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Gedenkveranstaltung für die ermordeten Kinder vom Bullenhuser Damm

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Dienstag, den 19. April 2016 um 17:42 Uhr
Heute erhielt die KZ-Gedenkstätte Neuengamme ein außergewöhnliches Exponat: Grete Hamburg übergab das Briefmarkenalbum ihres Bruders Walter Jungleib an die Gedenkstätte. Das Album wird zukünftig in der Ausstellung der Gedenkstätte am Bullenhuser Damm zu sehen sein. Walter Jungleib wurde mit 12 Jahren am Bullenhuser Damm ermordet. Morgen wird im Rahmen der jährlichen Gedenkveranstaltung für die ermordeten Kinder am Bullenhuser Damm an Walter Jungleib und die anderen Opfer erinnert. Vorher wird die Jungliebstraße in Schnelsen umbenannt in Walter-Jungleib-Straße.

Grete Hamburg: „Walter war ein begabter Briefmarkensammler, schon mit neun Jahren. Anfangs war ihm mein Vater behilflich, später war er Mitglied im Kinder-Philatelisten Verein. Es ist keine wertvolle Sammlung, aber für mich unbezahlbar.“

Dr. Detlef Garbe, Direktor der KZ-Gedenkstätte Neuengamme: „Wir sind sehr froh darüber, dass wir unsere Ausstellung demnächst um dieses wertvolle und berührende Erinnerungsstück ergänzen können.“

Als im Juli 2015 eines der 20 Kinder vom Bullenhuser Damm, der bislang als „W. Junglieb“ bekannte Junge, als Walter Jungleib aus Hlohovec (Slowakei) identifiziert werden konnte, war es ein ungewöhnliches und bewegendes Ereignis. In diesen Tagen besucht seine 86jährige Schwester Grete Hamburg zum ersten Mal Hamburg und die Todesstätte ihres Bruders. Die Identität von Walter Jungleib konnte im vorigen Jahr mit Unterstützung von Bella Reichenbaum und deren Mann Yitzhak, dem Bruder von Eduard Reichenbaum, der im Alter von 10 Jahren am Bullenhuser Damm ermordet worden war, aufgeklärt werden.

Grete Hamburg nimmt morgen an der Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte Bullenhuser Damm teil. Hierzu haben sich Angehörige aus Israel, Frankreich und Italien angekündigt. Die Gedenkfeier findet am 20. April um 18 Uhr in der Gedenkstätte Bullenhuser Damm, Bullenhuser Damm 92, 20539 Hamburg statt. Bereits um 11 Uhr wird außerdem die Jungliebstraße in Schnelsen in Anwesenheit von Grete Hamburg und ihrer Tochter umbenannt in Walter-Jungleib-Straße. Treffpunkt ist vor dem Seniorenpflegeheim „Haus Burgwedel“, ehemals Jungliebstraße 1.

Am 12. August 1932 wurde Walter Jungleib in Hlohovec, einer Stadt in der Slowakei, geboren. Sein Vater Arnold Jungleib war Goldschmied und Uhrmacher. Die Familie besaß ein Juweliergeschäft, in dem auch die Mutter Malvina Jungleib arbeitete. Walters Schwester Grete war zwei Jahre älter. Die Familie war religiös und die Kinder besuchten die jüdische Schule. Walter war ein begeisterter Briefmarkensammler. 1944 wurde die Familie Jungleib verhaftet und in das Durchgangslager Sered gebracht. Bis zum März 1945 wurden 13.500 Juden aus dem Lager Sered in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Familie Jungleib wurde Ende Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert. Von dort wurden Malvina und Grete Jungleib mit 300 Frauen in ein Frauenaußenlager des KZ Buchenwald in Lippstadt gebracht. Dort mussten sie in den Eisen- und Metallwerken Zwangsarbeit leisten. Vater Arnold wurde nach Mauthausen deportiert, von dort aus weiter in das Außenlager Gusen. Walter blieb in Auschwitz zurück. Arnold Jungleib überlebte das Konzentrationslager nicht. Malvina und ihre Tochter Grete wurden Anfang April 1945 von amerikanischen Truppen befreit. Unmittelbar nach dem Krieg blieb die Suche der Familie nach Walter vergebens. In Hamburg war am Bullenhuser Damm nur der Name „W. Junglieb“ für einen der ermordeten Jungen bekannt, von dem bisher angenommen wurde, dass er 12 Jahre alt war und wahrscheinlich aus Jugoslawien stammte.

Quelle: Kulturbehörde Hamburg

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