Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 734 Gäste online

Neue Kommentare

Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Theater - Tanz

Was haben der Auftakt des Internationalen Sommerfestivals Kampnagel und der diesjährige Sommer gemeinsam?

Drucken
(96 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Samstag, den 13. August 2016 um 09:14 Uhr
Was haben der Auftakt des Internationalen Sommerfestivals Kampnagel und der diesjährige Sommer gemeinsam? 4.4 out of 5 based on 96 votes.
Oliver Dubois - Auguri

Das Kampnagel Sommerfestival startete in diesem Jahr mit Oliver Dubois‘ „Auguri“ – einem philosophischen Stück über den trostlosen Zustand unserer Gesellschaft: Ein Höllenlärm, alles dunkel, die Menschen rasen aneinander vorbei und manchmal krachen sie aufeinander.

In der Ankündigung liest sich „Auguri“ allerdings etwas anders. Olivier Dubois, der französische Star-Choreograf und Tänzer, bezieht sich in seinem Stück, das auf Kampnagel seine Uraufführung erlebte, auf die römischen Auguren: „Beamte, deren Aufgabe darin bestand, den Götterwillen und die Zukunft aus dem Flug von Vögeln abzulesen. Analog zu dieser Praxis der Ornithomantie, die in vielen unterschiedlichen Kulturen Anwendung fand, macht Dubois hier die Bühne zu einem Orakel der Menschheit.“ So jedenfalls steht es im Programmheft.

Mal abgesehen davon, dass die historischen Auguren Männer von Priester-ähnlichem Status waren, die in stiller Beobachtung und tiefer Kontemplation versunken den Flug und das Verhalten der Vögel (wie auch anderer Tiere) zu deuten versuchten – Dubois in seinem Stück eher die Vögel, als die Auguren auf die Bühne bringt – ist „Auguri“ wohl das minimalistischste Werk des Franzosen. Zuerst hört man nur ein verstörend lautes Klanggewitter – gleich einem Flugzeug, das sich bedrohlich nähert und gleich in die Halle zu krachen scheint. Ganz langsam verwandelt sich der Sound in ein immer stärkeres Pulsieren, das den Zuschauer auch körperlich angreift.

Die Bühne ist leer und dunkel, den Hintergrund unterteilen drei verspiegelte Kästen/Wände, hinter denen eine Person schemenhaft langsam entlanggeht, nur kurz wahrgenommen wird in der Dunkelheit. Das ganze wiederholt sich noch zwei, drei Mal, bis auf einmal vereinzelt Tänzer hervorschießen, geradezu über die Bühne fliegen, von links und rechts, hin und zurück, später auch aus der Mitte. Im Laufe der Stunde werden es immer mehr, zum Schluss rasen 22 Frauen und Männer über die Bühne, zu einem pulsierenden Sound, der durchaus mitreißt und fast in einen tranceartigen Zustand übergeht. Schließlich kollidieren sie auch, bilden Paare und taumeln gemeinsam durch den Raum. Diese Momente sind wirklich wunderschön und das „Ballet du Nord“, mit dem Dubois vor drei Jahren beim Sommerfestival auf Kampnagel mit „Tragédie“ gastierte, einfach großartig. Ihr Umher- und Umeinander-herum-Gehetze ist hochenergetisch, über weite Strecken berührend und beklemmend zugleich. Doch Vogelflug? Nein, diese Assoziation stellt sich wohl als letztes ein. Hier ist nichts Heiteres, nichts Helles. Keine Sonne, kein blauer Himmel, nur Düsternis und Verdammnis. Zum Schluss werden die Kästen transparent und geben die Sicht frei auf ein quirliges Körpergemenge. Das hat etwas von Maden in einem Reagenzglas, auch, wie die Tänzer schließlich über die Kästen kriechen und rollen, völlig erschöpft und schweißgebadet. Die Compagnie hat alles gegeben, doch weder die Intention von Olivier Dubois noch die hervorragende Leistung des Ensembles können darüber hinwegtäuschen, dass eine Stunde „Über-die-Bühne-Rasen“ ein höchst schwacher Auftakt für ein Sommerfestival ist. Ebenso schwach, wie dieser Sommer.

PS. Über „The Greatest Show on Earth“ am nächsten Abend lohnt es sich übrigens nicht, Worte zu verschwenden. Man war ja darauf gefasst, dass der Titel ironisch gemeint ist, doch was hier geboten wurde, war – mit Ausnahme der Meg-Stuart-Choreografie „Inflamavel“ – einfach nur ärgerlich. Am Anfang kam ein überlebensgroßer Scheißhaufen auf die Bühne und Jeremy Wade, der drin saß, forderte die Zuschauer auf „Alles Scheiße“ zu skandieren. Damit ist alles gesagt. Zeitverschwendung!

Internationales Sommerfestival Kampnagel
10. bis 28. August 2016
Jarrestraße 20, 22303 Hamburg
Weitere Informationen
Tickets online oder telefonisch: +49 40 270 949-49 (Mo-Sa 10:00 - 19:00) unter (040) 2709 4949


Abbildungsnachweis:
Header: Olivier Dubois „Auguri“. Foto: Francois Stemmer

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Theater & Tanz > Was haben der Auftakt des Internationalen Som...

Mehr auf KulturPort.De

Philippe Quesne: Die Nacht der Maulwürfe – magische Farborigien
 Philippe Quesne: Die Nacht der Maulwürfe – magische Farborigien



Es gibt sie noch, die wundersamen Glücksmomente im Theater, die gestandene Kritiker (und Kritikerinnen) mit großen Augen dasitzen und staunen lassen wie Kinder [ ... ]



Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“
 Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“



Was für ein ungewöhnliches Stück! Eines? Nein: Was für drei ungewöhnliche Stücke – so intelligent, humorvoll und hintersinnig!
Mariano Pensottis „Lod [ ... ]



Vienna Vocal Consort: Nostre Dame
 Vienna Vocal Consort: Nostre Dame



Das Vienna Vocal Consort zählt seit Gründung im Jahr 2007 zu Österreichs renommiertesten Vokalensembles für Alte Musik. Deren neues Album „Nostre Dame“  [ ... ]



„Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit
 „Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit



Wie viel Tragik verkraftet ein Film in Zeiten von „Wonder Woman” oder „Atomic Blonde”? Tough ist angesagt, und viele Kritiker reagierten eher störrisch  [ ... ]



Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend
 Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend



Der Schlafrock war schwarz und nicht rot, wie am Vorabend in der Elbphilharmonie. Entsprechend seriös, ganz leise und melodisch der Einstieg.
Chilly Gonzales l [ ... ]



Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel
 Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel



Dass „die Tonkunst eine rührend-kurze Freude (ist), die aus dem Nichts entsteht und ins Nichts vergeht... eine kleine fröhliche Insel... die auf dem dunklen, [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.