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Im Gespräch: Claus Friede mit dem Komponisten und Pianisten Gerhard Folkerts

Mikis Theodorakis ist eine der großen Symbolfiguren für Menschlichkeit in unserer Zeit. Sein Leben ist das eines tatkräftig und unbeugsam handelnden Komponisten, Literaten und Politikers – es ist ein Leben für die Freiheit.

Das machen seine Lieder und Texte hörbar. Gerhard Folkerts hat sie für eine Hommage zusammengestellt und arrangiert und begleitet die Mezzosopranistin Julia Schilinski am Klavier. Rolf Becker rezitiert Gedichte und Stationen aus Mikis Theodorakis’ Autobiografie.


Claus Friede traf Gerhard Folkerts im Hotel Grand Elysée Hamburg und sprach mit ihm über Theodorakis' Werk und die Hommage zu dessen 85. Geburtstag im Deutschen Schauspielhaus Hamburg.


Claus Friede (CF): Wie kamen Sie mit Mikis Theaodorakis' Werk und ihm persönlich in Kontakt?

Gerhard Folkerts (GF): Ich bin als Tourist in einer Musikalienhandlung in Athen auf Kammermusik von Theodorakis gestossen und hatte gar nicht gewusst, dass er im Bereich der E-Musik komponiert hat. Darauf hin habe ich mir dort alles gekauft, was ich von ihm finden konnte. Erst zwei Jahre später bin ich dazu gekommen, mir alle gekauften CDs anzuhören und war so begeistert, dass ich selbst eine CD aufgenommen habe, die ich dann Theodorakis geschickt habe. Er hat mir sehr, sehr freundlich geantwortet und ich begann in meine Klavierkonzertabende seine Werke einzubeziehen. Zu seinem 80. Geburtstag, im Jahr 2005 gestaltete ich einen Konzertabend ausschließlich mit Theodorakis' Kompositionen, unter anderem auch in Athen. Das Konzert besuchte er mit seiner Frau Myrto. Ein Jahr später besuchte er erneut einen meiner Klavierabende, den ich diesmal zur Hälfte mit Theodorakis' Werken und zur anderen Hälfte mit Folkerts' Werken gestaltete. Daraus entstand dann ein regelmäßiger Kontakt und Austausch. Mittlerweile kann Mikis Theodorakis nicht mehr reisen und kaum noch laufen und so sehen wir uns nicht mehr so häufig, vielleicht vier Mal im Jahr. Aber dann sind es immer sehr intensive Gespräche in seinem Haus in Griechenland.

CF: Komponiert Mikis Theodorakis denn noch?

GF: Vor etwa sechs bis sieben Jahren hat er sich dazu entschlossen, nicht mehr zu komponieren, er instrumentiert aber noch und er hat die „Metronomisierung“ seiner Werke noch einmal neu durchgesehen und die Tempi verlangsamt.
Vor drei Jahren bekam er von einem ihm unbekannten jungen griechischen Schriftsteller, der in Athen lebt, dreißig Gedichte zugesandt, woraus er einen zwölfteiligen Liederzyklus schuf. Bei unserem letzten Treffen, erzählte er mir, dass er sich in den letzten Jahren sehr intensiv mit den Werken, vor allen den Symphonien Gustav Mahlers beschäftig habe und ihn für einen der bedeutendsten Komponisten hält. Schließlich, zum Abschluss des Gesprächs sagte er, dass er wohl noch ein großes symphonisches Werk schreiben würde.

CF: Was verbindet uns ins Deutschland mit der Musik von Theodorakis oder anders gefragt, wie wird die Musik Theodorakis’ in Deutschland wahrgenommen?

GF: Es gibt zwei bis drei Aspekte: Er wurde politisch und musikalisch bei uns wahrgenommen in der Zeit der Militärdiktatur in Griechenland, zwischen 1967 und 1974. 1970 ging er dann ins französische Exil und begann, sein großes Oratorium „Canto General“ (1971-1982) zu komponieren. Er wurde eine Symbolfigur der französischen und deutschen Studentenbewegung, für seinen Widerstand gegen Diktatur, sein Eintreten für demokratische Rechte und für die Freiheit. Diese Haltung vertrat er sein Leben lang. Zuletzt brachte er sich in das Bewusstsein vieler junger Griechen ein als er sich zum Jugoslawienkrieg zu Wort meldete und auf öffentlichen Plätzen vor vielen tausend Menschen sprach. Hier in Deutschland können mittlerweile wenig junge Leute etwas mit dem Namen anfangen. Ein weiterer Aspekt ist in der Musik zu finden, denn es gibt mehrere Kompositionsmethoden in seinem Schaffen. Er ist nicht nur ein Komponist der künstlerischen Volksmusik, sondern er ist eben auch ein ernstzunehmender Komponist von Symphonien, Kammermusik sowie von fünf Opern. Seine Werke aus der letzten großen Schaffensperiode in den 1990er Jahren sind leider in Deutschland so gut wie unbekannt. Soweit ich weiß, hat es lediglich eine Erstaufführung der Oper „Medea“ am Theater Meinigen gegeben.

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