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4. Hamburger Gitarrenfestival: Der Kosmos des Gitarrenklangs

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Geschrieben von Nathan Steinhagen  -  Mittwoch, den 03. November 2010 um 16:17 Uhr
4. Hamburger Gitarrenfestival: Der Kosmos des Gitarrenklangs 4.5 out of 5 based on 90 votes.
4. Hamburger Gitarrenfestival: Der Kosmos des Gitarrenklang

Wenn vier Sologitarristen über vier Stunden ein Konzert bestreiten und es bleibt dauerhaft, bis zur letzten Zugabe, erfrischend und spannend, dann haben die Veranstalter des 4. Hamburger Gitarrenfestivals die richtige Mischung gefunden.
Beim Eröffnungskonzert folgt auf einen begabten Youngster, ein Innovationsmeister, danach ein vollendeter Virtuose, romantischer Gitarrenkunst und zuletzt der König der Könige.

Aber detailliert und der Reihe nach. Dianji Estevez-Caraballo aus Göttingen gewann im April 2010 in Berlin den 3. Preis des „YouTube Secret Talent Award“. Mehr als 2.600 Konkurrenten waren angetreten, um den begehrten Preis zu gewinnen! Caraballos schaffte den Sprung in die Weltspitze der Newcomer. Seine Stärke liegt neben den gewohnten Spielweisen, die die Mehrheit der Gitarristen beherrschen, in der Abwechslung percussiver Elemente, gekoppelt mit dem sogenannten Tabbing (Fingerklopfen auf dem Griffbrett). „New Age Percussive Fingerstyle“ benennt Dianji Estevez-Caraballo selbst seinen Stil. Leider war am Ende seines Auftritts keine Zugabe zu hören.

Eine herausragende, wohlklingende und introvertierte Darbietung bot der nächste Musiker, der Franco-Kanadier Antoine Dufour. Sein exzellentes und waches Gehör ist permanent wahrnehmbar, besonders wenn er einerseits Dynamiken ausdifferenziert oder andererseits während eines Stückes sein Instrument umstimmt und Harmonien aus dem Obertonspektrum ableitet. Takt- und Rhythmenwechsel bilden dadurch ein eigenes organisches Geflecht in seinen Kompositionen. Dufour vermag gleichzeitig Flageolett-Melodien mit außerordentlich groovenden Riffs zu verbinden und durch Tabbing und weiteren percussiven Elementen einen eigenen Klangkosmos zu kreieren. Dabei liegt die Betonung auf der Gleichzeitigkeit und Gleichberechtigung – und das ist sein ungewöhnliches Talent. Der Musiker kombiniert alle Techniken spielerisch und intelligent miteinander; virtuose Läufe spielt er heran an Flageolett und parallel führt er eine melodische Linie und begleitet dies alles noch rhythmisch schlagend. All dies ist auch auf seiner jüngst erschienen CD „Existenz“ zu hören. Die Töne seiner bunten Palette klingen im Wechsel satt, warm und sonor cantabel und dann glitzernd hell. Ein Meister, der den Gitarrenklang neu definiert.

Peter Finger ist der romantische Virtuose. Sein Spiel überzeugt durch Tiefe und reife Musikalität, indem er europäische Musikkultur der Romantik in seinem Klang bündelt. Seine breiter Ausdrucksfächer beinhaltet vibrierende, aberwitzige Schönheit sowie traurige Funken leidenschaftlicher Erregung, bis hin zu den Abgründen tief empfundener Trauer, besonders in den balladesken Stücken. Raffiniert trägt Finger im Chopin-Jahr auch ein Stück mit Zitaten des polnischen Komponisten vor. Formal ist der in Weimar geborene Akustikgitarrist, der Liedform mit ihrer Reprisenwirkung verpflichtet. Harmonien beherrscht und verwendet er diatonisch und chromatisch. Ein Vollblutmusiker, der in unserer heutigen Gegenwart noch die Romantik auf der Gitarre lebt.

Zum Abschluss des Eröffnungskonzerts kommt ein weiterer Kanadier auf die Bühne, der als einer der weltbesten Akustikgitarristen gilt: Don Ross. In der Tat, er ist ein begnadeter Musiker und ein mindestens so begnadeter Show-Man. Seine Ansagen und Moderationen („I tune, because I care“) sind voller Humor und Selbstironie, dass diese fast für sich selbst stehen könnten.
Als Musiker überzeugt er von Anfang an durch seinen vielfältigen Klangsinn. Inspiriert durch Pop, Rock und Funk – sein Medley strotzt so vor Zitaten der Rock- und Pop-Geschichte – schwelgt er im Klang der Gitarresounds. Er gewinnt sein Publikum im Handstreich und treibt es zu frenetischen Applaus.

Am Ende des Marathonkonzerts haben sowohl Musiker als auch Publikum eine Leistung vollbracht. Das Fazit ist anstrengend, aber meisterlich. Der Auftakt begleitet das Publikum noch Tage danach.


Header-Foto: Dianji Estevez-Caraballo © 4. Hamburger Gitarrenfestival
Fotos Galerie: © Gero Harms
1: Antoine Dufour
2: Dianji Estevez-Caraballo
3: Don Ross
4: Peter Finger im Gespräch mit Nathan Steinhagen
5: Antoine Dufour übergibt seine neue CD an Nathan Steinhagen

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