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Hamburger Architektur Sommer 2019


Architektur

Was hat Rheinschwimmen mit Kunst und Lifestyle zu tun?

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Freitag, den 06. September 2019 um 09:36 Uhr
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Was hat Rheinschwimmen mit Kunst und Lifestyle zu tun

Dieser Frage nachzugehen lohnt sich, denn Schwimmen gehört in Basel zur Alltagskultur – aber nicht nur dort, sondern an vielen weiteren Orten in der Schweiz!
Basel hat seinen Rhein, Zürich seine Limmat und Sihl, Genf seine Rhône und Arve und Bern seine wildere Aare! Überall geht man dort im Fluss baden, ob zu besonderen Anlässen, nach Feierabend oder als Treffpunkt für gemeinsame Aktionen. Das hat dort Tradition.

Gehen wir einmal davon aus, dass eine Stadt dies- und jenseits des Ufers eines Flusses gewachsen ist. Menschen leben dort, Industrie hat sich angesiedelt, Häfen wurden gebaut, Schifffahrt findet statt, und Verkehre queren den Strom. Würde man den Fluss als öffentlichen Raum bezeichnen können und was wären die Konsequenzen daraus? Gewöhnlich ist der Fluss benutzt von der Schifffahrt richtungsbezogen stromab, stromauf – hier und da eine Querung; eine Brücke, ein Tunnel, eine Fähre. Es geht ums Übersetzen, um das schnelle, unkomplizierte Über- oder Unterqueren des Stroms.
Flüsse sind also zumindest in historischer und wieder in heutiger Zeit überwiegend natürliche Hindernisse, Orte von verkehrlichen Verengungen, von Konzentration, von Entrückung, Abstand, manchmal auch Zoll- und Staatsgrenzen. Aber ebenso gegensätzlich sind sie Verweilorte, mit Uferpromenaden, Erzählungen vom Leben am Fluss, aus dessen Fischreichtum sich Bewohner über Generationen ernährten, an dessen Ufern gebadet, gewaschen, sich gewaschen wurde. Der städtische Fluss war Kläranlage, Krankheitsüberbringer, gewollte und ungewollte Chemieentsorgung, Verklappung – kurz eine Drecksbrühe, die oftmals auch noch bestialisch stank.
Vieles von dem ist Historie und nur noch Geschichten erzählen davon. Der Fluss verdeutlicht heute die immense Relevanz für lebenswertes urbanes Sein. Den Fluss als öffentlichen Raum zu begreifen verschiebt Ebenen, Handeln und Denken. Nicht der Fluss zieht an der Stadt vorbei oder hindurch, sondern die Stadt am Fluss – ein Perspektivwechsel.

In Basel am Rhein und in Liestal an der Ergolz haben sich zwei Ausstellungen dem Thema: „Schwimmen, Baden, Fluss“ gewidmet:
Nicht weit von Basel entfernt liegt Liestal, mit dem „Museum Basel Landschaft“. Dort ist die Ausstellung „Badenixen und Strandburschen. Hanro-Bademode der 1930er-Jahre“ zu sehen – eine Art Rückschau. Liestal war Jahrzehnte Sitz der Firma Hanro – und die kreierten Bademoden. „Die 1930er-Jahre sind gesellschaftlich in Bewegung – auch modisch: Körperbetonte Zweiteiler sorgen im Sommer für Aufsehen, Frauen tragen bequeme Strandpyjamas und im Familienbad wird jetzt geschlechtergemischt gebadet. Schwimmen und Sonnenbaden werden zur beliebten Freizeitbeschäftigung, gebräunte Haut und ein sportlicher Körper zum Schönheitsideal“, heißt es im Ausstellungstext.
1930 bis in die 50er Jahre gaben die zeitlosen Ein- und Zweiteiler, später Bikinis, sportliche Strandpyjamas und luftdurchlässige -kleider, die bis nach Nizza, Paris und Hollywood wirkten. Strickmode nannte sich das schnöde. Wunderbares Design, sowohl was die Strickmuster als auch die Farbauswahl, Kombination und die raffinierten Schnitte anging.
Einher ging die Moderne mit ihren Ideen zur Architektur, zu einem neuen Lebensstil, und so eröffneten ab den späten 1920er Jahren eine Reihe neuer Schwimmbäder, ob Halle oder Freiluft.
Eine 17jährige war ab 1930 angeregt, eigenes – zum Teil auch von der Côte d’Azur inspiriertes – zu entwerfen. Madeleine Handschin war eine Innovation, das ist bis heute spür- und sichtbar! Ihre modische Strickmode, später kam Viskose dazu, waren der Hit. Selbst Marilyn Monroe zeigte sich in den 1950ern in der Nachtmode der Firma, im Film „Das verflixte 7. Jahr“.
Madeleine erweiterte also das Sortiment der Firma und ihr Werk ist bis heute bei einer ganzen Reihe von Modeschöpfern zu Recht unvergessen. So verwundert es nicht, wenn die Zürcher (Bade-)Modeschöpferin Nathalie Schweizer eine Kollektion entworfen hat, die „Madeleine“ benannt wurde.

„Swim City“ ist eine Ausstellung im Schweizerischen Architekturmuseum betitelt.
Das Flussschwimmen als Massenbewegung steht im Zentrum dieser einmaligen Schau, die dem Phänomen in den urbanen Räumen nachgeht. Städte in der Schweiz sind der ideale Untersuchungsraum dafür, denn hier hat das Flussschwimmen Tradition und sucht seinesgleichen in dieser Art. Neben Basel sind Zürich, Bern und Genf im Fokus, aber auch Beispiele und Visionen aus Berlin, New York, Boston, Brüssel, Paris und London.
Gleich zu Beginn erwartet den Besucher eine raumgreifende und äußerst beeindruckende Installation des Zürcher Regisseurs Jürg Egli. Auf drei großen Projektionsflächen sind seine Aufnahmen, die er über und unter Wasser gemacht hat, zusehen. Sein Spezialkamerafloß, mit dem er 2018 unterwegs war, lieferte atemberaubende Filmbilder und man hat als Zuschauer den Eindruck, man sei selbst in den Flüssen dabei, taucht ab und zu ab in die grün-grauen Fluten, taucht wieder auf in eine Gruppe von Schwimmern und wird Teil von Kommunikation.


 

Historische und aktuelle Fotos, Dokumente, Installationen sowie Objekte begleiten den Ausstellungsbesucher durch die Räume – hier eine Boje, dort eine Tonne, ein Schlauchboot und ein Floß, ein Schimmbeckengeländer, und eine Art Umkleidekabinen-Architektur am Ein- und Auslass.
Um alles zu sehen, benötigt der Besucher Zeit.

Und wer den Tag noch am Fluss beenden möchte, der hat im Juli und August noch die Gelegenheit das Festival im Fluss, direkt neben der Wettsteinbrücke zu erleben. Auf einem fest verankerten Ponton, zehn Meter vom Ufer entfernt rocken, singen, spielen, hüpfen Bands, Musikerinnen und Musiker bis 22 Uhr. Das Nordufer und der Schaffhauserheinweg ist belagert von Menschen, die Atmosphäre ist südeuropäisch, kein Wunder also, dass sich das italienische Konsulat dort angesiedelt hat – oder ist es gar umgekehrt?

Badenixen und Strandburschen. Hanro-Bademode der 1930er-Jahre

Zu sehen bis 13. Oktober 2019 im
Museum.BL, Zeughausplatz 28, CH-4410 Liestal
Geöffnet: Di-So, 10-17 Uhr; Mo: geschlossen
- Weitere Informationen
- Informationen zur Historie der Firma Hanro


Swim City

Zu sehen bis 29. September 2019 im
S AM Schweizerisches Architekturmuseum, Steinenberg 7, CH-4051 Basel
Geöffnet: Di, Mi, Fr: 11-18 Uhr; Do: 11-20:30 Uhr; Sa und So: 11-17 Uhr
Weitere Informationen


Basler Rheinschwimmen

Weitere Informationen

Festival im Fluss

Weitere Informationen


KulturPort.De dankt dem Präsidialdepartement des Kantons Basel-Stadt (Außenbeziehungen und Standortmarketing) für die Unterstützung.


Abbildungsnachweis:
Header: S-AM, Swim City. Foto: Lucía de Mosteyrín-Munoz
Video: Video: Jürg Egli, ANALYZE, 2018, Ausschnitte aus Basel und Bern, 1:37 Min. Quelle: S AM
Galerie:
01. Blick in die Ausstellung Hanro-Modelle. Foto: Claus Friede
02. Hanro Bademode. Foto: Claus Friede
03. Badeanzug von Madeleine Handschin, Portraitfoto, Entwürfe, Schnittmuster. Foto: Claus Friede
04. Blick in die Ausstellung „Swim City“, S AM. Foto: Tom Bisig
05. Flussbad Berlin, Ansicht des Schwimmbereichs. © realities:united, Flussbad Berlin e.V.
06. Projektion von Jürg Egli, S AM. Foto: Tom Bisig
07. Ein- und Ausgang zur Ausstellung „Swim City“, S AM. Foto: Tom Bisig
08. Flussschwimmen. Foto: Lucía de Mosteyrín Nunoz
09. und 10. Im Fluss Festival. Fotos: Samuel Bramley

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