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Japanische Tagträume. Die Sammlung Fotografie im Kontext

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Freitag, den 01. April 2016 um 11:30 Uhr
Zwischen 1981 und 1985 konnte das MKG mit Unterstützung des Vereins der Freunde der Photographie eine umfangreiche Sammlung moderner und zeitgenössischer japanischer Fotografien aufbauen und besitzt damit einen der umfangreichsten Bestände in einem Museum außerhalb Japans.

Dieses gut 900 Werke umfassende Konvolut stellt die Kuratoren heute vor Herausforderungen: Gibt es eine spezifisch japanische Fotografie? Zeichnet sie sich durch ihre Themen oder durch eine gemeinsame Bildsprache aus? Ermöglichen die Werke aus der Sammlung einen repräsentativen Überblick über die Geschichte der japanischen Fotografie oder vermitteln sie eher einen Eindruck davon, was zu Beginn der 1980er Jahre als „typisch japanisch“ erschien? Anhand von rund 30 ausgewählter Positionen freier, künstlerischer Fotografie geht die Ausstellung diesen Fragen nach. In der Reihe Die Sammlung Fotografie im Kontext stellt das MKG Schwerpunkte der Sammlung Fotografie und neue Medien vor und ermöglicht fokussierte Einblicke in die umfangreichen Bestände.
 
Der rapide gesellschaftliche Wandel in Japan zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die Spannungen zwischen Innovation und Tradition spiegeln sich in den Arbeiten verschiedener Fotografen. In seinen abstrakten Dunkelkammerexperimenten setzt sich Kanbei Hanaya in den 1930er Jahren mit der Bildsprache des Konstruktivismus auseinander und thematisiert Licht und Bewegung als Phänomene der Moderne. Taikichi Irie beschäftigt sich ganz unmittelbar mit den magisch-religiösen Wurzeln der japanischen Kultur. Seit den späten 1930er Jahren porträtiert er die Puppen des Bunraku-Theaters in Osaka, die er in seinen Bildern eindrucksvoll verlebendigt. Auch Shoji Ueda arbeitet in seinen Fotografien mit surrealistischen Stilmitteln. In den Sanddünen von Tottori inszeniert er seine Modelle wie Pantomimen auf einer Bühne, losgelöst von Raum und Zeit.
 
In den 1960er Jahren etabliert sich unter den japanischen Fotografen ein stark subjektiver Stil. Sie nutzen die Kamera als Instrument, um ihre Gegenwart, die eigene und die kollektive Identität zu erforschen. Miyako Ishiuchi betrachtet in ihrer Serie „Yokosuka Story“ die Stadt ihrer Kindheit, die als US-Marinestützpunkt eine strategische Rolle im Korea- und Vietnam-Krieg spielte. Foumio Takashima arbeitet mit Tänzern zusammen, die in seinen archaischen Bilderzählungen als Personifikationen von Naturphänomen auftreten. Masamichi Harada und Toshio Shibata zeigen in ihren Stillleben beschlagene Fensterscheiben oder Strukturen aus Sand und fragen nach der verborgenen Schönheit im Alltäglichen. Eine Erweiterung dieser lyrischen Fotografie um medienreflexive Ansätze findet sich in den Bildern des Künstlers Satoshi Saito, der fotografierte Wirklichkeitsausschnitte am Ort ihrer Entstehung in Szene setzt und erneut ablichtet.
 
Künstlerinnen und Künstler: Kanbei Hanaya, Masamichi Harada, Taikichi Irie, Miyako Ishiuchi, Satoshi Saito, Toshio Shibata, Foumio Takashima und Shoji Ueda.

Quelle: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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