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Iran Deluxe bei Filmfest Hamburg

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Montag, den 02. September 2013 um 09:38 Uhr
Das iranische Kino hat bei Filmfest Hamburg eine lange Tradition. Viele wichtige iranische Filmemacher waren schon hier zu Gast: Panahi, Kiarostami, Farhadi, Rasoulof und Majidi, um nur einige zu nennen. Ihre Filme hatten in Hamburg ihre Deutschlandpremiere. „Daher ist es konsequent, dass wir jetzt die Sektion „Deluxe“ dem iranischen Kino widmen. Wir wollen zeigen, wie sehr das Gegenwartskino auf Traditionen sowohl vor- als auch nachrevolutionärer Filme aufbaut“, sagt Festivalleiter Albert Wiederspiel.

Die Sektion „Iran Deluxe“ wurde von dem Regisseur Jafar Panahi kuratiert. Insgesamt hat er für diese Retrospektive neun Filme ausgewählt, die verdeutlichen, warum der iranische Film von seiner Entstehung bis heute trotz Revolutionen, Kriegen und Berufsverboten international erfolgreich ist. Sei es Cannes, Locarno, die Berlinale oder Venedig, auf allen großen Festivals weltweit gehören Filmemacher aus dem Iran zu den Preisträgern.

„Aufgrund von Sanktionen gegen die Regisseure und wegen der Aufführverbote im Iran, war es teilweise schwierig, die Filmkopien zu beschaffen. In einzelnen Fällen mussten wir dabei leider Kompromisse bei der Vorführqualität eingehen. Uns war es aber wichtig, alle Filme zu zeigen, die Jafar Panahi ausgewählt hat“, erklärt Programmleiterin Kathrin Kohlstedde.

Gezeigt wird unter anderem „The Cow“ von Dariush Mehrjui, eine verstörend-experimentelle Parabel, die das Elend der Landbevölkerung schildert. Dieser Film leitete Ende der 70er Jahre eine Wende im iranischen Kino ein. Er wurde zwar schon 1969 gedreht und gezeigt, aber erst zehn Jahre später erweckte der Film die Aufmerksamkeit von Ayatollah Khomeini. Der Gründer der islamischen Republik im Iran war gerade aus dem Exil zurückgekehrt und gab die Devise aus; ein künftiges islamisches Kino solle sich an den Werten von „The Cow“ ausrichten.

„The House is Black“ (1962) ist dagegen ein eindrücklicher Kurzfilm, der in grobkörnigen Schwarzweißbildern einen unverstellten Blick auf die deformierten Gesichter und Körper in einer Leprakolonie wirft. Dem anfänglichen Schock folgt bald die Schönheit: Orchestriert von der Stimme der Regisseurin Forough Farrokhzad im Off – sie liest Auszüge aus dem Alten Testament, dem Koran und aus eigenen Gedichten – werden die Einstellungen vom Zauber des Menschlichen überstrahlt. Die Würde ist stärker als das Elend. Der Kurzfilm läuft vor dem Film „The Traveller“ von Abbas Kiarostami (1974).

Zu sehen sind weiterhin: „Still Life" von Sohrab Shahid Saless (1974), „Prince Ehtejab" von Bahman Farmanara (1974), „The Runner" von Amir Naderi (1985), „Bashu the Little Stranger" von Bahram Bayzai (1986), „Captain Khorshid" von Nasser Taghvai (1987) und „The Need" von Alireza Davood Nejad (1991).

Viele iranische Regisseure leben inzwischen im Exil, in der Hoffnung, im Ausland frei arbeiten zu können. Jafar Panahi blieb dagegen in seiner Heimat und realisierte trotz allem gemeinsam mit Kamboziya Partovi seinen neuesten Film „Closed Curtain“, der auch in der Sektion „Iran Deluxe“ gezeigt wird. Auch Mohammad Rasoulofs aktuelle Regiearbeit „Manuscripts Don’t Burn“ ist bei Filmfest Hamburg in der Sektion „WORT!“ zu sehen.

Der iranische Ausnahmemusiker und Komponist Mohammad Reza Mortazavi wird dieses Jahr zur feierlichen Eröffnung des Festivalzelts auf dem Allende-Platz am Freitag, den 27. September ab 21 Uhr spielen. Er trommelt „20 Minuten für 20 Jahre Berufsverbot“ auf seinem traditionellen Instrument, der „Tombak", für die Freiheit der Künste und zur Entfesselung der kreativen Kräfte von Jafar Panahi. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit Laeiszhalle Elbphilharmonie Hamburg statt.

Quelle: Filmfest Hamburg gGmbH

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