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Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig: Preisträger des HGB-Studienpreises 2011

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Mittwoch, den 02. November 2011 um 15:09 Uhr
Am Dienstag, dem 01. November gab Florian von Spies, der Vorsitzende des HGB-Freundeskreises, die Gewinner des Studienpreises 2011 bekannt. Martin Groß erhielt ein Stipendium in der Höhe von 5.000 Euro, Kalinka Gieseler bekommt 2.500 Euro und Almut Hilf sowie Reymund Schröder teilen sich das Preisgeld des 3. Platzes und erhalten jeweils eine Förderung in Höhe von 1.250 Euro.

2011 hatten sich insgesamt 96 Studierende (94 Beiträge) um diese renommierte Auszeichnung beworben – 11 Studierende (10 Beiträge) waren nominiert. Der Studienpreis des Freundeskreises der HGB gehört mit seiner Gesamtdotierung von 10.000 Euro zu den hoch dotierten Preisen innerhalb der deutschen Kunsthochschullandschaft und wurde in diesem Jahr das fünfte Mal in Folge vergeben. Als neue Sponsoren konnten u.a. die Sparkasse Leipzig sowie enviaTel gewonnen werden.

Platz 1: Martin Groß
Martin Groß studiert in der Klasse von Prof. Annette Schröter im Studiengang Malerei/Grafik. Für den Studienpreis 2011 reichte er überaus großformatige schwarz-weiß Graphit-Zeichnungen ein. Ausgehend von gegenständlich angelegten Vorzeichnungen, ist es der zeichnerische Prozess, der bei ihm zu bildnerischen Entscheidungen führt. Groß stellt Fragen über ein Verständnis von Raum, seiner Wahrnehmung und den damit verbundenen Sehgewohnheiten, ihrer Übersetzung in eine Fläche und einer grundsätzlichen Thematisierung der Zeichnung. Dieser Prozess besteht aus dem Auslöschen bereits Aufgebautem, Dekonstruktion und Destruktion, Reaktion und Wiederaufbau. Die entstehenden Körper bekommen Volumen, werden Fragmente, bleiben als „Geisterbild“ im Weiß des Papiers zurück und beginnen Raum zu suggerieren.

Platz 2: Kalinka Gieseler
Kalinka Gieseler studiert im Studiengang Fotografie in der Klasse für Fotografie und Medien. Ihre Arbeit mit dem Titel „machine in the ghost“ thematisiert die Sehnsucht und Illusion von Werbefotografie – allerdings nicht auf entlarvende, sondern auf verstärkende Art. Zu sehen sind Bilder von Wäldern, Bergen, Blumen, Tieren, Sportlern, Essen und Anderem – abgebildet auf Motorhauben, an Hausfassaden oder in Schaufenstern. Kalinka Gieseler arbeitet mit dem Prinzip der Refotografie, mit der Verschachtelung der zweidimensionalen Bilder mit „tatsächlich“ Dagewesenem. Mit dieser Herangehensweise erzeugen ihre
Installationen im Raum neue Bildwelten.

Platz 3: Reymund Schröder
Reymund Schröder studiert in der Klasse „Type-Design“ unter der Leitung von Prof. Fred Smeijers und Prof. Stephan Müller im Studiengang Buchkunst/Grafik-Design. Er erhält einen der beiden 3. Plätze für seine eigens entwickelte Schriftfamilie „Milosz“. Diese entstand im Sommersemester 2011 und enthält ca. 3600 Zeichen in den drei Gewichten Regular, Semibold und Bold – inklusive der jeweiligen Kursiven. Der Name „Milosz“ bezieht sich auf den polnischen Autor Czesław Miłosz, der 1980 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Die neu entwickelte Schrift ist besonders auf die polnischen Akzente (Ogonek, Kreschka,
Punktakzent und das gestrichene L) optimiert und als ökonomische Werkschrift konzipiert. Die angeschärfte Formgebung kompensiert einerseits das akzentbedingte „Rauschen“ in polnischen Texten und eröffnet andererseits eine Konnotation zu einer
„Wissenschaftsantiqua“.

Platz 3: Almut Hilf
Almut Hilf studiert in der Klasse für Fotografie im Feld der zeitgenössischen Kunst bei Prof. Peter Piller. Ihre Arbeit trägt den Titel „KOMM WEITER“ und besteht aus einem Fotobuch mit 96 Seiten in schwarz/weiß. Hilf interessiert sich für das Fotobuch als Bindeglied zwischen Fotografie und Film. In beiden Medien laufen die Bilder nacheinander ab – oder werden im Falle des Buches – vom Betrachter in dessen eigenem Tempo durchlaufen. Mit dieser filmischen Eigenschaft des Buches beschreibt Almut Hilf Raum und Bewegung, die dem Fotografischen entgegenstehen. „KOMM WEITER“ ist die Übersetzung einer Bewegung im
Raum in eine Lesebewegung im Buch. Sie zeigt einen Gang durch winterlich unwirtliche Dörfer und Landschaften des Mittelgebirges. Unterschiedliche Arten der Montage der Bilder im Buch (Wiederholungen, Einzel- und Leerseiten, Ausdehnungen über mehrere Seiten) schaffen eine filmische Kontinuität und einen Bewegungsrhythmus, der den Betrachter mit einbezieht und die Bilder untereinander aktiviert.

Florian von Spies über die Entscheidungen der Jury: “Die Entscheidung fiel in diesem Jahr besonders schwer, denn die aus allen Studienbereichen eingereichten Wettbewerbsbeiträge sind von sehr hoher Qualität. Die Kreativität hat ein beachtliches Zuhause hier in Leipzig! Überzeugt haben die Preisträger die Jury durch den Umgang mit Themen und Material: Eröffnet wurden großartig verwirrende Räume mit einfachem Mittel. Geschärft wurde der Blick für Details und Bezüge im öffentlichen Raum. Ruhe und
Übersichtlichkeit wurde in Schrift gebracht. Bewegung wurde im Buch fortgesetzt. Wir freuen uns, starke Aussagen und Positionen unterstützen zu können, indem wir den Preisträgern die Möglichkeit geben, sich unmittelbar auf die künstlerische Arbeit konzentrieren zu können. Es wird damit erreicht, dass weniger Arbeit und Zeit eingesetzt werden, um die künstlerische
Arbeit überhaupt erst zu ermöglichen. Das unterstützen wir gern und freuen uns über den wachsenden Zuspruch im gesellschaftlichen Umfeld.“

Mitglieder der Jury 2011 waren: Florian von Spies, Rike Frank (Kuratorin und Leiterin der Galerie der HGB), Bernhard Häffner, Siegfried Herr und Frank Mirtschin vom Freundeskreis, Prof. Dr. Ana Dimke (Rektorin der HGB), Peter Matuschka (Architekt bei David Chipperfield Architects Berlin) sowie Antje Günther und Timo Hinze (beide sind Preisträger 2010).

Die Werke der Preisträger sind vom 02. November bis 12. November 2011 in der Galerie der HGB Leipzig zu sehen.
Öffnungszeiten: Di – Fr 12.00 – 18.00 h, Sa 10.00 – 15.00 h

Quelle: Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

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