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Goethe-Medaille in Weimar verliehen

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Sonntag, den 28. August 2016 um 17:11 Uhr
Der nigerianische Fotograf Akinbode Akinbiyi, der Schriftsteller Juri Andruchowytsch aus der Ukraine und der georgische Museumsdirektor David Lordkipanidze wurden am 28. August vom Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet. Mit dem offiziellen Ehrenzeichen der Bundesrepublik ehrt das Goethe-Institut Personen, die sich mit besonderem Engagement um die Vermittlung der deutschen Sprache und den internationalen Kulturaustausch verdient gemacht haben. Die Goethe-Medaille wurde zum 62. Mal verliehen.
 
„Die drei diesjährigen Preisträger sind unermüdliche interkulturelle Mittler, drei herausragende Persönlichkeiten, die sich in ihrer Arbeit mit dem hochaktuellen Schwerpunktthema der heutigen Verleihung ‚Migration der Kulturen – Kulturen der Migration‘ auseinandersetzen – fotografisch, wissenschaftlich und literarisch“, begründete Klaus-Dieter Lehmann die Auszeichnung von Akinbode Akinbiyi, Juri Andruchowytsch und David Lordkipanidze mit der Goethe-Medaille 2016. Ohne ein kulturelles Verständnis, ohne Dialogfähigkeit werde unsere Welt immer weniger lesbar. Genau deshalb brauche es Menschen mit der Fähigkeit des Umgangs mit kulturellen Unterschieden, mit der Kenntnis anderer Modelle des Zusammenlebens, mit Mehrsprachigkeit und mit Empathie, die sie immer wieder einsetzen, um oft gegensätzliche kulturelle Muster auszutarieren. „Alle drei Preisträger treten offen und bestimmt für die Begegnung und den Austausch mit Deutschland ein und sind zentrale Stimmen des kulturellen und intellektuellen Diskurses in ihren Heimatländern. Alle drei kennen die Herausforderungen von Migration aus persönlicher Erfahrung und setzen sich mit dieser auseinander. Für uns sind sie treue Freunde, kluge Gesprächspartner, kritische Berater, wichtige Wegbegleiter – und nicht selten auch Wegbereiter – der Arbeit der Goethe-Institute im Ausland“, so Lehmann weiter.
 
Die Verleihung der Goethe-Medaillen fand in Anwesenheit der Stellvertretenden Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen und Ministerin für Finanzen Heike Taubert sowie Andreas Görgen, dem Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt, und dem Oberbürgermeister der Stadt Weimar Stefan Wolf im Residenzschloss Weimar statt.
 
Akinbode Akinbiyi gehört zu den profiliertesten afrikanischen Fotografen weltweit. Mitte der 1970er-Jahre begann er als Autodidakt zu fotografieren und zog nach Aufenthalten in Heidelberg und München schließlich nach West-Berlin, wo er seitdem lebt. Akinbode Akinbiyis Schwerpunkte sind Reportage-, Architektur- und Kulturfotografie. Das Hauptaugenmerk seiner Arbeiten gilt vor allem den rapide wachsenden und sich verändernden afrikanischen Megastädten. Seine Bilder wurden auf Ausstellungen und Biennalen in Tokio, Paris, Philadelphia, Johannesburg oder Havanna gezeigt sowie in diversen Magazinen abgedruckt. „Fern von Klischees und Exotismen bewegt sich der Fotograf elegant zwischen verschiedenen kulturellen Zusammenhängen, vermittelt uns Eindrücke unterschiedlichster urbaner Lebensweisen, öffnet Horizonte ohne das Gesehene zu bewerten oder den eigenen Blick zu überhöhen“, betonte die Künstlerin und Fotografin Eva Leitolf in ihrer Laudatio auf Akinbode Akinbiyi. Seine Bilder seien Geschenk und Herausforderung zugleich: eine Einladung sich Zeit zu nehmen, hin zu sehen und Bilder nicht nur zu konsumieren. Leitolf deutete „seine auf Wesentliches reduzierte Schwarz-Weiß-Fotografie als einen leisen Akt des Widerstandes, eine Reduktion der Welt, die uns umgibt, auf die zurückgenommenen Töne der Grau-Skala, auf Zeichen und Strukturen“. Neben seiner Tätigkeit als Fotograf ist Akinbode Akiniyi international als Kurator und Autor tätig. Die Begleittexte seiner Ausstellungen verfasst er meist selbst. Über das von Akinbode Akinbiyi und dem Goethe-Institut Nigeria initiierte Projekt „Centers of learning for photography in Africa“ ist er zudem zu einem wichtigen Mentor für Nachwuchsfotografen aus dem afrikanischen Raum geworden. Im kommenden Jahr ist er an der documenta 14, die in Athen und Kassel stattfindet, mit neuen Arbeiten beteiligt.
 
Juri Andruchowytsch gilt als eine der wichtigsten intellektuellen Stimmen der Ukraine. Als Schriftsteller, Dichter, Essayist und Übersetzer ist er Teil der kritischen, kreativen Szene, die die zivilgesellschaftlichen Prozesse nach der Revolution auf dem Maidan reflektiert und vorantreibt. Andruchowytsch ist ein entschiedener Unterstützer der Ukraine auf dem Weg nach Europa und bemüht sich um eine Annäherung von West- und Osteuropa. Mit Deutschland ist Juri Andruchowytsch unter anderem durch mehrere Stipendienaufenthalte eng verbunden. Am Institut für Slawistik der Humboldt-Universität zu Berlin hatte er 2014 eine Gastprofessur inne. Er übersetzt deutsche Dichter wie Rainer Maria Rilke ins Ukrainische und verschafft der dortigen Leserschaft damit einen neuen Zugang zu den deutschen Klassikern. Mit seiner eigenen schriftstellerischen Arbeit machte er das literarische Territorium seines Heimatlandes einem deutschen Publikum bekannt. In ihrer Laudatio auf Juri Andruchowytsch bezeichnete die Übersetzerin Sabine Stöhr ihn – und ebenso seine Romanfiguren – als „Wanderer zwischen den Welten“. „Sein Werk zeichnet sich gerade dadurch aus, dass es die Vielfalt feiert und lieb gewonnene Überzeugungen in Frage stellt, und zwar eigene wie fremde“, so Stöhr, die die meisten seiner Texte selbst aus dem Ukrainischen ins Deutsche übersetzt hat. Den größten öffentlichen Widerhall fanden drei seiner Romane, die während der neunziger Jahre entstanden und veröffentlicht wurden: „Rekreaciji“ (1992), „Moscoviada“ (1993, deutsche Ausgabe 2006) und „Perversion“ (1996, deutsche Ausgabe 2011). Seine Texte sind international übersetzt und verlegt worden.
 
Der Generaldirektor des Georgischen Nationalmuseums David Lordkipanidze ist einer der renommiertesten Paläoanthropologen und Archäologen weltweit. Seit mehr als 20 Jahren leitet er die Ausgrabungen von Dmanisi in Georgien. Berühmt geworden ist David Lordkipanidze vor allem durch die dortigen Funde 1,8 Millionen Jahre alter Skelettreste früher Hominiden - diese Entdeckung und ihre wissenschaftliche Auswertung revolutionierten das bisherige Wissen über die frühe menschliche Entwicklung und Expansion. Unter seinem Einfluss internationalisierte und modernisierte sich das georgische Museumswesen nachhaltig, das im multiethnischen und postsowjetischen Georgien einen besonderen gesellschaftlichen Auftrag verfolgt. Die Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts Friederike Fless betonte in ihrer Laudatio: „Als Generaldirektor des Nationalmuseums von Georgien setzt David Lordkipanidze sich nachdrücklich und erfolgreich dafür ein, dass die Ergebnisse der Wissenschaft allgemein verständlich erzählt werden. Für ihn gehört Wissenschaft nicht nur den Wissenschaftlern. Sie gehört in den öffentlichen Raum der Museen, Ausstellungen und der Vermittlung auf den Grabungsplätzen“. David Lordkipanidze ist weltweit vernetzt und arbeitet seit Jahren neben dem Goethe-Institut eng mit namenhaften deutschen Partnern aus Kultur und Bildung zusammen, wie etwa der Stiftung Preußischer Kulturbesitz oder dem Senckenberg-Museum Frankfurt. Ein entscheidender Beitrag zu den deutsch-georgischen Kulturbeziehungen war seine Initiative zur Berliner Ausstellung der prähistorischen georgischen Goldfunde „Medeas Gold” 2007 im Alten Museum.
 
Die Goethe-Medaille wurde 1954 vom Vorstand des Goethe-Instituts gestiftet und 1975 von der Bundesrepublik Deutschland als offizielles Ehrenzeichen anerkannt. Die Goethe-Medaille wird zum Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe, am 28. August, verliehen.
 
Seit der ersten Verleihung 1955 sind insgesamt 341 Persönlichkeiten aus 63 Ländern geehrt worden. Zu den Preisträgern gehören unter anderen Adonis, Daniel Barenboim, Pierre Bourdieu, David Cornwell alias John le Carré, Sir Ernst Gombrich, Lars Gustafsson, Ágnes Heller, Ariane Mnouchkine, Sir Karl Raimund Popper, Jorge Semprún, Robert Wilson, Neil MacGregor oder Helen Wolff.

Quelle: Goethe-Institut

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