Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 704 Gäste online

Neue Kommentare

Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...
adarompf@gmx.de zu „Mahana – Eine Maori-Saga”. Zwischen Tradition und Tyrannei : In allen Facetten genaue Beschreibung des Films, ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Theater - Tanz

Portalspiele: Zehn Türen. Zehn Stücke. Zwanzig Aufführungen.

Drucken
(66 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Isabelle Hofmann  -  Dienstag, den 06. September 2011 um 08:42 Uhr
Portalspiele: Zehn Türen. Zehn Stücke. Zwanzig Aufführungen. 4.5 out of 5 based on 66 votes.
Portalspiele: Zehn Türen. Zehn Stücke. Zwanzig Aufführungen - Michael Batz

„In die Kirche ging ich morgens, um Komödien zu schauen, abends ins Theater, um mich an der Predigt zu erbauen“, schrieb Heinrich Heine.
Bei Michael Batz kann man jetzt auch abends Komödien in der Kirche sehen. Der Hamburger Autor, Regisseur und Lichtkünstler hat den zehn Türen von St. Michaelis „Portalspiele“ auf den hölzernen Leib geschrieben. Open Air werden sie beim „Theaterfest am Michel“ erstmals en suite aufgeführt: Zehn Türen. Zehn Stücke. Zwanzig Aufführungen.

Alle, die den Hamburger Michel schon einmal besucht haben, kennen seinen 132 Meter hohen Turm mit der größten Turmuhr Deutschlands, den 52 Meter langen Kirchenraum und die Steinmeyer-Orgel mit ihren 6.665 Pfeifen. Aber wer, bitteschön, ist jemals auf die Idee gekommen die Türen zu zählen und festzustellen, dass es zehn an der Zahl sind? Zehn – wie die zehn Gebote, die zehn Finger oder die Top Ten hanseatischer Touristenattraktionen, zu denen die größte und wohl auch schönste Barock-Kirche Norddeutschlands mit Sicherheit gehört. „Selbst der Kölner- und der Salzburger Dom haben weniger Türen“, erzählt Michael Batz. Das sei etwas ganz Besonderes am Michel, vielleicht sogar einzigartig in Deutschland. In jedem Fall erstaunt die demokratische Gesinnung, die dahinter steht und mag unbewusst zu der einzigartigen Verbundenheit des „einfachen Volkes“ zu „ihrer Kirche“ beigetragen haben: Früher, so Batz, seien die Arbeiter auf dem Weg in den Hafen schnurstracks durch die Kirche gegangen – es war einfach der kürzeste Weg.

Der Hamburger Theatermann „entdeckte“ die Türen vor acht Jahren, als der Michel grundlegend renoviert wurde und er mit dem neuen Lichtkonzept beauftragt war. Ihn faszinierten die Vielzahl und Vielfalt der zehn Türen als „Schnittstellen zwischen Stadt und Stille“, die unterschiedlichen Blickachsen in Richtung St. Pauli, auf das Portugiesen-Viertel, auf die Agenturen am Baumwall, auf den Hafen, auf die Neustadt oder in Richtung Handwerkskammer das Gänge-Viertel. Von diesen Blicken hat sich Batz inspirieren lassen. Anstatt in die Archive der Stadt einzutauchen, wie bei seinen Dokumentarstücken, ist er hier „in das Archiv meines Herzens“ gestiegen, und hat die dort gefundenen Bilder, Stimmungen und Phantasien zu „Geschichten des kurzen Augenblicks“ verarbeitet. Im „Arme Leute Essen“ beispielsweise erinnern sich ein Mann und eine Frau an den ständigen Hunger in ihrer Jugend – und wie sie ihn mit Fantasie überlisteten. Im „Brezelmädchen“ treffen sich drei herzkranke Manager an der Kirchenpforte, weil die Schulmedizin nicht mehr helfen kann. Und in „Ein paar Jahrhunderte“ hat sich ein Paar vor Urzeiten geschworen, sich immer zu lieben - und nie das Hauptportal zu benutzen. Auch Türen, so Batz, haben einen starken Symbolgehalt. „ Eine Tür bedeutet immer auch eine Schwelle. Eine Entscheidungssituation, verbunden mit der Frage: Wo komme ich her, wo will ich hin“. Das ist auch der rote Faden der zehn Einakter, die der Theatermann zuerst als szenische Lesungen konzipiert hatte und die nun so unterschiedliche Regisseure wie Sabine Falkenberg, Torsten Hammann, Erik Schäffler und Michael Bideller in Szene setzten. „Ortsmeditationen“ nennt Michael Batz seine Reisen durch Zeit und Raum. Als Hamburgensien will er sie jedoch nicht verstanden wissen. „Es sind frei erfundene Gegenwartsstücke, die sich durchaus auch in andere Städte und andere Kirchen exportieren lassen“. Vielleicht ja auch nach Kiel.

Michael Batz „Portalspiele“, 08. bis 25.09.2011, Open Air vor den Türen des Michel, Englische Planke, Hamburg.
Karten: 10 Euro je Stück, 18 Euro für zwei Stücke.
Alle Informationen unter www.portalspiele.de
Fotonachweis: Michael Batz - Hamburg Art Ensemble

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

„Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge
 „Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge



In seinem elegischen Nachkriegs-Epos inszeniert Regisseur François Ozon die schmerzhafte Verstrickung von Trauer, Träumen, Schuld und Liebe als deuts [ ... ]



Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer
 Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer



In der CD-Reihe „Neue Meister“ präsentieren Arash Safaian, Sebastian Knauer und Pascal Schumacher die Musik nach Motiven von Bach so, wie der Meiste [ ... ]



Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst
 Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst



Die Autorin dieses Beitrags ist begeisterte Reeperbahn Festival-Besucherin, schaut sich aber neben dem umfassenden Konzertangebot besonders gerne im „Arts& [ ... ]



Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Opernhit „ [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch
 Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch



„Manchmal fotografiert man die Welt, um sie und sich selbst besser verstehen zu können, eignet sich Dinge durch Abbilder an, um sie sich zu gegebener Zeit [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.