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Literatur-Zensur - Konstant ist nur die Verunsicherung

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Dienstag, den 16. August 2011 um 12:05 Uhr
Das iranische Ministerium für Kultur und Islamische Führung versteht sich auf die Politik der Verunsicherung. Da setzt es mal nur einen Rüffel, wenn das Kopftuch der Frauen zu weit hinten sitzt, mal werden die Frauen im Polizeipräsidium verhört. Manchmal passiert aber auch gar nichts. Sicher ist lediglich: Man weiß nie, was passiert. Verunsicherung wird zu einer Konstanten des Mullah-Regimes.

Jetzt setzen die Sittenwächter den nächsten Nadelstich. Indem sie ein 800 Jahre altes Werk zensieren, demonstrieren sie Macht - und provozieren gleichzeitig ihre Bürger. Denn die Iraner verstehen sich als ein Volk des Buches, ein Volk, das seine Nationaldichter Rumi und eben Nezami mindestens so verehrt wie wir Goethe und Schiller. Mit anderen Worten: Nezami ist ein Grundpfeiler persischer und damit auch iranischer Identität. Und den unterhöhlt jetzt die Zensur.

Man könnte nun sagen, die iranische Regierung gibt sich damit der Lächerlichkeit preis. Die Bürger im Iran werden indes allenfalls ein bitteres Lächeln für diesen neuen Eingriff in ihr Leben haben. Wieder wird die Freiheit um ein kleines Stück beschnitten, wieder setzt es einen kleinen Nadelstich. Vielleicht wird die Zensur auch schon morgen wieder zurückgenommen. Aber die Verunsicherung bleibt.

Quelle:Neue Osnabrücker Zeitung

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