Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 808 Gäste online

Neue Kommentare

Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Theater - Tanz

Dürrenmatt: „Die Physiker“ am Deutschen Schauspielhaus

Drucken
(145 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 30. April 2015 um 10:07 Uhr
Dürrenmatt: „Die Physiker“ am Deutschen Schauspielhaus 4.5 out of 5 based on 145 votes.
Dürrenmatt: „Die Physiker“ am Deutschen Schauspielhaus. Foto :Sandra Then

Nach 53 Jahren wieder am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg: „Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt“. Doch leider nur als harmlose Komödie.
Die Uraufführung fand am 20. Februar 1962 in Zürich statt. Der 'Run' auf die Karten war so groß, dass an drei Abenden hintereinander gespielt wurde, wobei der Inhalt des Stücks bis zur Premiere geheim gehalten wurde.

Und dann folgte überschwängliche Kritik für „das neue großartige Werk, kühn in der geistigen Konzeption"(Tages-Anzeiger-Zürich).
Dürrenmatt hatte offenbar mit seinem Drama die Ängste der Zeit erfasst, die unsichere weltpolitische Lage, die Bedrohung durch einen möglichen Atomkrieg. Das Ganze aufgezogen an drei irren Physikern, als groteske Detektivkomödie im Irrenhaus.

Wobei die Irrenärztin die einzige Irre ist. „Die Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmst-mögliche Wendung genommen hat“, schrieb Dürrenmatt über „die Physiker“. Und: „Der Mensch sieht sich immer gewaltiger von Dingen umstellt, die er zwar handhabt, aber nicht mehr begreift".
Das Stück hat also damals nicht nur unterhalten, sondern auch nachdenklich gemacht. Die Irrenärztin spielte Therese Giese und in Hamburg Elisabeth Flickenschild. 1962/63 sah man es an 50 deutschsprachigen Bühnen und danach in der ganzen Welt. Fernsehen und Film folgte. Die Physiker standen auf jedem Deutschlehrplan.

Und nun wieder in Hamburg, von einem jungen Regie-Team. Regisseur Sebastian Kreyer und Dramaturgin Michaela Predeick sind mit Karin Beier nach Hamburg gekommen. Es ist ihre erste Große Arbeit im Großen Haus. Das Stück soll sich thematisch einpassen in den Spielplan, zum Motto „Mensch, Natur und Umwelt“.

Offen und unbefangen gehen sie die Sache an. Verzichten bewusst auf einen aktuellen Bezug. Im Gespräch wird zwar deutlich, wie komplex sie das Stück sehen, wie viele Ideen sie gehabt oder wieder verworfen haben. Was aber dann davon auf der Bühne rüberkommt, ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Sie enthalten sich jeder Stellungnahme, pendeln unentschlossen zwischen Komödie und Tragödie, finden keinen inneren Zusammenhang. Zusammengestrichen auf eineinhalb Stunden, ohne Pause, schnell, Slapstick-artig angerissene Szenen. Unterhaltend, ja, aber mehr auch nicht. Zu unausgegoren, zu oberflächlich und vor allem bar jegliches politischen Ansatzes, wird aus Dürrenmatts großem Drama ein kleiner Abend.

Schade, denn handwerklich ist das alles sehr gut. Auf leerer, offener Bühne dreht sich ein weißes Puppenstubenhaus. Unten der Salon, eine Treppe nach oben zu den Zimmern der Physiker. Alles ist offen, keine Geheimnisse, jeder kann jeden belauschen. Je nach Stimmung wird es – Bob Wilson lässt grüßen – in warmes oder kaltes Licht getaucht. Es entstehen immer wieder ästhetische Bilder und mit Gesang geht alles besser, so auch diese Physiker.

Doch irgendwann fragt man sich was das alles soll. Die Schauspieler sind toll, ja, auch der Zigarre rauchende, mit Hut und Burberry bekleidete Inspektor kann es mit jedem Tatortkommissar aufnehmen. Und auch die Puppe, die als tote Krankenschwester am Seil hängt wirkt ziemlich echt.
Die drei Physiker, mehr zerzauste Hanseln in Trainingsanzügen, also äußerlich eher Hausmeister als Intellektuelle. Zugegeben, es ist schon komisch, wenn sich Einstein und Newton, als britischer bzw. DDR-Geheimagent, mit immer größer werdenden Spielzeugpistolen bedrohen, die sie in irgendwelchen Lichtschachten versteckt haben.
Beide wollen ja Möbius entführen, um an die Weltformel zu kommen. Das machen die ganz wunderbar, aber mehr als tolle Nummer. Die Mittel erschöpfen sich, streifen nur die Oberfläche und nicht den Inhalt der Handlung.
Fräulein Doktor Mathilde von Zahn, Anja Lais, muss die großen Vorbilder nicht scheuen. Sie spielt die Irrenärztin und einzig wirkliche Irre. Ist eher Femme fatale, mit lasziven Bewegungen, irrlichternd, mit geheimnisvoller Aura. Wobei sie aber auch früh auf diese Rolle festgelegt ist und so, wie auch leider alle anderen Figuren, keine Entwicklung durchmachen kann.

Freundlicher Beifall. Viele unbeantwortete Fragen. Eine merkwürdige Leere und Enttäuschung macht sich breit. Am Stück liegt es sicher nicht, das ist, anders gedeutet, immer noch aktuell. Doch Regisseur Kreyer und sein Team machen in keiner Weise deutlich, warum sie „die Physiker“ nun wieder auf die Bühne bringen. Soll man sich „die Physiker“ ansehen? Ja, als kurzweiliges Stück schon. Die Frage nach dem tieferen Sinn bleibt allerdings unbeantwortet.

„Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt
Regie: Sebastian Kreyer
Bühne: Thomas Dreissigacker
Kostüme: Maria Roers
Licht: Annette ter Meulen

Besetzung:
Anja Laïs - Fräulein Dr. Mathilde von Zahnd
Ute Hannig - Oberschwester Marta Boll
Karoline Bär - Schwester Monika Stettler
Paul Herwig - Herbert Georg Beutler, genannt Newton
Yorck Dippe - Ernst Heinrich Ernesti, genannt Einstein
Markus John - Johann Wilhelm Möbius
Sachiko Hara - Frau Missionar Lina Rose
Maik Solbach - Richard Voß, Kriminalinspektor
Daniel Holtz, Thorben Söhn - Anstaltspersonal
Weitere Informationen


Abbildungsnachweis: „Die Physiker“ Alle Fotos: © Sandra Then
Header: Paul Herwig, Markus John, Ute Hannig, Anja Laïs, Sachiko Hara, Yorck Dippe, Maik Solbach
Galerie:
01. Yorck Dippe, Ute Hannig
02. Maik Solbach, Anja Laïs
03. Yorck Dippe, Sachiko Hara
04. Yorck Dippe, Karoline Bär, Markus John
05. Markus John
06. Karoline Bär, Markus John, Anja Laïs
07. Paul Herwig, Yorck Dippe
08. Yorck Dippe

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Theater & Tanz > Dürrenmatt: „Die Physiker“ am Deutschen ...

Mehr auf KulturPort.De

Philippe Quesne: Die Nacht der Maulwürfe – magische Farborigien
 Philippe Quesne: Die Nacht der Maulwürfe – magische Farborigien



Es gibt sie noch, die wundersamen Glücksmomente im Theater, die gestandene Kritiker (und Kritikerinnen) mit großen Augen dasitzen und staunen lassen wie Kinder [ ... ]



Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“
 Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“



Was für ein ungewöhnliches Stück! Eines? Nein: Was für drei ungewöhnliche Stücke – so intelligent, humorvoll und hintersinnig!
Mariano Pensottis „Lod [ ... ]



Vienna Vocal Consort: Nostre Dame
 Vienna Vocal Consort: Nostre Dame



Das Vienna Vocal Consort zählt seit Gründung im Jahr 2007 zu Österreichs renommiertesten Vokalensembles für Alte Musik. Deren neues Album „Nostre Dame“  [ ... ]



„Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit
 „Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit



Wie viel Tragik verkraftet ein Film in Zeiten von „Wonder Woman” oder „Atomic Blonde”? Tough ist angesagt, und viele Kritiker reagierten eher störrisch  [ ... ]



Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend
 Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend



Der Schlafrock war schwarz und nicht rot, wie am Vorabend in der Elbphilharmonie. Entsprechend seriös, ganz leise und melodisch der Einstieg.
Chilly Gonzales l [ ... ]



Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel
 Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel



Dass „die Tonkunst eine rührend-kurze Freude (ist), die aus dem Nichts entsteht und ins Nichts vergeht... eine kleine fröhliche Insel... die auf dem dunklen, [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.