Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 718 Gäste online

Neue Kommentare

Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...
adarompf@gmx.de zu „Mahana – Eine Maori-Saga”. Zwischen Tradition und Tyrannei : In allen Facetten genaue Beschreibung des Films, ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Theater - Tanz

Orientbegeisterung in Altona – „Die Italienerin in Algier“

Drucken
(134 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Isabelle Hofmann  -  Donnerstag, den 07. November 2013 um 12:03 Uhr
Orientbegeisterung in Altona – „Die Italienerin in Algier“ 3.4 out of 5 based on 134 votes.
Orientbegeisterung in Altona – „Die Italienerin in Algier“

Für die Inszenierung der in Vergessenheit geratenen komischen Oper „Lauter Verrückte“ von Johann Simon Mayr (1763-1845) hat Philipp Kochheim soeben den Rolf Mares Preis erhalten.
Nun hatte das nächste preisverdächtige Stück an der Hamburger Kammeroper Premiere: „Die Italienerin in Algier“, Gioachino Rossinis genialer Wurf aus dem Jahr 1813. In der schlanken deutschen Fassung von Barbara Hass (Text), Andreas Franz (Regie) und Fabian Dobler (musikalische Bearbeitung) ist der orientalische Ausstattungspomp drastisch reduziert und eine mitreißend moderne, pointierte Groteske entstanden, in der Feline Knabe als ebenso stimmgewaltige wie selbstbewusste Isabella die Überlegenheit einer Domina an den Tag legt.

Es ist gar nicht so einfach den Überblick in diesem turbulenten Verwirrspiel zu behalten: Mustafa, Bey von Algier, will seine Frau Elvira auf elegante Art und Weise loswerden und plant, sie kurzerhand mit seinem italienischen Sklaven Lindoro zu verheiratet. Er scheint in der Midlife-Krise, will etwas Neues, Knackiges, Temperamentvolles – eine schöne Italienerin. Zufällig haben gerade Mustafas Korsaren ein italienisches Schiff gekapert, auf dem sich Isabella befindet, die ihren verschollenen Geliebten Lindoro sucht. Der algerische Herrscher verfällt der selbstbewussten Schönen augenblicklich, ahnt aber nicht, dass sie hinter seinem Rücken Fluchtpläne schmiedet - gemeinsam mit dem wiedergefundenen Lindoro und mit Hilfe von Mustafas Gattin Elvira. Zum Schluss ist der Gockel der Gelackmeierte und alles löst sich in schönstem Wohlgefallen auf.

Rossini hat seine Opera Buffa 1813 geschrieben, im jugendlichen Alter von nur 21 Jahren und dann auch noch in nur vier Wochen. Diese Oper, zu dem Angelo Anelli das Libretto schrieb, hat Rossinis Ruhm begründet.

Der Stoff persifliert die Orientbegeisterung im späten 18. Und frühen 19. Jahrhundert, die Mozart in der „Entführung aus dem Serail“ bereits 1782 zum Thema mache. Anellis Stoff ist zwar aus heutiger Sicht ziemlich klamottig, doch Rossinis spritzige, schwerelose Musik besticht nach wie vor. Eine Komposition wohlgemerkt, die an Sänger und Orchester höchste Anforderungen stellt.

Die Premierenaufregung war denn auch im Orchestergraben deutlich zu spüren. Es dauerte etwas, bis die Musiker unter Dirigent Fabian Dobler Fahrt aufnahmen und mit der Spielfreude der Darsteller gleichzogen. Die konnten in der Regie von Andreas Franz auch alle Register ihres komödiantischen Talentes ziehen: Wunderbar die Szene im Türkischen Bad, in der die Männer – nur mit einem Handtuch bekleidet – von Mäuerchen zu Mäuerchen springen. Das Bühnenbild von Kathrin Kegler lässt die weißgekalkten Häuser und Gassen von Algier vor dem inneren Auge erscheinen und bestechen durch deren Einfachheit und Wandlungsfähigkeit. Clou sind die beiden riesigen Papp-Leoparden oben drauf, die mal mit grünen, mal mit roten Augen Gefahr oder freie Fahrt signalisieren. Allerdings werden diese Mauern auffällig oft verschoben und bringen unnötig Unruhe ins Spiel. Auf ein Drittel der Umbauten könnte man gut verzichten.

Es ist immer wieder überraschend, was für ein hochkarätiges Ensemble Hausherr Uwe Deeken auf diese kleine Bühne bringt. Bemerkenswert Heidi Mansers silbrig-sanfter Sopran, der ihrer Elvira anrührend-melancholische Züge verleiht. Marius Adam verkörpert mit seinem runden, vollen Bassbariton ein Mannsbild von einem Mustafa und Thomas Florino verschafft mit einem samtweichen Bariton der Rolle des Haly ungewöhnliche Ausdrucksstärke. Tadellos auch Sklavin Zulma (Silvia Aurea Aurelia De Stefano), etwas blass nur Enrique Andrados‘ Lindoro, der insgesamt mit einem angenehm warmen Tenor auffiel. Nicht zu vergessen Titus Witt als Isabellas Begleiter Taddeo, der hier sein komödiantisches Talent voll ausspielen konnte.
Ja, und dann Isabella selbst: Hier mehr eine kühle Blonde aus dem hohen Norden, als eine glutäugige Italienerin. Mezzosopranistin Feline Knabe spielt das blonde Gift selbstbewusst bis in die Zehenspitzen. Ein Vollblutweib zum Niederknien, das die schwierigen Koloraturen wie auch die verliebte Männerschar mühelos im Griff hat. Es macht einfach Spaß, dieser Isabella zuzuschauen und zuzuhören.


„Die Italienerin in Algier“ läuft bis zum 2. März 2014 in der Hamburger Kammeroper im Allee Theater (Max-Brauer-Allee 76, in Hamburg)
Karten erhalten Sie telefonisch unter (040) 3829 59
Abb. Copyright Dr. Joachim Flügel: Elvira (Heidi Manser), Taddeo (Titus Witt), Isabella (Feline Knabe), Lindoro (Enrique Adrados), Mustafa (Marius Adam)

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Bücher & CDs – wissen was sich lohnt

OKRA – Piano & Field Recordings
Kultur Magazin



Die Okra, auch Gemüse-Eibisch, ist eine Gewächsart aus der Familie der Malvengewächse. Sie ist eine aus dem Hochland Ostafrikas stammende Pflanze, [ ... ]



Till Brönner: The Good Life
Kultur Magazin



Baba-bäää, baba-bo-bääääbää – die Trompete ist unverkennbar, der smoothe und doch intensive Sound auch. Till B [ ... ]



Neil Cowley Trio: Spacebound Apes
Kultur Magazin



„Dies ist ein Projekt, an dem ich lange gearbeitet habe. Es beinhaltet Themen wie Schuld, Angst, Verlust und Sehnsucht – mit ein paar überraschenden [ ... ]



Melt Trio: Stroy
Kultur Magazin



Die beiden Brüder Peter (Gitarre) und Bernhard Meyer (Bass) sowie Moritz Baumgärtner (Drums) bringen ihr drittes Album heraus: Stroy.
Die archaische V [ ... ]



Mehr auf KulturPort.De

Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
Kultur Magazin



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Ope [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
Kultur Magazin



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch
Kultur Magazin



„Manchmal fotografiert man die Welt, um sie und sich selbst besser verstehen zu können, eignet sich Dinge durch Abbilder an, um sie sich zu gegebener Zeit [ ... ]



Saisonstart mit philharmonischem Glück und symphonischem Tiefgang
Kultur Magazin



Die Hamburger Philharmoniker mit Kent Nagano punkten bei ihrer Saisoneröffnung mit Brahms’ Erster. Die Symphoniker Hamburg holen mit Thomas Adè [ ... ]



Jonas Burgert – Hälfte Schläfe
Kultur Magazin



Die Hamburger Produzentengalerie in der Admiralitätsstraße zeigt bis zum 30. Oktober 2016 Werke von Jonas Burgert. Seit der Ausstellung „Geschichtenerzä [ ... ]



„Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue
Kultur Magazin



Lucie Borleteau inszeniert die Odyssee ihrer Protagonistin ästhetisch virtuos als Chronik einer ungewöhnlichen Dreiecksbeziehung: sinnlich, melancholis [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Events