Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 787 Gäste online

Neue Kommentare

C.Müller zu Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle: Erhalt des Kultursommers auf der Trabrennbahn Bah...
Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Theater - Tanz

Available Light – damals revolutionär, heute ein Museumsstück

Drucken
(102 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Samstag, den 08. August 2015 um 10:14 Uhr
Available Light – damals revolutionär, heute ein Museumsstück 4.5 out of 5 based on 102 votes.
Available Light

In der Fotografie bedeutet Available Light, dass mit dem vorhandenen Licht gearbeitet wird – egal, wie wenig davon vorhanden ist. Auf Kampnagel eröffnete nun „Available Light“ von Lucinda Childs das diesjährige Sommerfestival – ein Minimalballett von 1983, bei dem die überarbeitete Lichtführung zumindest etwas Abwechslung in die radikale Monotonie von Bewegungsvokabular und elektronischem Klangteppich brachte.

Man kann sich heute kaum noch vorstellen, welchen Aufruhr das Stück, eine Auftragsarbeit zur Eröffnung des Museums of Contemporary Art in Los Angeles, bei seiner Uraufführung 1983 auslöste. Ein Ballett ohne jede Handlung, einzig bestehend aus sich immer wiederholenden, subtil variierenden Bewegungsmustern – puristisch-abstrakt bis an die Schmerzgrenze. Dazu ein skulptural strenger, fast ausschließlich durch Tageslicht beleuchteter Bühnenraum auf zwei Ebenen und eine einlullend melodisch-elektronische Klangkulisse. Drei Künstler aus ganz unterschiedlichen Sparten trafen für diese Auftragsarbeit zum ersten und einzigen Mal aufeinander: Lucinda Childs, Protagonistin des Postmodernen Tanzes, Frank O. Gehry, Vertreter einer neuen Formensprache in der Architektur und der Minimal-Musik-Pionier John Adams.

Dass ihr gemeinsames Stück auch nach 32 Jahren so unerhört ausgewogen erscheint, als komplette Einheit aus Raum, Klang und geometrisch-strengem Bewegungsmaterial, mag ein Hinweis darauf sein, dass sie sich an kreativer Kraft und Persönlichkeit in nichts nachstanden. Mit „Available Light“ schufen sie gemeinsam ein Stück Tanzgeschichte, das damals zweifellos revolutionär war.
Das „Revival“ jedoch wirkt aus heutiger Sicht seltsam brav und konventionell. Ein Museumstück, dessen mathematisch-abstrakte Struktur und Intention man schnell begreift, das den Zuschauer bestenfalls in eine meditative Trance versetzt – oder ihn einfach nur ermüdet.
Vor gut sechs Jahren fing Lucinda Childs an, ihre frühen Stücke zu rekonstruieren: „Einstein on the Beach“, die berühmte Oper von Robert Wilson und Philip Glass von 1976, für deren choreographischen Part sie verantwortlich zeichnet. Das legendäre Stück „Dance“, gemeinsam entwickelt mit Philip Glass und Konzeptkünstler Sol LeWitt 1979 – und nun „Available Light, das auf Kampnagel seine Europapremiere feierte.
Zehn Tänzer, vier in roten, vier in schwarzen und zwei in weißen Trikots, später kommt ein elfter in Weiß hinzu, absolvieren hier auf zwei Ebenen ihre Exercises – Schrittfolgen, Drehungen, kleine Sprünge, diagonal, kreuz und quer. Alles dem klassischen Ballett-Vokabular entlehnt, alles super exakt ausgeführt, alles „einfach bis zur Alltäglichkeit“, wie Lucinda Childs selbst sagt. Ihr komme es nicht auf das Bewegungsmaterial an, vielmehr auf die Art und Weise, wie es variiert wird, betont die mittlerweile 75-jährige Grande Dame des Postmodernen Tanzes jüngst in einem Interview mit FAZ. Gut möglich, dass sich aus diesen Rhythmen, Repetitionen und Kombinationen ein vor Energie vibrierendes Pattern-Ballett ergeben kann, wahrscheinlich sogar soll. An diesem Abend jedoch sprang der Funke einfach nicht über. Childs sportliche Tänzer wirkten eher wie mechanisch aufgezogene Puppen, die mehr Kopfarbeit als Körpereinsatz leisteten. Gehrys Raum allerdings begeistert auch nach 32 Jahren in seinem wunderschönen Purismus, den zwei Ebenen und den fünf Stahlgerüsten im Hintergrund, die im Laufe der 60-minütigen Vorstellung in ständig wechselndem Licht erschienen.

John Adams / Lucinda Childs / Frank Gehry: Available Light
am Sa, 8.8. um 19:30 Uhr (K6)

Internationales Sommerfestival 2015
05. bis 23. August 2015
Tickets: +49 40 270 949-49 (Montag bis Samstag 13:00-19:00)
Kampnagel Hamburg, Jarrestraße 20 in 22303 Hamburg.
Programm

YouTube-Video: John Adams / Lucinda Childs / Frank Gehry: Available Light
und Lucinda Childs on the Remount of Available Light at MASS MoCA


Abbildungsnachweis:
Header: SOMMERFESTIVAL: John Adams/ Lucinda Childs/ Frank Gehry: Available Light. Foto: Craig T. Mathew (2015)

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Theater & Tanz > Available Light – damals revolutionär, heu...

Mehr auf KulturPort.De

200 Jahre Kunstverein in Hamburg
 200 Jahre Kunstverein in Hamburg



„Just what is it that makes today’s Kunstverein so different? So appealing?” Nach Charity Auktion (14.9.) und Festakt im Rathaus (22.9.) klingen mit einer  [ ... ]



Fassadendemokratie und tiefer Staat. Das marktgetreue Grinsen
 Fassadendemokratie und tiefer Staat. Das marktgetreue Grinsen



Was denn? Das Volk sei unfähig, Politisches zu durchschauen oder gar mitzuregieren? Liest man dies im Buch „Fassadendemokratie“, dann ist man bass erstaunt, [ ... ]



„Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik
 „Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik



Er inspirierte Künstler wie Andy Warhol, Robert Mapplethorpe und die Village People, seine markanten erotischen Zeichnungen veränderten radikal das Selbstverst [ ... ]



Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem
 Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem



Gerade war sie noch beim Schleswig-Holstein-Musikfestival zu hören und debütierte – nun kommt zeitnah dazu ihr Debütalbum auf dem Markt. Gemeinsam mit Piani [ ... ]



Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel
 Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel



Es ist dunkel in der Hamburger Gralsburg, als Achim Freyer mit seiner „Parsifal“-Interpretation den Start in die neue Saison der Staatsoper zelebriert. Der 8 [ ... ]



Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage
 Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage



Wie kann ein Künstler heute ungebunden und frei arbeiten? Ungebunden ist durchaus möglich – frei arbeiten stößt aus unterschiedlichen Gründen an Grenzen.  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.