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Werner Tübkes Monumentalgemälde: Das Abenteuer der Bilderfindung - 30. Jubiläum

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Freitag, den 22. September 2017 um 13:22 Uhr
Über zehn Jahre hatte Werner Tübke am Monumentalgemälde »Frühbürgerliche Revolution in Deutschland« gearbeitet, als er am 16. Oktober 1987 die Schlusssignatur unter sein Werk setzte, eine Leinwand mit den gigantischen Ausmaßen von 14 Metern Höhe und 123 Metern Länge. Was vom Auftraggeber in den frühen 1970er Jahren als propagandistisches Schlachtenpanorama zur Erinnerung an den Deutschen Bauernkrieg konzipiert worden war, entwickelte der Leipziger Maler seit dem Vertragsabschluss mit dem Kulturministerium der DDR am 1. Januar 1976 zu einer eigenständigen künstlerischen Leistung, die die ferne Vergangenheit mit der Gegenwart verwob und sich über Raum und Zeit zu universaler Geltung empor schwang.
 
Nach der Auftragsübernahme vertiefte sich Tübke in historische Texte und Bildquellen und schuf erste eigene Vorzeichnungen, Gemälde und Druckgrafiken, mit denen er tief in die Materie eindrang. Zwischen 1979 und 1981 entstand in einer Atelierhalle in Leipzig die Modellfassung im Maßstab 1:10, auf der er die endgültige Bilderzählung entwickelte und fixierte, und ab 1983 begann er mit der Umsetzung an der Großleinwand in Bad Frankenhausen.
 
Im Saal des zylinderförmigen Museumsbaus waren inzwischen alle Vorbereitungen getroffen worden. Die 1,1 Tonnen schwere Leinwand war gespannt, mit einer Grundierung nach Art der russischen Ikonenmalerei behandelt und mit den 10-fach vergrößerten Konturenzeichnungen aus der 1:10-Vorfassung versehen worden.
 
Das »Abenteuer«, wie Werner Tübke es nannte, begann auf einem Gerüst in 14 Metern Höhe am oberen Bildrand. Im sogenannten »Jüngsten Gericht«, wo sich ein unentwirrbarer Strudel menschlicher Gestalten in monochromen Farben auf die Leinwand ergießt, setzte Tübke das malerische Vorbild für seine Künstlerkollegen, die dem Meister wie in mittelalterlichen Malerwerkstätten als Gehilfen zur Seite stehen sollten: »Auf den Gerüsten haben wir Farbfotos, laufen oft in den Raum, in dem die 1:10-Fassung steht und lernen dort Figuren auswendig. Im Malsaal selbst kann die kleine Fassung nicht stehen, da die Gerüste (mit Motoren fahrbar) in der Mitte zwecks Führung fixiert sind. Wir arbeiten in zwei Schichten, wöchentlicher Wechsel, Sonnabend und Sonntag wird ebenfalls gearbeitet. Am nächsten Tag sollen und können kaum noch Veränderungen an der Arbeit des Vortages gemacht werden. Also wird am Abend eines jeden Tages Stück für Stück begutachtet, bestätigt oder noch verändert. Die Arbeit bewährt sich und geht vorzüglich voran. Wir haben uns auf eine gemeinsame Palette geeinigt, auf die durchgehenden Farbtöne, auf die tiefsten Töne. Es wird im Uhrzeigersinn gearbeitet. Die Mitarbeiter fahren im oberen Drittel voran, ich fahre mit dem Zweitgerüst mit den unteren zwei Dritteln hinterher. Die Arbeitsabläufe vollziehen sich also von links nach rechts, von oben nach unten – von hinten nach vorn.« (Werner Tübke, »Zur Arbeit am Panoramabild in Bad Frankenhausen (DDR)«, in: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 42 (1985), H.4, S. 306)
 
Doch die strapaziöse Arbeit im damals nicht klimatisierten Malsaal forderte ihren Tribut. Nach und nach schieden die Helfer aus und auch Werner Tübke musste nach einem Daumenmuskelriss an der rechten (Mal)Hand 1986 für drei Monate pausieren. Im Frühjahr 1987 drohte schließlich das Aus, als Tübke nach einem Kreislaufkollaps ins Krankenhaus nach Leipzig gebracht werden musste; sein ungebrochener Arbeitsdrang führte ihn jedoch zurück nach Bad Frankenhausen, wo er am 11. September 1987 den letzten Pinselstrich auf sein überwältigendes Kunstwerk setzte und mit der Schlusssignatur am 17. Oktober sein Opus Magnum offiziell beendete.
 
Zwei Jahre später, am 14. September 1989, wurde das Panorama Museum eröffnet. Seitdem haben über 2,8 Millionen Menschen das Monumentalgemälde gesehen. Zum 30. Jubiläum der Fertigstellung des Panorama-Gemäldes wird in der Studiogalerie des Museums eine eigens konzipierte Sonderausstellung zu sehen sein, die die Entstehung des Rundbildes dokumentiert und die Besucherinnen und Besucher einlädt, mitzukommen auf das Abenteuer der Bilderfindung.
 
Quelle: Panorama Museum

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