Events Bildende Kunst
Veranstaltung
- Titel:
- Haegue Yang und Rivane Neuenschwander
- Wann:
- 09.02.2012 - 01.04.2012
- Wo:
- Overbeck-Gesellschaft – Kunstverein Lübeck - Lübeck
- Kategorie:
- Bildende Kunst
Beschreibung
Der Dialog, den die beiden international erfolgreichen Künstlerinnen Rivane Neuenschwander (geb. 1967 in Belo Horizonte, Brasilien) und Haegue Yang (geb. 1971 in Seoul, Süd-Korea) in ihrer gemeinsamen Ausstellung im Pavillon der Overbeck-Gesellschaft führen, umfasst die Medien Zeichnung, Collage, Video und zwei raumfüllende Installationen: Rivane Neuenschwanders Wasserarbeit „Rain Rains“ und Haegue Yangs Lichtskulptur aus den „Series of Vulnerable Arrangements“.
Haegue Yangs Arbeit trägt den Titel „Sven Basel Lights“. Die sieben Einzelelemente bestehen aus Infusionsständern als Träger industriell gefertigter Alltagsgegenstände, durchsetzt mit hängenden oder durch Kabelschleifen verbundenen Glühbirnen verschiedenster Größe und Farbigkeit. Über sprechende Titel wie z.B. „Drag Queen“ oder „Second Teenage Riot“ werden den einzelnen Arrangements bestimmte Charaktere nahegelegt oder es werden kunsthistorische Verweise gesetzt wie bei „Drip Drawing“, das Jackson Pollocks Drippings über ein auf die Wand gebrachtes Lineament aus Kabeln und Lichterketten assoziieren lässt.
Insgesamt entsteht ein begehbares Bühnenbild, in dem die Lichtgebilde wegen ihrer menschlichen Größe den Eindruck einer zusammengehörenden Gruppe entwickeln. Und doch ist es eine mit Abwesenheiten durchsetzte Gemeinschaft, die ebenso durch Leerstellen konstituiert ist wie durch Gemeinsamkeiten. Insofern besteht das in diesem Raum mögliche Erlebnis wesentlich in der Entwicklung eines Sich-Bewusstmachens der Szenerie und nicht im emotionalen Eintauchen in diese. Die Perfomativität beruht auf dem Vermögen, die Wahrnehmung als solche zu inszenieren statt ihr ein Objekt zuzuweisen und in diesem Sinn weist das Projekt auf die Anliegen des Minimalismus zurück.
Als ein Moment der Irritation fungiert im selben Raum das Bild aus der Serie „Trustworthies“, eine Papiercollage aus unterschiedlich bedrucktem Innenpapier von Briefumschlägen. Lediglich die Spiegelung stellt einen Bezug zu den Lichtskulpturen her. Gemeinsamkeit und Distanz gleichermaßen.
Die Lichtinstallation Haegue Yangs hat ein Pendant im gegenüberliegenden ersten Raum, in dem die Wasserinstallation Rivane Neuenschwanders aufgebaut ist, aus der von aufgehängten Eimern hörbar Wasser tropft. Der Titel „Rain Rains“ (portugiesisch chove chuva) geht auf einen Popsong der 60er Jahre zurück, in dem ein brasilianischer Swingmusiker den Regen durch poetische Alliteration als mehrdeutig sinnliches Erleben besingt. Die Installation bedient sich dieser
Regenmetaphorik. Es tropft unaufhörlich, rhythmisiert durch den unregelmäßigen Takt naturbedingten Herabfallens. Poetisch und bedrohlich zugleich erscheint die Arbeit, die von stetig in Gang gehalten werden muss. Das partizipatorische Eingreifen lässt sich verstehen als Sinnbild für natürliche Abläufe und einem damit im Zusammenhang stehenden verantwortlichen Handeln.
Der Raum zwischen diesen beiden Installationen steht im Zeichen eines geöffneten Dialogs. Beide Künstlerinnen haben dafür Arbeiten gewählt, die die eigene Autorschaft aufbrechen und neu deuten. Haegue Yang zeigt eine Gemeinschaftsarbeit mit Peter Lütje. Sie trägt den Titel „Engagierte Schönheit“ und ist eine Hommage an Rivane Neuenschwander.
Nicht in erster Linie als Ausdruck von Bewunderung ist diese Arbeit zu verstehen, sondern als Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung sowohl zwischen Haegue Yang und Peter Lütje als auch der beiden mit Rivane Neuenschwander. Dabei geht es ihnen um Haltungen in der Kunst, wobei dieser Begriff durchaus unscharf ist. Als Manifestation dieser Reflexionsprozesse erscheinen die Bücherpakete, deren Titel nur eingeschränkt erkennbar sind, die sowohl inhaltlichen wie ästhetischen Entscheidungen folgen und sich dem Anspruch der Betrachter auf eindeutige Erkenntnis entziehen. Rivane Neuenschwanders „Anonymous Dialogues“ stellen die singuläre Autorschaft in Frage – ein viel diskutiertes Prinzip der zeitgenössischen Kunst, das von der Künstlerin mit dieser Arbeit
spielerisch aufgegriffen wird. Zwar zog sie sich vorgeblich aus der Produktion zurück, indem allein die Besucher die Bilder „zeichneten“, doch waren die dazu verwendeten Schreibmaschinen manipuliert: Statt Buchstaben wurden Interpunktionen gedruckt, so dass nicht Schrift sondern Zeichnung entstand. Sie erinnern an Positionen der Konkreten Poesie.
Im Videoraum wird „The Fall“ von Rivane Neuenschwander gezeigt. Gezeigt wird ein Eierlauf, bei dem der Löffel mit dem Ei im Mund gehalten wird. Dabei bedient sie sich der Strategie des suspense von Alfred Hitchcock. Hintersinnig spielt sie mit der Zuschauererwartung und erzeugt Spannung, weil der Betrachter ersehnt und fürchtet, dass das Ei auf dem Boden zerschlagen könnte. Durch die subjektive Kameraführung ist zudem das Auge des Objektivs mit dem des Betrachters in eins gesetzt. Der Betrachter kann der Blickführung durch die Regie kaum entkommen und ist gefangen im filmischen Raum. Auch dies ein Aspekt ihrer partizipatorischen Kunst.
Rivane Neuenschwander *1967
1996-1998 Royal College of Art, London
Einzelausstellungen (Auswahl): New Museum New York (2010), Konsthall Malmø (2010), Palais de Tokyo Paris (2003)
Gruppenausstellungen (Auswahl): Biennalen von Venedig (2005, 2003)
Haegue Yang *1971
1994 B.F.A. Seoul National University, Fine Arts College in Seoul, Süd- Korea
1994-1999 Städelschule Frankfurt am Main
Einzelausstellungen (Auswahl): Kunsthaus Bregenz (2011), New Museum New York (2010), Südkoreanischer Pavillon auf der 53. Biennale von Venedig (2009)
Gruppenausstellungen (Auswahl): Biennale von Venedig (2009), Triennalen von Guangzhou (2008) und von Turin (2008), Biennale von São Paulo (2006)
Haegue Yangs Arbeit trägt den Titel „Sven Basel Lights“. Die sieben Einzelelemente bestehen aus Infusionsständern als Träger industriell gefertigter Alltagsgegenstände, durchsetzt mit hängenden oder durch Kabelschleifen verbundenen Glühbirnen verschiedenster Größe und Farbigkeit. Über sprechende Titel wie z.B. „Drag Queen“ oder „Second Teenage Riot“ werden den einzelnen Arrangements bestimmte Charaktere nahegelegt oder es werden kunsthistorische Verweise gesetzt wie bei „Drip Drawing“, das Jackson Pollocks Drippings über ein auf die Wand gebrachtes Lineament aus Kabeln und Lichterketten assoziieren lässt.
Insgesamt entsteht ein begehbares Bühnenbild, in dem die Lichtgebilde wegen ihrer menschlichen Größe den Eindruck einer zusammengehörenden Gruppe entwickeln. Und doch ist es eine mit Abwesenheiten durchsetzte Gemeinschaft, die ebenso durch Leerstellen konstituiert ist wie durch Gemeinsamkeiten. Insofern besteht das in diesem Raum mögliche Erlebnis wesentlich in der Entwicklung eines Sich-Bewusstmachens der Szenerie und nicht im emotionalen Eintauchen in diese. Die Perfomativität beruht auf dem Vermögen, die Wahrnehmung als solche zu inszenieren statt ihr ein Objekt zuzuweisen und in diesem Sinn weist das Projekt auf die Anliegen des Minimalismus zurück.
Als ein Moment der Irritation fungiert im selben Raum das Bild aus der Serie „Trustworthies“, eine Papiercollage aus unterschiedlich bedrucktem Innenpapier von Briefumschlägen. Lediglich die Spiegelung stellt einen Bezug zu den Lichtskulpturen her. Gemeinsamkeit und Distanz gleichermaßen.
Die Lichtinstallation Haegue Yangs hat ein Pendant im gegenüberliegenden ersten Raum, in dem die Wasserinstallation Rivane Neuenschwanders aufgebaut ist, aus der von aufgehängten Eimern hörbar Wasser tropft. Der Titel „Rain Rains“ (portugiesisch chove chuva) geht auf einen Popsong der 60er Jahre zurück, in dem ein brasilianischer Swingmusiker den Regen durch poetische Alliteration als mehrdeutig sinnliches Erleben besingt. Die Installation bedient sich dieser
Regenmetaphorik. Es tropft unaufhörlich, rhythmisiert durch den unregelmäßigen Takt naturbedingten Herabfallens. Poetisch und bedrohlich zugleich erscheint die Arbeit, die von stetig in Gang gehalten werden muss. Das partizipatorische Eingreifen lässt sich verstehen als Sinnbild für natürliche Abläufe und einem damit im Zusammenhang stehenden verantwortlichen Handeln.
Der Raum zwischen diesen beiden Installationen steht im Zeichen eines geöffneten Dialogs. Beide Künstlerinnen haben dafür Arbeiten gewählt, die die eigene Autorschaft aufbrechen und neu deuten. Haegue Yang zeigt eine Gemeinschaftsarbeit mit Peter Lütje. Sie trägt den Titel „Engagierte Schönheit“ und ist eine Hommage an Rivane Neuenschwander.
Nicht in erster Linie als Ausdruck von Bewunderung ist diese Arbeit zu verstehen, sondern als Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung sowohl zwischen Haegue Yang und Peter Lütje als auch der beiden mit Rivane Neuenschwander. Dabei geht es ihnen um Haltungen in der Kunst, wobei dieser Begriff durchaus unscharf ist. Als Manifestation dieser Reflexionsprozesse erscheinen die Bücherpakete, deren Titel nur eingeschränkt erkennbar sind, die sowohl inhaltlichen wie ästhetischen Entscheidungen folgen und sich dem Anspruch der Betrachter auf eindeutige Erkenntnis entziehen. Rivane Neuenschwanders „Anonymous Dialogues“ stellen die singuläre Autorschaft in Frage – ein viel diskutiertes Prinzip der zeitgenössischen Kunst, das von der Künstlerin mit dieser Arbeit
spielerisch aufgegriffen wird. Zwar zog sie sich vorgeblich aus der Produktion zurück, indem allein die Besucher die Bilder „zeichneten“, doch waren die dazu verwendeten Schreibmaschinen manipuliert: Statt Buchstaben wurden Interpunktionen gedruckt, so dass nicht Schrift sondern Zeichnung entstand. Sie erinnern an Positionen der Konkreten Poesie.
Im Videoraum wird „The Fall“ von Rivane Neuenschwander gezeigt. Gezeigt wird ein Eierlauf, bei dem der Löffel mit dem Ei im Mund gehalten wird. Dabei bedient sie sich der Strategie des suspense von Alfred Hitchcock. Hintersinnig spielt sie mit der Zuschauererwartung und erzeugt Spannung, weil der Betrachter ersehnt und fürchtet, dass das Ei auf dem Boden zerschlagen könnte. Durch die subjektive Kameraführung ist zudem das Auge des Objektivs mit dem des Betrachters in eins gesetzt. Der Betrachter kann der Blickführung durch die Regie kaum entkommen und ist gefangen im filmischen Raum. Auch dies ein Aspekt ihrer partizipatorischen Kunst.
Rivane Neuenschwander *1967
1996-1998 Royal College of Art, London
Einzelausstellungen (Auswahl): New Museum New York (2010), Konsthall Malmø (2010), Palais de Tokyo Paris (2003)
Gruppenausstellungen (Auswahl): Biennalen von Venedig (2005, 2003)
Haegue Yang *1971
1994 B.F.A. Seoul National University, Fine Arts College in Seoul, Süd- Korea
1994-1999 Städelschule Frankfurt am Main
Einzelausstellungen (Auswahl): Kunsthaus Bregenz (2011), New Museum New York (2010), Südkoreanischer Pavillon auf der 53. Biennale von Venedig (2009)
Gruppenausstellungen (Auswahl): Biennale von Venedig (2009), Triennalen von Guangzhou (2008) und von Turin (2008), Biennale von São Paulo (2006)
Veranstaltungsort
- Ort:
- Overbeck-Gesellschaft – Kunstverein Lübeck - Website
- Straße:
- Königstraße 11
- PLZ:
- 23552
- Stadt:
- Lübeck
- Bundesland:
- Schleswig-Holstein
- Land:
-
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