein Ende.“
Der Themenbogen ist weit gespannt: Migration, Versklavung, Genderfragen sind künstlerisch ebenso bearbeitet wie die Themenzyklen „Die Gebrüder Buchenwald und Weimar“ und „Der Kafkaweg“.

„Die Selbstgefälligkeit, die es in der Kunst, aber auch in der Wirtschaft gibt, breche ich mit meinen Arbeiten auf. Die Metapher des Schlamms, der Geschichte überdeckt und in dem man die Wahrheiten suchen muss, spielt für mich eine zentrale Rolle. Deshalb benutze ich ja auch Ton als Material. Im Schlamm suche ich meine Themen und bin oft selbst überrascht, was ich dort finde. So bin ich auf das Thema des Arabisch-Muslimischen Sklavenhandels gestoßen, den es seit fast 1.500 Jahren gibt. Ich habe mich gefragt warum sich so wenige mit diesem Thema beschäftigen und vor allen warum das Thema so gar nicht aufgearbeitet wird, auch nichts Selbstkritisches in den entsprechenden Ländern hervorbringt. Andere meiner Themen sind in der Aufarbeitung, aber auch vielen immer noch oder schon wieder lästig. Ich will niemanden persönliche Vorwürfe mache, benenne die Dinge als Phänomene, spreche sie aus und setze sie mit meiner spielerischen künstlerischen Art und Weise um.“

Nicht alles in der Ausstellung ist Objekt, eine ganze Reihe von Acryl-Bildern, übermalten Fotos und eine provokante und tabubrechende Videoarbeit sind ebenfalls zu sehen.


Die Ausstellung „Volker März – Ooops … I’m so sorry for the truth!“
ist noch bis zum 17. Januar 2015 zu sehen, in der SternWywiol Galerie, An der Alster 81 in 20099 Hamburg.
Es ist ein umfangreiches Buch erschienen.

Weitere Informationen zur Ausstellung
Stern-Wywiol-Gruppe
Homepage von Volker März
Biographische Daten zu Volker März.


Abbildungsnachweis:
Header: Stern-Wywiol Galerie, An der Alster 81. Foto: Michael Bogumil
Galerie:
01. v.l.n.r. Volkmar und Torsten Wywiol. Foto: Marco Moog
02. v.l.n.r. Kathrin Reeckmann und Christina Dickel. Foto: Steven Haberland
03. Volker März; Stürzender Engel, gebrannter Ton (bemalt), Styrodur, 120x95x95 cm. Motiv des Buchcovers.
04. Volker März; Ich bin die Revolution, gebrannter Ton (bemalt), 58x24x34 cm
05. Volker März; Der Schatten auf der Sonne, Acryl auf Nessel, Durchmesser 100 cm
06. Volker März; Fly Papa Fly, gebrannter Ton (bemalt), 39x23x20 cm
07. Volker März; Sternschifftransport, Acryl auf Karton, 22,5x42 cm
08. Volker März; Chaos Boot, gebrannter Ton (bemalt), Holz, 17x66x8 cm
09. Volker März; Der Gelbe II, Acryl auf Karton, gerahmt, 22,5x26,5 cm
10. Volker März; Auf dem Weg das Vergessen auszuradieren, gebrannter Ton (bemalt), Styrodur, 4-tlg., Diverse Größen.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Bildende Kunst > SternWywiol Galerie: „Ooops … I’m so so...

Mehr auf KulturPort.De

Joachim Caffonnette Trio: Vers L‘Azur Noir
 Joachim Caffonnette Trio: Vers L‘Azur Noir



Die Richtung ist vorgegeben, auch wenn wir nicht wissen, woher und aus welcher Farbe sie kommen. Es geht ins tief dunkle Azurblau-schwarz: das belgische Trio um  [ ... ]



„Hyper! A Journey Into Art and Music“
 „Hyper! A Journey Into Art and Music“



Die Deichtorhallen in Hamburg suchen mit der Ausstellung „Hyper! A Journey Into Art and Music“ von Kurator Max Dax, ein neues, junges Publikum – und die Re [ ... ]



Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance
 Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance



Wer sakrale Kunst schätzt, sollte eine bemerkenswerte Ausstellung in Berlin nicht versäumen. In Kooperation mit der National Gallery, London, präsentieren die [ ... ]



„Ein letzter Job”. Oder der diskrete Charme des Michael Caine.
 „Ein letzter Job”. Oder der diskrete Charme des Michael Caine.



Das Alter ist ein besonders tückischer gefräßiger Moloch, die Zeit drängt, doch Schauspieler wie der 86jährige Michael Caine in „Ein letzter Job” trotze [ ... ]



Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze
 Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze



„Die Aufgabe, sieben Adagios, wovon jedes gegen zehn Minuten dauern sollte, aufeinander folgen zu lassen, ohne den Zuhörer zu ermüden, war keine von den leic [ ... ]



Wolfgang Marx: Am grauen Meer
 Wolfgang Marx: Am grauen Meer



„Warum“, möchte „Der Freitag“ von einer erfolgreichen Drehbuchautorin wissen, warum „kommt bei Angst so viel Rosamunde Pilcher heraus?“ Mit Angst sp [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.