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Neu: „Gustaf-Gründgens-Preis“

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Donnerstag, den 20. Oktober 2011 um 22:31 Uhr
Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg und die Hamburger Lions stiften einen gemeinsamen Preis, der alle zwei Jahre verliehen werden wird. Der Preis wird den Namen „Gustaf-Gründgens-Preis“ tragen und ist mit 15.000 € dotiert. Für den Zeitraum von 2012 bis 2016 hat sich die Mercedes-Benz Niederlassung Hamburg bereit erklärt, die Stiftung des Preisgeldes in voller Höhe zu übernehmen.

Der „Gustaf-Gründgens-Preis“ ehrt Persönlichkeiten, die durch ihr Lebenswerk einen bedeutenden Beitrag zur Darstellenden Kunst in Hamburg geleistet haben. Der Preis soll darüberhinaus an den Theatermann Gustaf Gründgens erinnern, der als Schauspieler, Regisseur und Intendant Theatergeschichte geschrieben hat.
Über die Vergabe des Preises entscheidet eine Jury, bestehend aus dem Intendanten des Deutschen Schauspielhauses, einem Vertreter der Hamburger Lions und dem Rektor der Hochschule für Musik und Theater zu Hamburg.

Quelle: Deutsches Schauspielhaus

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avatar Stefan M. Weber
+4
 
 
Unbestreitbar hat Gründgens Theatergeschichte geschrieben! Aber er war auch ein Opportunist, kollaborierte mit den Nazis, fand in Hermann Göring einen ihm wohlgesonnenen Gönner, profitierte von dem Exodus "rassisch" und politisch verfolgter (und getöteter) KollegInnen, wohnte seit 1934 in der Luxusvilla eines jüdischen Bankiers, der aus dem Land gejagt worden war, und diente dem Nazi-Regime bereitwillig als kulturelles Aushängeschild. Und so jemand wird als Namensgeber für einen Preis geehrt? Läuft es da niemandem kalt den Rücken herunter? Kann so etwas heutzutage tatsächlich unwidersprochen geschehen? Hätte es nicht Dutzende, Hunderte in der Nazizeit verfolgte, verfemte und getötete Theatermenschen gegeben, deren Namen diesem Preis und seinen PreisträgerInnen viel mehr Ehre gemacht hätten?
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avatar Peter Petersen
+1
 
 
Da bitte ich Sie aber mal um Vorschläge alternativer Namensgeber, Herr Weber. Denn wie sie ja oben lesen können...
Zitat: "Der „Gustaf-Gründgens-Preis“ ehrt Persönlichkeiten, die durch ihr Lebenswerk einen bedeutenden Beitrag zur Darstellenden Kunst in Hamburg geleistet haben."
Da würde mich aber schonmal interessieren, welcher Namenspatron diese Assoziation bei einer breiten Masse in Hamburg noch liefern könnte, zumal derjenige, bedingt durch die Besetzung der Jury, wohl auch noch am Deutschen Schauspielhaus gewirkt haben sollte!

Fakt ist doch, dass Gustaf Gründgens im Hamburger Kulturleben eine Legende ist. Diesen Namen kennen auch so viele Menschen, die ihn gar nicht mehr live auf der Bühne gesehen haben können.

Über Gustaf Gründgens ist ja nun wirklich viel geschrieben worden. Jeder möge sich selbst ein Bild machen und bewerten. Opportunist war er mit Sicherheit, als "Täter" im dritten Reich ist er aber nicht einzuordnen. Meiner Meinung nach bringt sein Name keinesfalls einen Preis in Misskredit.

Ich fand es allerdings eine sehr gute Idee von Friedrich Schirmer, zu Beginn seiner Intendanz am Schauspielhaus "Mephisto" von Klaus Mann auf die Bühne zu bringen - über die Umsetzung lässt sich natürlich wieder vortrefflich streiten...


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avatar Stefan M. Weber
+1
 
 
Lieber Herr Petersen,
wie wär's z.B. mit Ida Ehre? Man müsste sich halt ein bisschen Mühe geben, einen ehrenvollen und nicht anrüchigen Namen zu finden und ggf. sogar etwas Aufklärungsarbeit leisten. Nachhilfe im Geschichtsunterricht, sozusagen. Die Begründung, dass Gustaf Gründgens als Namenspatron bei der "breiten Masse" (!) in Hamburg noch wie auch immer geartete Assoziationen liefert, überzeugt mich jedenfalls keine Sekunde.
Erwähnen möchte ich noch, dass auf meine Protestschreiben hin immerhin die Hamburger Lions, wenn auch eher lapidar und unbefriedigend, und Florian Vogel vom Schauspielhaus sehr ausführlich, ernsthaft und mit bedenkenswerten Argumenten reagiert haben. Der erste Preisträger in spé, John Neumeier und sein Hamburger Ballett, sowie die Kulturbehörde und die Kultursenatorin Kisseler finden es offensichtlich unnötig, sich zu äussern. Das spricht ja nun auch wieder Bände...
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