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Theater - Tanz

25 Jahre Schule für Schauspiel Hamburg

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Montag, den 15. Oktober 2012 um 09:08 Uhr
25 Jahre Schule für Schauspiel Hamburg 4.6 out of 5 based on 205 votes.
25 Jahre Schule für Schauspiel Hamburg

Der 22. Oktober 2012 ist ein ganz besonderer Tag für die Schule für Schauspiel Hamburg.
An diesem Tag wird gefeiert. Was mit einer kleinen Ballettschule und einer Tanztheatergruppe im Jahr 1982 namens „Winter auf Mallorca“ begann, entwickelte sich in rasantem Tempo zunächst zu einer Fortbildung für Schauspieler. Der Raum des Ballettstudios wurde zu klein und so zogen die beiden Gründerinnen, Michaela Uhlig und Olivia Rüdinger, in die Oelkersallee 33 zwischen Hamburg-Altona und Schanze und boten eine dreimonatige Fortbildung für Schauspieler im Alter zwischen 25 und 50 Jahren an. Das „Studio O33“ wurde fünf Jahre später zur „Schule für Schauspiel Hamburg“ und hat sich in den letzten 25 Jahren einen internationalen Ruf, mit Ablegern in Köln und Zürich erworben. Gefeiert wird übrigens in den Hamburger Kammerspielen.

Claus Friede traf die beiden Gründerinnen der Schule für Schauspiel Hamburg, die selbst Tänzerinnen waren und bis dato unterrichten, um mit Ihnen über die Entstehungsgeschichte der Schule, die Schauspielausbildung, die Berufsperspektiven und Besonderheiten zu sprechen.

altClaus Friede (CF): Welche Situation hat Sie dazu gebracht, zunächst eine Fortbildung und dann eine Schauspielschule zu gründen?

Michael Uhlig (MU): Anfang der 1980er-Jahre hat sich der Tanz, insbesondere durch die Vorarbeit des Tanztheaters von Pina Bausch, sehr verändert. Darstellung und Spiel waren neben tänzerischen Fähigkeiten gefragt. Olivia und ich kannten uns bereits aus der Tanzausbildung und arbeiteten in einer Tanztheatergruppe zusammen. Am Ende der Vorführungen kamen viele Kollegen und wollten auch das lernen, was wir damals auf der Bühne machten.
Wir haben uns dann entschlossen, eine Fort- und Weiterbildung anzubieten. Daran ist zu erkennen, dass unsere Schüler bereits eine Berufsausbildung hatten und in unterschiedlichen beruflichen Zusammenhängen arbeiteten.

Olivia Rüdinger (OR): Es war für uns eine sehr organische Entwicklung, weil wir aus unserer künstlerischen Arbeit und dem positiven Feedback heraus begonnen haben. Wir standen gleich auf fruchtbarem Boden, denn es gab diese Nachfrage. Im Laufe der Jahre haben wir dann die Ausbildung immer mehr differenzieren können, bis wir 1999 die stattliche Anerkennung erhielten.

CF: Sie haben in der Schule für Schauspiel, ich nenne es einmal, eine ganzheitliche Sicht auf Ausbildung, die Lehrenden bauen gegenseitig aufeinander auf. War das etwas was Anfang der 80er-Jahre aus den USA nach Europa kam und Sie dies übernahmen?

MU: Olivia ist Amerikanerin und hatte genau eine solche übergreifende Ausbildung bereits erfahren. Wir haben von Anfang an den Begriff des Ensembles sehr wichtig genommen. Fast ausnahmslos arbeiteten die Schauspielschulen mit Einzelunterricht, selbst heute kommt das bei uns in den ersten Ausbildungsjahren so gut wie gar nicht vor. Der Impuls zu diesem Verfahren kam von Olivia, denn sie kannte diesen Ansatz aus ihrer Heimat.

OR: Heute wird von den Schauspielern, Tänzern, Opernsängern auf den Bühnen oder vor der Kamera eine riesige Flexibilität abverlangt. Es hat sich sehr viel verändert und die Ausbildungsfelder sind viel differenzierter als früher. Wir können diese einzelnen Subbereiche gar nicht komplett abdecken. Was wir aber tun können, ist den Auszubildenden einen bestimmten ‚spirit“ mitgeben: Neugierde, Offenheit mit dem Willen, sich während und auch nach der Ausbildung bei uns weiterzuentwickeln. Wir fördern schon gezielt. Ist jemand besonders musikalisch fördern wir ihn auf dem Gebiet, wir stärken Stärken. Gleichzeitig fördern wir aber auch seine Flexibilität. Die meisten Bühnenschauspieler haben irgendwann etwas mit Film zu tun. Dessen Belange lernen sie ebenfalls bei uns. Wir verbinden die Fächer, fast alles ist übergreifend und ich empfinde diese Entwicklung als sehr spannend.

CF: Welche Kriterien gibt es für die Bewerber bei Ihnen aufgenommen zu werden?

OR: Das Hauptkriterium ist – sei es durch einen Vorbereitungskurs, ein Vorsemester, Orientierungskurs oder die Aufnahmeprüfung – dass wir gemeinsam miteinander durch die Ausbildung gehen können. Es bedarf einer kommunikativen Grundlage, ein gegenseitiges Verstehen, ein einander treffen können. Ich würde das als ‚magic moment’ bezeichnen. Darauf bauen wir auf. Aber selbstverständlich müssen die Bewerber auch eine Schulausbildung haben, die entsprechende Zugangsberechtigungen, etc.

CF: Was geben Sie den Studenten während der Ausbildung mit?

MU: Als wie anfingen, war der Theatermarkt noch etwas komplett anderes. Die Studenten machten hier ihre Prüfung, bewarben sich an den Theatern und haben vorgesprochen und dann eventuell ein Engagement erhalten.
Das ist heute anders und diese Veränderung muss sich in der Schule natürlich auch widerspiegeln.
Heute sind die ausgebildeten Schauspieler und Tänzer eigene, selbstständige Unternehmer. Neben ihrer künstlerischen Bildung bekommen sie auch betriebswirtschaftliches, marktstrategisches, organisatorisches sowie Marketing- und Verwaltungswissen mit auf den Weg. Wir nennen diese Kurse „Self Management“, „Networking“ und „Standbeine“. Wir holen uns externe Fachleute dazu, die aus der Praxis heraus kommen und berichten. Die Absolventen müssen ebenso wissen, wie ein Bühnenbetrieb funktioniert, welche Berufe es in der Filmbranche gibt und wie sie sich selbst managen können. Der Abgänger muss sich als Künstler – Selbstständiger und Angestellter behaupten können. Die Rückmeldungen der ehemaligen Studenten auf diese berufsorientierten Randbereiche, sind extrem positiv. Dennoch möchte ich betonen, dass dieser Zweig eher im letzten Drittel der Ausbildung zu finden ist, denn zunächst steht die künstlerische Ausbildung an erster Stelle. Ausnahmslos alle Dozenten und Lehrenden an dieser Schule sind selbst noch in ihren Berufen tätig und sorgen somit dafür, dass Veränderungen draußen sofort ihren Widerhall bei uns finden.

OR: Es gab eine New Yorker Theatermacherin die sagte: „Talent ist, zu erkennen, was zu tun ist...“

MU: Die Schule hat darüber hinaus weitere Standbeine, wie berufsbegleitende Schauspiel-Trainings, eine 3-monatige Fortbildung für Film- und Theaterschauspieler mit unterschiedlichen Schwerpunkten oder auch für Menschen die aus anderen Berufen stammen, aber an ihren Aussprache, Rhetorik und ihrem öffentlichen Auftreten arbeiten möchten. Wie schon erwähnt gibt es eben auch 6-wöchige Kurse für junge Leute, die noch unsicher sind, ob sie einen der künstlerisch-darstellerischen Berufe ergreifen möchten. Die können dann erst einmal ausprobieren, ob das überhaupt etwas für sie ist.

CF: Und was bekommen Sie von den Studenten?

MU: Inspiration und Motivation. Aber Sie haben mit Ihrer Frage einen bedeutsamen Punkt getroffen, denn die Bewegungsrichtung des Unterrichts ist nicht einseitig. Wir haben keine klassische Schule, sondern ein miteinander Erarbeiten.

OR: Es kommt immer auf Jahrgänge und Klassen an. Im einen Jahr muss ich meine Raumübung mit den Studenten über Wochen ziehen, im nächsten Jahr denke ich schon nach kurzer Zeit: „Die können ja schon alles“. Die Studenten geben uns die Kraft das zu tun, was wir machen.

CF: Lassen Sie uns bitte noch über das 25-jährige Jubiläum sprechen. Was planen Sie am 22. Oktober 2012?

MU: Wir werden zu Gast in den Hamburger Kammerspielen sein und Auszüge aus unserer Ausbildung und aus Stücken zeigen: Schauspiel, Film, Gesang und Monologe. Wir haben Menschen eingeladen, die bei uns ausgebildet wurden oder lehren: Marie Bäumer kommt aus München und wird sprechen und Regisseur Michael Bogdanov ebenfalls, dem wir sehr verbunden sind, künstlerisch und menschlich. Und Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kissler kommt...

CF: Was wünschten Sie sich für die Zukunft?

MU: Wir haben das Leitungsteam der Schule mit Jan Oberndorff verstärkt, was gleichzeitig ein Generationswechsel bedeutet und außerdem die Schule selbst weiter in den Mittelpunkt rückt und uns beiden Gründerinnen das Gefühl vermittelt, es geht mit neuen Ideen weiter. Das sorgt für eine weitere Belebung, auch wenn wir weiterhin für die Geschicke verantwortlich sind, wissen wir, das Metamorphose Bestandteil des Lebens ist.

OR: Es ist schon seit einigen Jahren unser gemeinsames Ziel, uns rechtzeitig um die Zukunft zu kümmern, wenn wir eines Tages nicht mehr in der Leitung tätig sein werden. Das gehört auch zu unserer Verantwortung! Denn die Schule klebt nicht an den leitenden Personen, sondern an den Dozenten und Studenten.


Weitere Informationen zur Schule für Schauspiel Hamburg.

Olivia Rüdinger stammt aus den USA. An der University Minnesota studierte sie „Speach and Dramatic“, von Rhetorik, über Bühnenregie bis Kindertheater. An der Lola-Rogge-Schule traf sie während der weiteren Ausbildung auf Michael Uhlig, mit der sie gemeinsam zunächst das „Studio O33“ gründete, die dann zur Schule für Schauspiel Hamburg wurde.

Michael Uhlig kommt aus Heidelberg, zog 1977 nach Hamburg und machte Ihre Ausbildung als Tanzpädagogin an der Lola-Rogge-Schule. Sie ist Mitbegründerin und Leiterin der Schule für Schauspiel Hamburg.


Fotonachweis: Alle Abb. © Schule für Schauspiel Hamburg
Header: 25 Jahre Schule für Schauspiel Hamburg (Fotocollage)
Galerie:
01. Michaela Uhlig (l) und Olivia Rüdinger (r)
02. Sprechübungen mit Thomas Niese, 2012
03. Ausbildung bei Wladimir Tarasjanz, 2012
04. Schauspieltraining für Erwachsene, 2012
05. Backstage – Vorbereitungen für den Auftritt, 2012
06. Filmklasse, 2009
07. Märchenaufführung, 2012. Foto: Bo Catbla Photography
08. Bühnensituation im Studio zu „Arsen und Spitzenhäubchen“, 2012. Foto: Christoph Mannhardt
09. und 10. Diener zweier Herren. Foto: Christoph Mannhardt
11. Wolkenkuckucksheim. Foto: Andreas Schlieter 

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