Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 827 Gäste online

Neue Kommentare

C.Müller zu Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle: Erhalt des Kultursommers auf der Trabrennbahn Bah...
Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...

Anzeige


Events

Bewegung im Blick - Die Kölner Fotografenszene der 70er und 80er Jahre

Drucken
Dienstag, den 06. September 2016 um 10:42 Uhr
Zehn Fotografen und das Videoprojekt Kölner Wochenschau dokumentieren die Fotografenszene der 1970er und 1980er Jahre in Köln. Sie verstanden sich damals als Teil der linken und alternativen sozialen Bewegungen und hielten im Bild fest, was es in der etablierten Lokalpresse nicht zu sehen gab: die Tristesse der Stadtrandsiedlungen, die Parolen der Hausbesetzer und Demonstranten, Läden und Wohnungen türkischer Gastarbeiter, Travestiekünstler, die Protagonisten der Musikszene und den Abriss der legendären Stollwerck-Fabrik.

Gernot Huber hat z.B. den Streik bei den Kölner Ford-Werken 1973 dokumentiert. Klaus der Geiger spielte damals aus Solidarität vor dem Fabrikzaun auf, und die BILD-Zeitung hetzte gegen die Betriebsbesetzung und die revoltierenden "Gastarbeiter" in gewohnt krawalliger Weise: "Das sind keine Gäste mehr!". Den oppositionellen Journalisten und Fotografen in der Stadt wurde die Notwendigkeit bewusst, eine Gegenöffentlichkeit zur bürgerlichen Presse herzustellen. Deren Gazetten verschwiegen nämlich einfach zu oft Ereignisse oder stellten sie völlig verzerrt dar.

So erschien von 1974 bis 1983 das Kölner Volksblatt, 1976 gingen dann auch die "StadtRevue" als alternatives Stadtmagazin und das Videoprojekt "Kölner Wochenschau" an den Start. 1980 bis 1985 folgte dann das Stadtmagazin "Schauplatz". Im September 1981 produzierten die damalige Mitglieder der "Kölner Volksblatt"- Fotogruppe, Günter Beer, Jürgen Bildrim und Guenay Ulutuncok, gemeinsam mit Manfred Linke, der als festes Redaktionsmitglied für den "Schauplatz" fotografierte, eine Broschüre mit ihren Fotos von der großen Anti-AKW-Demo in Brokdorf. Diese gemeinsame Publikation war sozusagen die Geburtsstunde der "Photographenagentur laif".

In dieser Ausstellung bilden die Fotos vom "Leben in Köln" nicht jene kölschtümelnden Klischees ab, die Heinrich Böll in einem seiner Essays einmal als eher "schreckenerregend" beschrieb. Stattdessen durchstreifte Guenay Ulutuncok die Weidengasse, wo das Leben der türkischen Einwohner sich in den 1970er Jahren noch viel isolierter abspielte, bevor Alfred Biolek dort medienwirksam in den Gemüseläden exotische Gewürze für seine TVKochsendungen einkaufte. Jürgen Bindrim porträtierte das Leben am Kalscheurer Weg, im Volksmund wegen der selbst errichteten Bungalows "Indianersiedlung" genannt, wo manche Kinder schon früh eine Härte des Daseins erfuhren - all diese Fotos zeigen eine Welt, die dem deutschen Durchschnittsbürger und Boulevardblattkonsumenten seinerzeit verschlossen blieb. Manfred Wegener hielt den brutalen Wasserwerfereinsatz bei einer Demo im Bild fest und Manfred Linke dokumentierte die Hausbesetzerszene und zeigte unter anderem, wie sie mit Matratzen die Straßenbahnschienen der Zülpicher Straße blockieren.

Auch Wolfgang Zurborns Aufnahmen vom Straßenkarneval im Jahr 1981 folgen ganz bewusst nicht einer Ästhetik, wie wir sie sonst aus den konventionellen Lappenclown- Motiven der offiziellen Verkehrsamtsreklame kennen. In Bernd Arnolds Reportagen über die "Nacht im Milieu" posieren bekannte Szenetypen mit machohaft entblößter Brust vor den Eingängen der Lokale im Friesenviertel. Wolfgang Burat warf einen Blick in das unaufgeräumte Büro der Musikzeitschrift "Spex", zu dessen Mitbegründern und Herausgebern er von 1980 bis 1990 gehörte. Burat dokumentierte gerne die lokale und internationale Musikszene und arbeitet als Fotograf auch heute noch häufig mit Künstlern, Museen und Galerien zusammen. Der Künstler Elmar Schmitt war mit der Kamera zur Stelle, als die Abrissbagger im Severinsviertel 1987 die Schokoladenfabrik "Stollwerck" dem Erdboden gleich machten. Eusebius Wirdeier rückt in seinen Bildern die ruhige, poetische Seite gesellschaftlicher Umbrüche in den Blick.

Die Ausstellung "Bewegung im Blick - Die Kölner Fotografenszene der 70er und 80er Jahre" wurde gemeinsam kuratiert von artrmx e.V. sowie Galerie Kunstwerk Nippes. Das Kurationsteam wurde erweitert durch Peter Bitzer (laif) und Tina Schelhorn (Galerie Lichtblick). Als Initiatoren und Co-Kuratoren zeichneten sich der Fotograf Guenay Ulutuncok sowie der Grafiker und Kulturaktivist Jan Krauthäuser aus.

"Bewegung im Blick - Die Kölner Fotografenszene der 70er und 80er Jahre" wird gefördert durch die Regionale Kulturförderung des Landschaftsverbandes Rheinland, das Kulturamt der Stadt Köln sowie die Bezirksvertretung Köln-Ehrenfeld. Die Ausstellung wird darüber hinaus freundlich unterstützt vom Farbenkonzern AkzoNobel und der GAG Immobilien AG. Der Kooperationspartner der Ausstellung ist die StadtRevue, die in ihrer Septemberausgabe 2016 eine 16-seitige Fotostrecke mit einem Text von Jürgen Raap veröffentlicht. Mit der Photographenagentur laif sowie der Kneipe und Restaurant Filos konnten zwei Paten für die Ausstellung gewonnen werden, die die Kölner Alternativszene in den 70er und 80er Jahren maßgeblich geprägt haben.

Die Ausstellung "Bewegung im Blick - Die Kölner Fotografenszene der 70er und 80er Jahre" wird am 15. September 2016 im Rahmen der Internationalen Photoszene Köln feierlich in den Räumlichkeiten des artrmx e.V. (Atelierzentrum Ehrenfeld) eröffnet und ist Kooperationspartner dieses Fotofestivals.

Vernissage: Donnerstag, 15. September 2016, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: bis 2. Oktober 2016
Öffnungszeiten: Do.-Sa.: 16:00-20:00 Uhr, So.: 13:00-17:00 Uhr

mit Bernd Arnold, Jürgen Bindrim, Wolfgang Burat, Gernot Huber, Manfred Linke, Elmar Schmitt, Guenay Ulutuncok, Manfred Wegener, Eusebius Wirdeier, Wolfgang Zurborn und der Kölner Wochenschau.

Talkrunde mit Fotografen und Zeitzeugen: Freitag, 30. September 2016, 19 Uhr

Quelle: artrmx e.V.
 

Home > Live > Kulturtipps > Bewegung im Blick - Die Kölner Fotografensze...

Mehr auf KulturPort.De

Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel
 Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel



Es ist dunkel in der Hamburger Gralsburg, als Achim Freyer mit seiner „Parsifal“-Interpretation den Start in die neue Saison der Staatsoper zelebriert. Der 8 [ ... ]



Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage
 Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage



Wie kann ein Künstler heute ungebunden und frei arbeiten? Ungebunden ist durchaus möglich – frei arbeiten stößt aus unterschiedlichen Gründen an Grenzen.  [ ... ]



Maria Callas – zum 40. Todestag am 16. September 2017
 Maria Callas – zum 40. Todestag am 16. September 2017



Ingeborg Bachmann erahnte es Anfang 1956, als sie in der Mailänder Scala Maria Callas, die einzige Person erlebte, „die rechtmäßig die Bühne in diesen Jahr [ ... ]



Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks Hamburg: „Geld oder Leben – Nachdenken über Nachhaltigkeit“, ein Symposium
 Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks Hamburg: „Geld oder Leben – Nachdenken über Nachhaltigkeit“, ein Symposium



„So interessant und inspirierend! Das muss man unbedingt wiederholen!“
Der Tag war lang, acht Vorträge in fast zehn Stunden – doch die rund 50 Teilnehme [ ... ]



Richard Davis: Safety Net
 Richard Davis: Safety Net



Richard Davis, aufgewachsen Ende der Sechziger Jahre in London und seit den 1990er-Jahren in Berlin lebend, hat eine weiche, helle, aber sehr eigene Stimme, die  [ ... ]



Edelzarte Miniaturen und ganz großer Schubert – mit dem Auryn Quartett
 Edelzarte Miniaturen und ganz großer Schubert – mit dem Auryn Quartett



Mit einem anspruchsvollen Programm wurde das Internationale Mendelssohn Festival in der Laeiszhalle Hamburg eröffnet. Kammermusik von Mendelssohn und Schubert,  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.