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Europäische Museen im Wandel |
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| Freitag, den 16. September 2011 um 13:08 Uhr |
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Museum für Völkerkunde Hamburg: Vom 8. bis zum 10. September 2011 hat im Museum für Völkerkunde Hamburg die Jahreskonferenz der Direktoren der großen Völkerkundemuseen Europas (EEMDG) stattgefunden. Mehr als 30 teilnehmende Direktoren aus 20 Ländern trafen sich bei dem jährlich stattfindenden, informellen Zusammenschluss der wichtigsten europäischen ethnologischen Museen. Völkerkundemuseen werden neu aufgestellt Die diesjährige Konferenz hat sich vor allem mit einer Analyse der aktuellen Situation der Völkerkundemuseen befasst. Bezeichnend für deren neuen Stellenwert ist, dass gerade zwei Tage vor Beginn der Tagung in Basel ein völlig neues Völkerkundemuseum eröffnet worden ist, gebaut von den Schweizer Stararchitekten „Herzog & d’Meuron“. Insgesamt zeichnet sich seit einigen Jahren europaweit ein Trend hin zu großen Investitionen in die Völkerkundemuseen ab. Um nur einige Beispiele zu nennen: Köln hat im vergangenen Herbst sein relativ kleines Völkerkundemuseum (Rautenstrauch-Joest-Museum) mit fast 83 Mio. Euro in einem grandiosen Neubau völlig neu aufgestellt und verzeichnet seither immer neue Besucherrekorde. Die Völkerkundemuseen in Antwerpen, Oxford, Liverpool, Edinburgh wurden mit großem Aufwand und Erfolg rundum erneuert, in das Genfer Museum für Völkerkundemuseum werden mehr als 50 Mio. Euro für einen Neubau ausgegeben. Das 2006 aus dem Zusammenschluss zweier relativ erfolgloser Völkerkundemuseen entstandene Pariser Musée du Quai Branly ist nach wie vor eine Erfolgsgeschichte mit jährlich 1,2 bis 1,5 Mio. Besuchern und einem Jahresetat von 70 Mio. Euro. Beim British Museum, das 2003 seine erfolgreiche Außenstelle Museum of Mankind wieder ins Haupthaus zurückverlegte, ist seitdem eine „Ethnologisierung“ zu beobachten. Mit einem Wort: Völkerkundemuseen sind im Aufwind. Vor allem traut man ihnen substantielle Beiträge bei der Integration von ethnischen Minderheiten zu. Avantgarde einer globalen Kunst Aber es gibt noch weitere Gründe. Viele Völkerkundemuseen haben sich zu den wahren Zentren einer Weltkunst, die nicht mehr nur von Westeuropa und Nordamerika beeinflusst wird, gewandelt. Waren in vergangenen Kunstausstellungen die Werke „afrikanischer“ und „asiatischer“ Maler in Wirklichkeit oft eher arrivierte Künstler aus London, Paris und New York, so präsentieren viele ethnologische Museen heute die Avantgarde einer wirklich globalen ethnischen Kunst aus allen Erdteilen. Mit ihrer ethnologischen Kernkompetenz und dem daraus resultierenden tiefgehenden Verständnis für andere Kulturen und Mentalitäten werden die ethnologischen Museen so auch auf dem Kunstmarkt immer stärker zum Trendsetter. Wurde erst vor einigen Jahren auf der „Art Cologne“ diskutiert, ob man überhaupt Malereien der australischen Aborigines dort als Kunst ausstellen dürfe, ist heute ethnische Kunst ein wichtiges Sammelgebiet und die Auktionspreise für gute Ethnographika haben in manchen Bereichen die des übrigen Kunstmarktes weit hinter sich gelassen. Neue Namen, neue Herausforderungen Einige Häuser besinnen sich dagegen ausdrücklich auf ihren alten Namen und ihr ursprüngliches Fachgebiet. Doch auch hier ist die alte Völkerkunde passé, das berüchtigte „Ethnographische Präsens“, das Kulturen gleichsam eingefroren-zeitlos vorführte. Immer noch sind die „Naturvölker“ ein Thema, doch heute arbeitet man mit den indigenen Kulturen eng zusammen, Ausstellungskonzeptionen werden gemeinsam mit den „source communities“ erarbeitet. So zeigte Leipzig jetzt sogar kostbarste Schätze und Meisterwerke europäischer Kunsttradition des 16. bis 18. Jahrhunderts bei Indianern der Nordwestküste Kanadas um im Gegenzug deren „Potlatch“-Meisterwerke ebenbürtig in Deutschland zu präsentieren. Die Bestandsaufnahme zeigte auch: Es gibt kaum noch einheitliche Tendenzen bei den Museen. Glichen sich viele in den Grundzügen ihrer Sammlungen, erscheinen sie heute vielfältiger. Und mit den Inhalten ändern sich auch die Namen: Ethnologisches Museum (Berlin), Wereldmuseum (Rotterdam), Museum of Cultures (Helsinki), Museum of World Culture (Göteborg) und Museum der Weltkulturen (Basel) sind nur einige der Umbenennungen der letzten Jahre. Selbst die aktuellen Bedrohungen des Aufstieges der Völkerkundemuseen zeugen noch von der Wirkmächtigkeit, die ihnen zugetraut wird: Die rechten Regierungen in Dänemark, Finnland, Ungarn und den Niederlanden schränken diese Museen ein, bis hin zur Androhung der Schließung. „National wichtige“ Museen dagegen werden verschont und sogar ausgebaut. Ein Tag der Konferenz war dem Dialog mit den Kollegen des Nationalen Folklore Museums in Seoul/Korea gewidmet. Dieses Museum wird 2020 einen Neubau neben dem Koreanischen Nationalmuseum erhalten und soll bis dahin zum ersten Völkerkundemuseum Koreas ausgebaut werden. Hierbei wird es von allen europäischen Völkerkundemuseen unter Führung der Kunstkammer St. Petersburg und der ethnologischen Museen in Leiden und Hamburg unterstützt. Die koreanische Regierung ist zuversichtlich, mit diesem neuen Museum die Probleme bei der Integration von Migranten besser zu bewältigen, denen sich das bisher monokulturelle und monolinguale Land seit etwa 10 Jahren zunehmend ausgesetzt sieht. Dass Völkerkundemuseen der Zukunft somit noch für viele Überraschungen und Innovationen im Museumswesen gut sind, darüber waren und sind sich alle Teilnehmer der EEMDG einig. Quelle: Völkerkundemuseum Hamburg |




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