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Theater - Tanz

Rezensiert! Die Ratte

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(105 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 18. November 2009 um 18:21 Uhr
Rezensiert! Die Ratte 4.5 out of 5 based on 105 votes.

Einiges ist wirklich ausgesprochen komisch oder boshaft oder bestenfalls beides, alles zusammen wäre über drei Akte ermüdend, vielleicht sogar ärgerlich.
Gerettet wird das Stück durch eine brillante Regie (Harald Weiler) und durch fünf hervorragende Darsteller.

Meike Harten gibt die Maria so damenhaft-kühl, dass sie an die junge Lauren Bacall erinnert, umso mehr, wenn sie Kette raucht. Sie muss, so will es die Familienkonstellation, zwingend alles unter Kontrolle behalten, um den Gegensatz zur kleinen Schwester zu bilden („Du hast immer die Niedliche gespielt!“) Wenn sie dann mal diese Kontrolle verliert, zum Beispiel, den Mund übervoll mit Wachtelfleisch, losheult, dann ist das zwar nicht sehr appetitlich, aber schrecklich rührend.

Theresa Berlage ist genau so unabdingbar der spontane Wonneproppen, der von der Verspieltheit zum hemmungslosen, trampelnden Wutanfall wechselt und der die Ältere gewohnheitsmäßig in die Neid- und Eifersuchtsnerven piekt: Du hättest auch gern ein Baby – einen erfolgreichen Mann – ich war immer viel hübscher als du!
Zur Bestätigung dieser These bekommen die Wachteln, die das Eierlegen zwei Jahre lang verweigerten, ausgerechnet jetzt, wie Isabell zu Ehren, ihr erstes Ei.
Was Maria ihnen arg verübelt.

Die Mannsbilder, viel einfacher gestrickt, wären vielleicht friedlich, wenn ihre Frauen sie nur ließen. Markus Frank, am Anfang noch ironisch-distanziert, verliert über sämtliche Akte zunehmend die Fassung, von der Schwägerin drangsaliert, von der Partnerin aus heiterem Himmel verraten und von der aufgestellten Rattenfalle geklemmt.
Herbert Schöberl wirkt noch am gesündesten und muss folgerichtig am meisten ausbaden. Ihm bleibt die Schlusspointe, endlos lang hingezogen: ein Schweizer erzählt einen Witz…

Die vier Streitenden, Hackenden, Kämpfenden haben im Grunde allesamt höchst unsympathische Rollen. Trotzdem schaffen sie es wahrhaftig, dabei liebenswert zu bleiben. Das ist ein Kunststück.
Die Inszenierung im Winterhuder Fährhaus zeigt, dass man aus einem mittelmäßigen Stück einen fulminanten Abend machen kann.

Weitere Vorstellungen: November: 20./21./25./26./27. Dezember: 3./4./5./8./9./10./11./12./17./18./19./31. Januar: 6./7./8./14./16./21./22./23./28./29./30. jeweils 19.30 Uhr, Komödie Winterhuder Fährhaus, kleiner Saal
Kartentelefon: 040 - 4806 8080 - www.kontraste-reihe.de
Alle Fotos: Oliver Fantisch

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avatar Mäxchen
+7
 
 
Liest sich ganz reizvoll. Ich wusste nichts von dem Kontrast-Programm, dachte eigentlich immer, die Komödie im W.F. ist was für Wohlstandsrentner mit Harmoniebedürfnis weil da auch Greise ständig die jugendlichen Liebhaber und Liebhaberinnen geben. (Als ein bißchen älter gilt dann so was wie Jopi Heesters.)
Wäre eventuell ein ganz guter Tip für Sylvester...
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avatar Melanie Seeberg
-9
 
 
Es ärgert mich doch immer sehr, wenn ich diese sogenannten Kritiken
lese, die nur Kritisiererei sind. Die Inszenierung gefällt Ihnen also,
liebe Frau Seifert, Sie lassen die Schauspieler gelten und die Regie. Da
muss sich doch was Kritisches sagen lassen, um nur intelligent genug zu
wirken! Also machen Sie kurzerhand das Stück zu einem 'mittelmäßigen'.
Wissen Sie, wieviel Arbeit, Zeit, Egernie und Herzblut in einem
geschriebenen Theaterstück steckt? Damit ist man monatelang zugange oder
mehr und dann hofft und bangt man, ob es "ankommt", ob es sich rentiert.
So eine Kritik "fetzen" Sie in wenigen Stunden hin und bekommen das gut
bezahlt. Und dann gehen Sie zur Tagesordnung über. Besser machen! Aber
dazu sind Kritisierer nicht in der Lage.
MfG!
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avatar Claus Friede
+16
 
 
Sehr geehrte Frau Seeberg,
Sie fordern Respekt für die Arbeit eines Theaters, sind aber leider nicht bereit, Respekt denen gegenüber zuzugestehen, die die Arbeit begleiten, ob nun positiv oder auch mit einer negativen Kritik. Diese Haltung empfinde ich als fragwürdig.
Den Respekt einzufordern weil es Arbeit, Zeit und Energie kostet, ein Theaterstück zu schreiben und zu inszenieren und dies dann gegenzurechnen für den zeitlichen Aufwand einer gut und differenziert geschriebenen Kritik von Frau Seifert ist absurd. Allein die Wortwahl "fetzen" zeugt nicht nur von magelndem Respekt, sondern auch von einer Unwissenheit der Arbeit von Frau Seifert gegenüber.
Viele Generationen haben dafür gekämpft, sich die Meinungsfreiheit mühsam zu erarbeiten und Sie stellen diese mit Ihrem "bloß nicht kritisch" in Frage, weil sie dem Bangen eines Autors mehr Raum und Legitimation einräumen, als einer fachkundigen Journalistin?
Wenn Theaterautoren, Regisseure und Schauspieler ein Stück in die Öffentlichkeit bringen, dann hat diese das Recht, jedwedes Stück und alle damit in Zusammenhang stehenden Details zu beurteilen und danach auch zur Tagesornung überzugehen. Wenn Sie Claqueure brauchen, sollte das Stück nur im Freundeskreis aufgeführt werden.

Mit freundlichen Grüßen,
Claus Friede
Chefredakteur - Kultur-Port.De
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avatar Petra
+6
 
 
TOLL - dies ist mein Lieblingsportal im Internet!!!
KEINE flachen Bälle, kein Gesäusel bei dem man/frau denkt: hm - haben die vielleicht eine kleine Provision vom Theater bekommen..?
Nein, hier ist alles echt.
Beim Lesen der Seifert-Kritik dachte ich mir: Oh... hört sich nach einer früheren Aufführung von "Kampnagel" an. So nach dem Motto: Zwei Hühner auf dem Weg nach Vorgestern.
Ich finde die Kritik gelungen. Liebe Frau Seifert, RESPEKT!!!!!
Herzlichst
Petra
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avatar Dosie
+6
 
 
Justine del Corte macht manchmal widerliche Stücke. Nach "Die Ratte" hat sie "Sex" geschrieben und zur Aufführung gebracht. Das ist eine einzige Schweinerei. Ich bin in der Pause gegangen und ich war nicht die einzige. Dagegen ist das Pinkeln bei offener Klotür usw. noch harmlos. Feuchtgebiete auf der Bühne.
Aber das ist heutzutage ja chic und nötig, besonders von weiblichen Autorinnen. Auch eine Art von Emanzipierung und auch wieder falsch verstanden.
LG! Dosie
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