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Der Verein Jazzfestival Göttingen e.V. und Gilad Atzmon nehmen zum Boykott-Aufruf Stellung

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Montag, den 07. November 2011 um 15:18 Uhr
Mit Entsetzen haben wir ein anonymes Flugblatt des a:ka Göttingen zur Kenntnis genommen, in dem uns, dem Verein Jazzfestival Göttingen e.V., zur Last gelegt wird, auf dem diesjährigen Festival in der Person des israelischen Saxophonisten Gilad Atzmon einem Holocaust‐Leugner und NS‐Verharmloser ein Forum zu bieten. Es wird eine Kundgebung am Samstag, den
12.11.11, am Deutschen Theater angekündigt.

Wir möchten in aller Deutlichkeit klar stellen, dass wir eine Verharmlosung des Nationalsozialismus bei Gilad Atzmon absolut nicht entdecken können; sie würde von uns im Verein nie und nimmer geteilt oder geduldet. Als Veranstalter eines Jazzfestivals bieten wir ein Forum für Musik, sicher aber kein Podium für Verharmlosung und Hetze.
In Anbetracht der Tatsache, dass das Jazzfestival auch jüdische Musiker wie Coco Schumann präsentiert (1998 im Quartett), der im KZ unter dem Nazi‐Terror litt, trifft uns der Vorwurf zutiefst.
Es geht dem Jazzfestival grundsätzlich um die Präsentation aktueller hochwertiger Musik, für seinen kreativen Beitrag in der Weiterentwicklung der Jazzmusik ist Gilad Atzmon weltweit anerkannt.
Auch Musiker haben oft ein ausgeprägtes politisches Bewusstsein, zum Beispiel im Bereich der afroamerikanischen, antirassistischen Black‐Power‐Bewegung. Diese Vorstellungen artikulieren sie in den Titeln ihrer Stücke oder auch in Interviews, als Vertreter sei der Saxophonist Archie Shepp benannt.
Verständlich ist für uns, dass Atzmon angesichts der deutschen Vergangenheit durch seine Äußerungen irritierend und verletzend wirken kann. Trotzdem aber wird das Jazzfestival Göttingen e.V. keine politische Zensur ausüben, solange die Aussagen der eingeladenen Künstler nicht gegen die freiheitlich‐demokratische Grundordnung verstoßen. Eine inhaltliche Auseinandersetzung muss im Sinne der Meinungsfreiheit an anderer Stelle stattfinden.

Jazzmusik war und ist in ihrer Essenz immer in humanistischen, antirassistischen und demokratischen Werten verwurzelt – unabhängig von ästhetischen, politischen und gesellschaftlichen Vorstellungen der individuellen Musiker. In diesem grundsätzlichen Konsens sehen wir auch Gilad Atzmon, der sich ausdrücklich als Humanist definiert.
Gerne sind wir zu einer offenen und öffentlichen Auseinandersetzung bereit. Um die Positionen des Vereins und der Stadt Göttingen deutlich zu trennen, wird sich Hilmar Beck, als 2. Vorsitzender des Vereins bzw. Fachbereichsleiter Kultur bei der Stadt Göttingen, aufgrund seiner Doppelfunktion aus der Leitung des Festivals zurückziehen.

Falls aufgrund der Kontroverse gewünscht, werden 2‐Tagespässe und Tageskarten für Samstag, den 12.11., im Vorfeld der Veranstaltung an den Vorverkaufsstellen des Festival zurückgenommen.

Quelle: www.jazzfestival-goettingen.de

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avatar Dieter Kaltenhäuser
0
 
 
Es ist einfach ungeheuerlich, wie dieser aufrechte Künstler immer wieder diffamiert wird.
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