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Startschuss für das Europäische Hansemuseum in Lübeck

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Mittwoch, den 01. Februar 2012 um 06:35 Uhr
Mit 17,6 Millionen Euro ermöglicht die Possehl-Stiftung das Europäische Hansemuseum Lübeck: Am 10. Januar fiel der Startschuss für das 27 Millionen Euro teure Jahrhundertprojekt. Das Museum soll einem breiten Publikum die Geschichte der einstigen Handelsmacht Hanse auf hohem wissenschaftlichen Niveau näher bringen. Die Ausstellungsfläche des Neubaus und des in unmittelbarer Nähe gelegenen Burgklosters zu Lübeck wird mehr als 4.000 m² betragen. Die Eröffnung ist für den Herbst 2013 geplant.

Als die Bürger die Welt eroberten - Erstes Themenmuseum zur Hanse
Die Hanse – was genau ist das? Europäische Geschichte, glorifizierteÜberlieferung, Mythos? War sie ein Zusammenschluss von Kaufleuten? Eine Handelsunion? Ein Städtebund? War sie all das und noch mehr? Welchen Zweck hatte sie? Wollten Kaufleute sich auf Reisen schützen, wollten sie sich gegenseitig im Handel unterstützen, wollten sie Reichtum und Macht? Waren Hansekaufleute wirklich rechtschaffen und ehrbar? Welchen Einfluss hatte die Kirche auf die Bürger, auf die Städte, auf die Hanse? Wie lebte man wirklich im Mittelalter? Welche Wertvorstellungen hatten die Menschen? Was prägte und bewegte sie?
Die Hanse ist unumstritten ein bedeutendes Kapitel in der deutschen und europäischen Vergangenheit, heute noch gegenwärtig in den Köpfen vieler allein durch das Beiwort „Hanse“, mit dem Firmen und Städte ihr Image aufwerten wollen. Von ihrem Aufstieg zur Handelsmacht bis zu ihrem Fall verging ein halbes Jahrtausend. Wie konnte die Hanse sich über eine so lange Zeit behaupten und warum hat sie letztlich nicht überlebt? Oder hat sie überlebt?
Antworten auf diese Fragen wird das Europäische Hansemuseum geben, welches in der zum UNESCO Weltkulturerbe erklärten Altstadt der Hansestadt Lübeck errichtet wird. Lübecks herausragende Bedeutung für die Hanse – die Stadt war Haupt der historischen Hanse und ist Haupt des 1980 gegründeten Städtebundes „Die Hanse“ – begründet den geschichtlich einzigartigen Standort für das Museumsprojekt. Das Europäische Hansemuseum ist das erste thematisch geprägte Geschichtsmuseum, das die Hanse in ihrer enormen Vielfältigkeit erforscht und für ein breites Publikum veranschaulichen will. Ein internationales Team von Wissenschaftlern stellt sich die Fragen zu dem Thema, durchforscht mittelalterliche und frühneuzeitliche Archive und versucht, die Geschichte der Hanse zu rekonstruieren. Die Forscher wollen die Faszination der Hanse mit den Besuchern teilen.

Die Besucher tauchen ein in die Welt und das Leben zur Zeit der Hanse und werden Zeuge von Schwüren, diplomatischen Verhandlungen, Vertragsabschlüssen, Geschäftsabwicklungen, wirtschaftlichen Gewinnen und Verlusten, Betrug, Piraterie, Handelsboykotten, Kriegen und den Leiden während einer der großen Pestepidemien. Geschichte wird lebendig und so für jedermann verständlich. Durch das „Erleben“ und Verstehen von Geschichte werden Denkanstöße gegeben und vorgefasste Meinungen über die Hanse und das Mittelalter können in einem neuen Licht erscheinen.

Die Zeit der Hanse hat vor allem Deutschland und Nordeuropa nachhaltig geprägt. Doch zieht sie weit größere Kreise. Knapp dreihundert Jahre nach dem Niedergang der Hanse und dem Übergang in andere Wirtschaftsformen prägt die Stadtsoziologin Saskia Sassen in den 1990er Jahren den Begriff „Global Cities“ als weltwirtschaftliche Zentren in einem transnationalen Städtesystem in der Zeit der Globalisierung. Ist dieses neu entstandene Wirtschaftssystem der Hanse nicht sehr ähnlich? Parag Khanna, amerikanischer Bestseller Autor und Geo-Wirtschaftsstratege indischer Abstammung sieht konkrete Parallelen des mittelalterlichen Wirtschaftsverbundes Hanse zur Entwicklung heutiger Global Cities und Stadtstaaten. „Heute, so wie damals, sind Stadtstaaten wirtschaftliche Knotenpunkte, die sich aus ihren nationalen Kontexten gelöst haben. Das Know-how der Stadtstaaten, vereinigt mit den Staatsfonds von heute, bildet die Hanse von morgen.“ so seine Theorie in einem Artikel von McKinsey „What Matters“1.
Durch Rückblick zur Gegenwart: Das scheinbar rein historische Thema Hanse entpuppt sich als hochaktuelle Fragestellung unserer Zeit. Auch das will das Europäische Hansemuseum aufzeigen.
Über die Vermittlung museologischer Inhalte hinaus ist das Europäische Hansemuseum also mehr: ein Ort der Bereicherung auf transnationaler Ebene; ein Ort für wissenschaftliche Netzwerke und kultur- und länderübergreifende Forschung; Zeugnis einer außergewöhnlichen geschichtlichen Epoche, die von wirtschaftlicher Macht und Größe zeugt. Ein Ort an dem Geschichte für unterschiedliche Menschen auf unterschiedlichen Ebenen erzählt und erlebt wird.

Quelle: www.hansemuseum.eu

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