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Augenwischerei: Kulturfinanzierung in Hamburg – nichts ist in Ordnung! Drucken E-Mail
Mittwoch, den 28. Juli 2010 um 20:55 Uhr
Nachdem Ole von Beust als Erster Bürgermeister seinen Rücktritt erklärt hat und Kultursenatorin Karin von Welck ihr Amt ebenfalls niederlegen wird, muss ein neuer Senat nun Farbe bekennen. Sollte die Kulturbehörde tatsächlich aufgelöst werden, wäre dies ein Armutszeugnis für Hamburg als Kulturstandort.

Wir fordern den neu zu bildenden Senat auf, die Kulturbehörde als eigenständiges Ressort weiterzuführen und mit ausreichend finanziellen Mitteln auszustatten!
Nur wenige Monate vor ihrem Rücktritt hat die scheidende Kultursenatorin Karin von Welck ein neues Stiftungsgesetz verabschieden lassen, mit dem die Weichen für die Zukunft der Museumsstiftungen gestellt werden sollen.

- Durch die Neugestaltung der Stiftungsräte – Reduzierung der Mitglieder von zehn auf vier von der Kulturbehörde zu bestimmende Personen zzgl. je eines Vertreters der Personalräte und Freundeskreise – wurden die Museen zu Unterabteilungen der Kulturbehörde herabgewürdigt, was die Museen in ihrem Bestreben nach qualitätvoller Arbeit und wirtschaftlichem Handeln erheblich einschränkt. Wir fordern eine Überarbeitung des Museumsstiftungsgesetzes: Transparenz und bürgerliche Mitwirkung müssen Bestandteil der Museumsarbeit bleiben.

- Die Direktoren der Museen müssen sich nun mit ihren Ausstellungsprojekten um ein zentrales Budget bewerben. Damit entscheidet eine von der Kulturbehörde eingesetzte Jury, welche großen Ausstellungen in Hamburg gezeigt werden. Zusätzliche Mittel für Ausstellungen sind gut und wichtig, doch darf das Ausstellungswesen in unsere Stadt nicht von einem unter Haushaltsvorbehalt stehenden „Sonderfonds“ abhängen. Wir fordern eine Überarbeitung des Museumsstiftungsgesetzes: Wechselausstellungen gehören zu den zentralen Aufgaben eines Museums. Hierfür sind jedem Museum ausreichend Haushaltsmittel bereitzustellen.

- Die Einrichtung einer „Doppelspitze“ zur Leitung der Museen wurde von der Entscheidung des jeweiligen Stiftungsrats abhängig gemacht. Wir fordern eine Überarbeitung des Museumsstiftungsgesetzes: Die frühere Arbeitsteilung zwischen Direktor und kaufmännischem Geschäftsführer hat sich bewährt und ist eine Garantie für eine solide Museumsarbeit.

- Ein von der Kulturbehörde bestelltes Kuratorium soll künftig „Empfehlungen“ an die Direktoren und Kaufmännischen Geschäftsführer richten, insbesondere zu Ankäufen von Sammlungsgegenständen (!), Neugestaltung von Dauerausstellungen (!), Sonderausstellungen und Veranstaltungen (!) sowie zu Projekten in den Bereichen der Forschung und Restaurierung (!). Wir fordern eine Überarbeitung des Museumsstiftungsgesetzes: Ein solches Kuratorium ist ebenso überflüssig wie unangemessen. Statt ein weiteres Gremium zu gründen, sollen die Direktoren und kaufmännischen Geschäftsführer durch die Bereitstellung der erforderlichen finanziellen Mittel in die Lage versetzt werden, ihre Arbeit zu tun.

Die Freunde der Kunsthalle und die Freunde des Museums für Kunst und Gewerbe (Justus Brinckmann Gesellschaft) werden sich weiter dafür einsetzen, dass die Finanzierung der Hamburger Museen nachhaltig gesichert wird. Die Häuser sollen alle Aufgaben eines Museums erfüllen können, d. h. neben dem Ausstellen und Vermitteln von Kunst auch das Sammeln (Ankaufsetat), Bewahren (Depotsanierung) und Forschen (Bibliothek, die Besetzung wissenschaftlicher Stellen).

Die Freunde werden weiterhin Flagge zeigen.

Quelle: Freunde der Kunsthalle e. V.

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avatar Heiko Langanke
+2
 
 
Wenn die Stadt / das Land Hamburg (wieder einmal) überlegt, den Posten des Kultursenats nicht mehr zu besetzen, so zeigt dies nur, wie kulturlos diese Stadt wirklich ist. Und dabei ist es nicht allein die mangelnde Wertschätzung des Gutes Kultur, die sich bei jenen zeigt, die den Posten des Kultursenators / -in für überflüssig halten. Sondern auch jener, die gar nicht erst auf die Idee kommen, diesen Posten besetzen zu wollen. Den selbst die berühmten "Lorbeeren" scheint man in Hamburg damit nicht verdienen zu können.
Das läßt mehr als tief blicken.
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