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Orientbegeisterung in Altona – „Die Italienerin in Algier“

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Donnerstag, den 07. November 2013 um 12:03 Uhr
Orientbegeisterung in Altona – „Die Italienerin in Algier“ 3.4 out of 5 based on 134 votes.
Orientbegeisterung in Altona – „Die Italienerin in Algier“

Für die Inszenierung der in Vergessenheit geratenen komischen Oper „Lauter Verrückte“ von Johann Simon Mayr (1763-1845) hat Philipp Kochheim soeben den Rolf Mares Preis erhalten.
Nun hatte das nächste preisverdächtige Stück an der Hamburger Kammeroper Premiere: „Die Italienerin in Algier“, Gioachino Rossinis genialer Wurf aus dem Jahr 1813. In der schlanken deutschen Fassung von Barbara Hass (Text), Andreas Franz (Regie) und Fabian Dobler (musikalische Bearbeitung) ist der orientalische Ausstattungspomp drastisch reduziert und eine mitreißend moderne, pointierte Groteske entstanden, in der Feline Knabe als ebenso stimmgewaltige wie selbstbewusste Isabella die Überlegenheit einer Domina an den Tag legt.

Es ist gar nicht so einfach den Überblick in diesem turbulenten Verwirrspiel zu behalten: Mustafa, Bey von Algier, will seine Frau Elvira auf elegante Art und Weise loswerden und plant, sie kurzerhand mit seinem italienischen Sklaven Lindoro zu verheiratet. Er scheint in der Midlife-Krise, will etwas Neues, Knackiges, Temperamentvolles – eine schöne Italienerin. Zufällig haben gerade Mustafas Korsaren ein italienisches Schiff gekapert, auf dem sich Isabella befindet, die ihren verschollenen Geliebten Lindoro sucht. Der algerische Herrscher verfällt der selbstbewussten Schönen augenblicklich, ahnt aber nicht, dass sie hinter seinem Rücken Fluchtpläne schmiedet - gemeinsam mit dem wiedergefundenen Lindoro und mit Hilfe von Mustafas Gattin Elvira. Zum Schluss ist der Gockel der Gelackmeierte und alles löst sich in schönstem Wohlgefallen auf.

Rossini hat seine Opera Buffa 1813 geschrieben, im jugendlichen Alter von nur 21 Jahren und dann auch noch in nur vier Wochen. Diese Oper, zu dem Angelo Anelli das Libretto schrieb, hat Rossinis Ruhm begründet.

Der Stoff persifliert die Orientbegeisterung im späten 18. Und frühen 19. Jahrhundert, die Mozart in der „Entführung aus dem Serail“ bereits 1782 zum Thema mache. Anellis Stoff ist zwar aus heutiger Sicht ziemlich klamottig, doch Rossinis spritzige, schwerelose Musik besticht nach wie vor. Eine Komposition wohlgemerkt, die an Sänger und Orchester höchste Anforderungen stellt.

Die Premierenaufregung war denn auch im Orchestergraben deutlich zu spüren. Es dauerte etwas, bis die Musiker unter Dirigent Fabian Dobler Fahrt aufnahmen und mit der Spielfreude der Darsteller gleichzogen. Die konnten in der Regie von Andreas Franz auch alle Register ihres komödiantischen Talentes ziehen: Wunderbar die Szene im Türkischen Bad, in der die Männer – nur mit einem Handtuch bekleidet – von Mäuerchen zu Mäuerchen springen. Das Bühnenbild von Kathrin Kegler lässt die weißgekalkten Häuser und Gassen von Algier vor dem inneren Auge erscheinen und bestechen durch deren Einfachheit und Wandlungsfähigkeit. Clou sind die beiden riesigen Papp-Leoparden oben drauf, die mal mit grünen, mal mit roten Augen Gefahr oder freie Fahrt signalisieren. Allerdings werden diese Mauern auffällig oft verschoben und bringen unnötig Unruhe ins Spiel. Auf ein Drittel der Umbauten könnte man gut verzichten.

Es ist immer wieder überraschend, was für ein hochkarätiges Ensemble Hausherr Uwe Deeken auf diese kleine Bühne bringt. Bemerkenswert Heidi Mansers silbrig-sanfter Sopran, der ihrer Elvira anrührend-melancholische Züge verleiht. Marius Adam verkörpert mit seinem runden, vollen Bassbariton ein Mannsbild von einem Mustafa und Thomas Florino verschafft mit einem samtweichen Bariton der Rolle des Haly ungewöhnliche Ausdrucksstärke. Tadellos auch Sklavin Zulma (Silvia Aurea Aurelia De Stefano), etwas blass nur Enrique Andrados‘ Lindoro, der insgesamt mit einem angenehm warmen Tenor auffiel. Nicht zu vergessen Titus Witt als Isabellas Begleiter Taddeo, der hier sein komödiantisches Talent voll ausspielen konnte.
Ja, und dann Isabella selbst: Hier mehr eine kühle Blonde aus dem hohen Norden, als eine glutäugige Italienerin. Mezzosopranistin Feline Knabe spielt das blonde Gift selbstbewusst bis in die Zehenspitzen. Ein Vollblutweib zum Niederknien, das die schwierigen Koloraturen wie auch die verliebte Männerschar mühelos im Griff hat. Es macht einfach Spaß, dieser Isabella zuzuschauen und zuzuhören.


„Die Italienerin in Algier“ läuft bis zum 2. März 2014 in der Hamburger Kammeroper im Allee Theater (Max-Brauer-Allee 76, in Hamburg)
Karten erhalten Sie telefonisch unter (040) 3829 59
Abb. Copyright Dr. Joachim Flügel: Elvira (Heidi Manser), Taddeo (Titus Witt), Isabella (Feline Knabe), Lindoro (Enrique Adrados), Mustafa (Marius Adam)

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