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Kulturpolitische Bilanz 2011 in Schleswig-Holstein: ein Jahr des Stillstandes

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Dienstag, den 10. Januar 2012 um 18:10 Uhr
Der Landeskulturverband Schleswig-Holstein e.V. zieht seine jährliche Kulturpolitische Bilanz. Für 2011 sieht diese wenig erfreulich aus, denn Stillstand wo man hinschaut. Fatal, so der LKV, sind insbesondere die schwerwiegenden Kulturetatkürzungen, die Reden ohne Taten und das Scheitern, die Sinti und Roma in den Minderheitenartikel der Landesverfassung aufzunehmen  In Einzelnen sieht das Fazit so aus:

Theater:
Es gab weder eine Lösung für eine nachhaltige Finanzierung der drei Mehrspartentheater noch eine Lösung für die dem S-H Landestheater fehlende Spielstätte in Schleswig. Die Finanzierung der Freien Theater ist weiterhin äußerst volatil.

Öffentliche Büchereien:
Die Landeszuschüsse blieben weiterhin eingefroren; eine dynamische Anpassung der Finanzierung über das Finanzausgleichsgesetz ist weiterhin überfällig und die politische Diskussion über ein Landes-Bibliotheksgesetz ist nicht vorangekommen.

Erwachsenenbildungsstätten:
Die Zuschusskürzungen des Landes wurden fortgesetzt und bringen die Bildungsstätten in Existenznot. Die Volkshochschulen und ihr Landesverband setzen ihr zukunftsweisendes Strukturprojekt 2020 fort.

Denkmalschutz:
Kurz vor Jahresschluss wurden der Schleswig-Holsteinische Denkmalschutz verwässert und die Denkmalschutzbehörden geschwächt. Es wird erhebliche Verluste in der kulturtouristischen Inwertsetzung geben.

Soziokultur:
Die Deckelung bzw Überrollung der Sozio-Kulturförderung hat zur Folge, dass immer mehr Menschen von der kulturellen Teilhabe ausgeschlossen werden. Insbesondere Jugend- und Integrationsarbeit wird damit sträflich vernachlässigt.

Musik:
Die meisten institutionell geförderten Musikinstitutionen des Landes von Musikschulverband bis Schleswig-Holstein Musik Festival wurden 2011 empfindlich gekürzt. Die Zukunft vieler elementarer musikalischer Projekte ist langfristig ungewiss.

Musikschulen:
Durch die Schulzeitverdichtung (Ganztag/ G8) braucht die außerschulische Bildung, z.B. der Musikschulen, zeitliche und räumliche Freiräume. Mit der Kündigung des Musikschultaler-Vertrages durch das Schleswig-Holstein Musikfestival fehlen jährlich ca. 100.000 € für zusätzliche musikalische Maßnahmen und Projekte mit Kindern und Jugendlichen im Land.

Museen:
Die finanziellen Handlungsspielräume sind weiter eingeengt worden, so dass die Grundaufgabe des Sammelns, Bewahrens, Erforschens und Vermittelns auch in den großen Häusern des Landes nicht mehr wahrgenommen werden können. Dies wird nachhaltige negative Folgen auf Jahrzehnte haben.

Minderheitenpolitik:
2011 war ein Jahr des Rückschrittes. Beim Nordfriesischen Institut „sparte“ das Land 30.000,- Euro ein und setzte damit die Arbeitsfähigkeit des Instituts aufs Spiel. Durch die Kürzung der Landeszuschüsse für die dänischen Schulen wurde viel Porzellan zerschlagen. Peinlicherweise scheiterte auch der vierte Versuch, die Sinti und Roma in den Minderheitenartikel der Landesverfassung aufzunehmen.

Kulturpolitik:
Eine strategische Kulturentwicklungsplanung wurde von den Regierungsparteien wieder nicht in Angriff genommen. Lockere Diskussionen in sogenannten Kulturkonferenzen des Ministeriums bringen uns nicht weiter.

Quelle: Landeskulturverband Schleswig-Holstein e.V.

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avatar Alexander Luttmann
+2
 
 
Auch für die kulturelle Jugendbildung in Schleswig-Holstein sieht es düster aus. Eine Kürzung der Förderung von 25% trifft besonders die ehrenamtlich geführten Vereine. Das immer geforderte ehrenamtliche Engagement wird hier direkt benachteiligt. Die Strukturen brechen weg. Was nützen uns mit viel Geld konservierte Papiere, wenn es irgendwann keine Jugendlichen mehr gibt, die sich dafür interessieren, weil sie nicht an die Kultur herangeführt wurden. Das wird ein sehr dunkles Jahr.
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