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Deutsches Theatermuseum München erwirbt Nachlass der Schauspielerin Marianne Hoppe

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Montag, den 11. April 2016 um 14:10 Uhr
Das Deutsche Theatermuseum München erwirbt den künstlerischen Nachlass der Schau-spielerin Marianne Hoppe. Neben persönlichen Aufzeichnungen und zahlreichen Dokumenten ergänzen Arbeitsmanuskripte sowie über 1.000 Briefe und mehr als 1.500 Fotografien das Konvolut zu einem Schatz deutscher Theater- und Filmgeschichte. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.
 
In der Theatersaison 1927/28 debütiert Marianne Hoppe (1909–2002) an Max Reinhardts Deutschem Theater in Berlin, an dem sie für drei Spielzeiten zum Ensemble gehört. Im Dezember 1932 feiert sie als Theaterschauspielerin ihren ersten überregionalen Erfolg an Otto Falckenbergs Münchner Kammerspielen als Piperkarcka in Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“ – neben Therese Giehse als Frau John. 1933 debütiert sie auch im Film („Der Judas von Tirol“), der neue Machthaber Adolf Hitler wird auf sie aufmerksam und bittet die aufstrebende Mimin zur Privataudienz in seine Wohnung; später wird sich die Hoppe der Avancen des Propagandaministers Goebbels erwehren müssen. Bekannt wird sie als Star der UFA, in Filmen wie „Der Schimmelreiter“ und „Capriolen“ erspielt sie sich die Verehrung eines Millionenpublikums. 1936 heiratet sie eine der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Theaterszene: Gustaf Gründgens, legendärer Intendant des Preußischen Staatstheaters und populärer Schauspieler, die Ehe wird nach 10 Jahren geschieden. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlegt Hoppe den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit vom Film wieder auf das Theater. Ab den 1970er Jahren ist sie mit der Schauspielerin Anni Mewes liiert. 
 
Dreißig über die Jahrzehnte geführte Tagebücher und die vielen, teilweise sehr persönlichen Notizen aus dem Nachlass gehören zu den Kostbarkeiten der Erwerbung für das Deutsche Theatermuseum München, die von der Kulturstiftung der Länder, der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie vom Freistaat Bayern unterstützt wurde. Dazu gesellen sich Terminkalender, Arbeitsaufzeichnungen und Tonbänder, auf denen Marianne Hoppe Selbstgespräche aufnahm. Eigenhändig bearbeitete Rollen- und Lesemanuskripte sowie Verträge versprechen aufschlussreiche Einblicke in die lange Karriere der Künstlerin. Als weitgehend unerschlossene Quellen sind auch ihre Korrespondenz sowie zahlreiche, teils unbekannte Fotografien für die Forschung von großem Wert.
 
Weimarer Republik, Drittes Reich, Nachkriegsdeutschland: Die berühmte Mimin erlebte das 20. Jahrhundert auf der Theaterbühne oder vor der Kamera – dieser Blickwinkel ver-leiht dem Konvolut seinen ganz speziellen Reiz. Marianne Hoppe stand in regem Kontakt mit der Elite deutscher Theater- und Filmschaffender, u. a. mit Jürgen Fehling, Wolfgang Liebeneiner, Karl-Heinz Stroux, Elsa Wagner und Käthe Dorsch. Diese Korrespondenzen erlauben kulturhistorisch wertvolle Einblicke in die Kulturszene des Dritten Reichs sowie der Nachkriegszeit. Besonders bemerkenswert erscheint auch der offene Austausch mit ihrem Ehemann Gustaf Gründgens, der den damals geäußerten Verdacht ausräumt, beide seien eine Scheinehe eingegangen, um Gründgens Homosexualität zu verschleiern. 

Für die Filmforschung besonders reizvoll ist unter den erhaltenen Materialien der Drehar-beiten beispielsweise die „Effi-Briest“-Adaption „Der Schritt vom Wege“ von Gustaf Gründgens, zu der sein zehnseitiges Exposé aus dem Jahr 1936 vorliegt; weiterhin Korres-pondenzen und u. a. ein Protokoll sämtlicher Dreheinstellungen sowie eine Vorversion des Drehbuchs samt Erläuterungen. Eine beachtliche Sammlung an Fotografien ergänzt das Konvolut: Seltene Aufnahmen von Fotografen wie Stefan Moses, Rosemarie Clausen, Ruth Wilhelmi und Willi Saeger lassen die Theater- und Filmwelt vergangener Epochen wieder auferstehen. Auch das Privatleben der Aktrice wurde ausgiebig auf Fotopapier gebannt. 
 
Das Deutsche Theatermuseum München verfügt nun mit dem Ankauf des Nachlasses aus Familienbesitz über einen umfassenden Quellenfundus, der das lebhafte Bild einer der großen Schauspielerinnen des 20. Jahrhunderts bewahrt. 

Quelle: Kulturstiftung der Länder

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