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Leopold Museum zeigt Wilhelm Lehmbruck und Berlinde De Bruyckere

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Montag, den 11. April 2016 um 11:00 Uhr

Zum Auftakt der Ausstellungssaison 2016/17 präsentiert Leopold Museum-Direktor Hans-Peter Wipplinger zwei hochkarätige Ausstellungen aus dem Bereich der Klassischen Moderne und der zeitgenössischen Kunst. Ab heute ist mit "Wilhelm Lehmbruck. Retrospektive" die bisher umfassendste Schau zum Werk des bedeutenden deutschen Bildhauers Wilhelm Lehmbruck (1881-1919) in Österreich und mit "Berlinde De Bruyckere. Suture" die erste Wiener Schau der belgischen Künstlerin Berlinde De Bruyckere (geb. 1964) im Leopold Museum zu sehen.

 

Die ersten beiden Projekte in der Programmierung von Hans-Peter Wipplinger, dem neuen museologischen Direktor des Leopold Museum, vereinen zwei auf den ersten Blick scheinbar gegensätzliche Positionen, die bei näherer Betrachtung jedoch mehrfache Berührungspunkte aufweisen. Sowohl Wilhelm Lehmbruck als auch Berlinde De Bruyckere (geb. 1964) sind Bildhauer, in deren Werk Skulptur und Zeichnung eine gleichrangige Bedeutung zukommt. Beide fragmentieren den menschlichen Körper, reduzieren die menschliche Gestalt, schaffen Torsi und zeigen die Verletzlichkeit und Fragilität des Menschen.
 

Wilhelm Lehmbruck, der wichtigste Bildhauer des deutschen Expressionismus, zählt zweifelsohne zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Das Leopold Museum widmet dem einflussreichen Erneuerer und Wegbereiter der modernen europäischen Bildhauerkunst die bisher umfassendste Retrospektive in Österreich. Die von Hans-Peter Wipplinger kuratierte Ausstellung gibt mit rund 50 Skulpturen sowie circa 100 Gemälden, Zeichnungen und Radierungen einen detailreichen Einblick in das Schaffen Lehmbrucks. Rund 30 Werke der internationalen Moderne ermöglichen die Einbettung von Lehmbrucks Schaffen in den internationalen Kontext. Zu sehen sind folglich nicht allein die wichtigsten Werke Lehmbrucks sondern ausgewählte Kunstwerke weiterer Künstler, u.a. von Auguste Rodin und Aristide Maillol, den prägenden französischen Bildhauern an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, Werke der Symbolisten George Minne und Edvard Munch, Weggefährten von Lehmbrucks fruchtbarer Pariser Zeit, Alexander Archipenko, Constantin Brâncu?i oder Amedeo Modigliani oder von ZeitgenossInnen wie Käthe Kollwitz, Ernst Barlach und Egon Schiele.


Hans-Peter Wipplinger:

"Es kann keinen besseren Ort für diese Ausstellung geben als das Leopold Museum. In diesem für die bedeutendste Egon Schiele-Sammlung der Welt bekannten Haus gilt es Verbindungen durch die Ebenen hindurch von der Lehmbruck-Ausstellung zur permanenten Schiele-Präsentation zu denken." Der deutsche Mäzen und Sammler Karl Ernst Osthaus hatte diese Verbindung bereits vor mehr als 100 Jahren hergestellt, als er im Jahr 1912 Werke von Schiele und Lehmbruck in einer Doppelausstellung in seinem Hagener Folkwang Museum zeigte.
 

Die Lehmbruck-Ausstellung des Leopold Museum, die in Kooperation mit dem Lehmbruck Museum Duisburg entstand, folgt, weitgehend chronologisch, der künstlerischen Entwicklung von den Jahren an der Kunstgewerbeschule (1895-1899) und als Student der Düsseldorfer Kunstakademie (1901-1906) bis hin zu seinen bekanntesten Arbeiten der Pariser Zeit (1910-1914). Die Schau fokussiert das kompromisslose, während des Ersten Weltkrieges entstandene Werk und die Arbeiten seiner letzten Schaffensjahre bis zu seinem Freitod im Jahr 1919.


Hans-Peter Wipplinger:

"Diese Ausstellungen sind ein Brückenschlag von der Klassischen Moderne hin zur zeitgenössischen Kunst. Von Egon Schieles "Sitzendem Männerakt" in der permanenten Präsentation über Wilhelm Lehmbrucks späte Skulpturen bis zu Berlinde De Bruyckeres neueren Werken erkennen wir die epochenübergreifende Gemeinsamkeit der unaufhörlichen Suche dieser Künstler nach neuen Wegen in Ausdruck und Form."
 

Höhepunkte der Ausstellung sind jene Figuren, die Lehmbrucks Weg von der Körperplastik zur Raumplastik verdeutlichen. Während die "Große Stehende" (1910-1912) klassisch anmutend in sich ruht, bedeutet die künstlerische Lösung, die Lehmbruck für die "Kniende" (1912) wählt den künstlerischen Durchbruch. Durch die Zusammenführung einer neuen raumgreifenden Dimension mit einem klar erkennbaren Bewegungsmotiv und einer Introversion der Gebärden beschreitet der Künstler völlig neue Wege. Hier bricht Lehmbruck mit der klassischen Tradition. Zeugt der "Emporsteigende Jüngling" (1913) von der Suche des Künstlers nach einem neuen Menschenbild, so ist zwei Jahre später - mitten im Ersten Weltkrieg - "Der Gestürzte" (1915) Sinnbild des gescheiterten, am Konflikt zerbrechenden Menschen. Das Werk ist Lehmbrucks ebenso dramatische wie innovative Reaktion auf die Traumata des Krieges, in dem er als Sanitäter und Kriegsmaler eingesetzt wurde.
 

Aus dem Spätwerk sind besonders zwei zentrale, 1918 entstandene Arbeiten hervorzuheben. Die wohl expressivste von Wilhelm Lehmbruck geschaffene und von Fragmentierung bestimmte Skulptur "Kopf eines Denkers" und die "Betende", die auch als Sinnbild für seine - unerfüllte - Liebe zu der von ihm "angebeteten" Schauspielerin Elisabeth Bergner gesehen werden kann.
 

Joseph-Beuys (1921-1986), der wohl bedeutendste deutsche Bildhauer nach 1945, berief sich explizit auf Wilhelm Lehmbruck. "Alles ist Skulptur" war sein Gedanke als er die Werke Lehmbrucks für sich entdeckte und sich so für die Kunst entschied anstatt eine naturwissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. In seiner Rede anlässlich der Überreichung des Lehmbruck-Preises 1986, tragischerweise wenige Tage vor seinem Tod, verwies Beuys auf die intuitive, seelische Kraft des plastischen Formens bei Lehmbruck. Ausgewählte Werke von Joseph Beuys werden im finalen Teil der Schau in Dialog zu Arbeiten von Lehmbruck gesetzt.
 

Die aus dem belgischen Ghent stammende Berlinde De Bruyckere zählt zu den international bekanntesten Bildhauerinnen der Gegenwart. Ihre erste Einzelausstellung in Wien zeigt rund 50 Skulpturen und Zeichnungen der Künstlerin aus den letzten zwei Jahrzehnten, die den menschlichen Körper in seiner rohen Schönheit und Verletzlichkeit in den Fokus rücken.
 

Der unheimliche Realismus von De Bruyckeres Wachsskulpturen irritiert und fasziniert zugleich. Ihre Werke zeigen die Geworfenheit des Menschen in die Welt. Die Künstlerin setzt sich in Ihrem ?uvre mit Trauer, Tod und Schmerz in gleicher Weise auseinander wie mit Liebe und Mitgefühl.

Die im Ausstellungstitel erwähnte "Suture", die Naht, kann als plastische Metapher des skulpturalen Denkens der Künstlerin verstanden werden. Die Naht, als zentrales Motiv von De Bruyckeres ?uvre, verweist nicht nur auf die Methode der Künstlerin, einzelne Körperfragmente miteinander und mit diversen Materialen zu "vernähen", sondern streicht die Verletzlichkeit des Menschen als eines der zentralen Themen von De Bruyckeres Werk hervor.


Stephanie Damianitsch:

"Berlinde De Bruyckeres Werk und ihre Methode, alles - über die Zeiten hinweg - als miteinander verbunden darzustellen, erweist sich als von einem starken ethischen Anspruch getragen. Der Ruf nach Aufmerksamkeit und Respekt, der allen ihren Werken eingeschrieben ist, lässt sich, so betrachtet, in einem Satz bündeln, der als treibendes und konstituierendes Moment von Berlinde De Bruyckeres Schaffen gelesen werden kann: We are all flesh."

De Bruyckere greift oftmals auf Bildformen zurück, die im kulturellen Bildarchiv der Gesellschaft sowie im Kanon der Kunstgeschichte, im Besonderen der Malerei der Renaissance und des Barock zu finden sind. Insbesondere der Motivschatz der christlichen Ikonografie - und die sich darin widerspiegelnde Schmerzenskultur - dient De Bruyckere als Ausgangspunkt ihrer Reflexionen. Dies zeigen in einem eigenen Bereich der Ausstellung Arbeiten wie die Skulptur "Piëta" von 2007-2008 auf, die in ihrer stark abstrahierten Darstellungsweise auch deutlich macht, dass die Arbeiten der Künstlerin nicht als Zitate christlicher Bildformen misszuverstehen sind.


Stephanie Damianitsch:

"Berlinde De Bruyckere ist bestrebt über eine in der christlichen Tradition wurzelnde Körpersprache ein Ausdruckspotenzial freizusetzen, das die Vergegenwärtigung zeitloser, menschlicher Befindlichkeiten ermöglicht."

Quelle: Leopold Museum-Privatstiftung

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