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VG Stipendium 2017 geht an Annika Kahrs

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Sonntag, den 05. März 2017 um 21:04 Uhr
Gestern Abend wurde die diesjährige Preisträgerin des »VG Stipendiums«, gekürt: Annika Kahrs (*1984 in Achim, lebt und arbeitet in Hamburg) überzeugte die internationale Jury mit ihrer Videoarbeit »Sea-Pool« (2016) sowie drei Zeichnungen (2015), die mit Seemännern in Bremerhaven entstanden sind. Das VG Stipendium ist mit dem Preisgeld von 60.000 CHF eine der höchstdotierten Auszeichnungen für europäische Nachwuchsförderung.
 
Nominiert waren zwölf Künstlerinnen und Künstler unter 35 Jahren aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Fotografie, Installation, Performance und Videokunst. Die Nominierten haben alle einen regionalen Bezug zu Norddeutschland und sind überwiegend Absolventen der Kunsthochschulen in Braunschweig, Bremen und Hamburg. Dieses Jahr ist die Kestner Gesellschaft einmaliger Austragungsort der Preisvergabe und der damit verbundenen Gruppenausstellung »VG Stipendium 2017«, die vom 11. März bis 7. Mai 2017 zu sehen ist. 
 
Die Jury, bestehend aus einem Team aus 10 Kuratoren, Kunsthistorikern und Künstlern, begründete ihre Wahl wie folgt: 
 
»Annika Kahrs zeigt in der Stipendiumsausstellung die Videoarbeit »Sea-Pool« von 2016 sowie drei Zeichnungen, die in Kooperation mit Seeleuten entstanden sind. Die Seefahrer, die sie im Seemannsclub in Bremerhaven getroffen hat, schildern anhand der skizzenhaften Zeichnungen ihre privaten Wohnsituationen. Dabei geht es um Erinnerungen, Emotionen und um Wunschträume, die mit der fernen Heimat verbunden sind. Es bleibt im Ungewissen, inwiefern die Skizzen Realitäten oder Imaginationen festhalten. Ihrem Gedanken folgend, schlüpft die Künstlerin in die Rolle der Regisseurin, die das Gegenüber zum Mitspielen anregt und sich auf einen ergebnisoffenen Dialog einlässt. Die Unmittelbarkeit und Unperfektheit der Zeichnungen transportieren einen speziellen Reiz und lassen uns die Begegnungen ein Stück weit nacherleben.
 
Die Videoarbeit ist ebenfalls in der Welt der Schifffahrt verortet. Drehort ist die Weser-Fähre, die Dauer des Films entspricht der Fahrzeit zum anderen Flussufer. Im Fokus steht ein Billardtisch, den die Künstlerin formal – in der Komposition fast malerisch – austariert. Fast schmerzlich sind die Betrachtenden gehalten, die Geduld zu bewahren, und darauf zu warten, dass sich im Bild etwas ereignet. 
 
Die auf dem Tisch ausgelegten Kugeln beginnen sich langsam in verschiedene Richtungen zu bewegen, unvermittelt durchquert ein Auto oder dann der Schaffner das Bildfeld. Die Kugeln bewegen sich wie von Geisterhand, die Spieler fehlen. Dadurch lotet Annika Kahrs die Qualitäten der filmischen Möglichkeiten aus. Sie spielt mit Suspence und lässt gleichzeitig den Zufall und die von ihr nicht beeinflussbaren Bewegungen des Schiffes auf dem Wasser zu Ko-Regisseuren werden. 
 
Die Jury würdigt die räumliche Umsetzung der Videoinstallation und das starke Zusammenspiel der beiden Arbeiten. Die formale Reduktion und Konzentration führt zu einer pointierten Aussage. Gleichzeitig fasziniert ein leichtes Mysterium, ein Hauch von Unerklärlichkeit, welche die Arbeit durchdringen.«
 
Annika Kahrs studierte von 2005 bis 2012 an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Harun Farocki und an der Freien Akademie der Künste in Hamburg. Sie wurde bereits mit verschiedenen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, unter anderem mit dem Aufenthaltsstipendium der Cité Internationale des Arts, Paris (2015/16), dem Bremerhaven-Stipendium (2014) und dem George Maciunas Förderpreis (2012). Kahrs Arbeiten waren bereits in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen, darunter in der Hamburger Kunsthalle (2016), bei der 5. Biennale für zeitgenössische Kunst in Thessaloniki, Griechenland (2015), im Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin (2015) und in der Peter Amby Galerie, Kopenhagen, Dänemark (2014).
 
Die schweizerische Stiftung Vordemberge-Gildewart hat es sich seit ihrer Gründung 1977 zum Ziel gesetzt, den Nachlass des Künstlers Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899 bis 1962) zu betreuen und in seinem Sinne jungen Künstlerinnen und Künstlern durch Vergabe von Stipendien den Weg ihrer künstlerischen Karrieren zu ebnen. Die Förderung regionaler Kunstszenen ist ein zentrales Anliegen der Stiftung, deren Gründung auf die Initiative von Ilse Leda Vordemberge (1906 bis 1981) zurückgeht. 
 
Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung »VG Stipendium 2017«: Katja Aufleger (*1983 Oldenburg) | Malte Bartsch (*1984 Braunschweig) | Feminist Land Art Retreat  | Gerrit Frohne-Brinkmann (*1990 Friesoythe) | Toulu Hassani (*1984 Ahwaz, Iran) | Verena Issel (*1982 München) | Delia Jürgens (*1986 Hannover) | Annika Kahrs (*1984 Achim) | Lucas Odahara (*1989 São Paulo, Brasilien) | Claudia Piepenbrock (*1990 Paderborn) | Max Schaffer (*1985 Santiago de Chile, Chile) | Timur Yüksel (*1986 Ochtrup).

Mitglieder der Jury: Dr. Egon Bruhin, Präsident der Stiftung Vordemberge-Gildewart | Madeleine Schuppli, Vorsitz der Jury | Dr. Linus Bruhin | Prof. Dietrich Helms | David Juda | Isabelle Krieg | Andreas Meier | Dr. Volker Rattemeyer | Dr. Arta Valstar-Verhoff | Dr. Roman Zieglgänsberger 
 
Quelle: Kestner Gesellschaft

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