Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 1619 Gäste online

Neue Kommentare

Herby Neubacher zu Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden: Die Geschmacklosigkeit schreckt wirklich heute vo...
Sabine Carbon zu „Karl Marx, Das Kapital“. Eine Hommage im Museum der Arbeit: Bei zu viel Text hilft vielleicht unser Kinderbuc...
Sabine Albrecht zu Neues Angebot der Kunstmeile Hamburg: Der 3-Tage-Kunstmeilenpass: Guten Tag,
ich suche nach einer Erklärun...

B.F.Schwarze zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo, Frau Lampert,
leider gibt es nicht ...

Angela zu „The Square”. Oder das Zeitalter des Misstrauens: Oh, dann Danke für den Lang-Spoiler - da muss ja...

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Theater - Tanz

Internationales Sommerfestival auf Kampnagel: erst mittelmäßig dann stark

Drucken
(155 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 22. August 2014 um 08:55 Uhr
Internationales Sommerfestival auf Kampnagel: erst mittelmäßig dann stark 4.4 out of 5 based on 155 votes.
Internationales Sommerfestival auf Kampnagel

Nach einem denkbar enttäuschenden Start mit Chilly Gonzales‘ naiv-läppischem Schattenspiel „Shadow“ und einer Reihe weiterer mittelmäßiger Aufführungen gab es nun mit Mariano Pensottis „Cineastas“ aus Argentinien den ersten Höhepunkt des Internationalen Sommerfestivals auf Kampnagel.

Eine Guckkastenbühne mit zwei Ebenen. Eine Art geteilter Bildschirm, oben ein Zimmer, unten ein Zimmer. Oben weitestgehend Leere, unten ein voll ausgestattetes Büro und Wohnzimmer. In diesen beiden Stockwerken entspinnt der argentinische Regisseur Mariano Pensotti die Lebensgeschichten von vier Filmemachern in Buenos Aires, zwei Männern und zwei Frauen. Alle vier stecken in Projekten und alle vier haben mit enormen Problemen zu kämpfen: Gabriel erfährt, dass er todkrank ist und entwickelt seinen Film nach und nach zu einem persönlichen Vermächtnis für seine kleine Tochter.

Lucas, der Wochenendfilmer mit wenig Geld und viel Phantasie, steckt in dem Dilemma: Er dreht einen Anti-McDonald’s-Film über ein Entführungsopfer, der gezwungen wird als McDonald-Clown aufzutreten. Gleichzeitig arbeitet er bei dem verhassten Konzern und steigt dort immer weiter auf.

Nadja, der Shootingstar mit Schreibblockade, arbeitet sich an einem französischen Drehbuch ab, in dem ein verschwundener Vater nach 30 Jahren wieder auftaucht, und setzt sich dabei immer mehr mit dem mysteriösen Tod ihres eigenen Vaters während der Militärdiktatur in Argentinien auseinander.

Und Mariella schließlich bastelt an einer Doku über sowjetische Musikfilme der 1980er Jahre, verliebt sich dabei in einen Russen und verlässt – mittlerweile schwanger - ihren reichen Mann, um in Moskau ihren Geliebten und ihren eigenen russischen Wurzeln nachzuspüren. Sie endet in einem kleinen Dorf, glaubt, endlich angekommen und ihren Sehnsuchtsort gefunden zu haben – bis sie feststellt, dass es sich um ein Film-Set handelt und die braven Bauern Statisten sind.

Kunst oder Leben, das ist hier keine Frage. Sie bedingen sich, sind unauflösbar ineinander verwoben, daran lässt Mariano Pensotti in seiner rasanten Szenenfolge keine Zweifel. In atemberaubendem Tempo verschneidet der argentinische Autor und Theaterregisseur die beiden Handlungsebenen- die Biographien der Person mit den nachgespielten Filmstoffen. Eine Passage jagt die nächste, in der Hoffnung, wie er selbst sagt, dass sich aus der Gegenüberstellung zweier Ideen eine dritte ergibt. Vorbild ist ihm das Montageprinzip von Sergej Eisenstein, das wiederum von japanischen Ideogrammen inspiriert ist, bei denen ebenfalls zwei übereinandergelegte Bilder ein drittes ergeben.

Dass der Zuschauer bei diesem Durcheinander nicht den Faden verliert, ist einmal den beiden Ebenen zu verdanken, deren Prinzip man rasch durchschaut: Während im Erdgeschoss das „reale“ Leben der vier Filmemacher fortschreitet, laufen im ersten Stock die „fiktiven Filmprojekte“ der Protagonisten ab. Ein ebenso einfacher wie faszinierender Kunstgriff, der mit den neuen parallelen Sehgewohnheiten spielt und von den hervorragenden fünf Darstellern, Vanessa Maja, Juliana Muras, Javier Lorenzo, Marcelo Subiotto und Horacio Acosta beachtliche sportliche Leistungen (Treppauf-Treppab) und ein ständiges Umschalten in die unterschiedlichen Rollen verlangt.

Aber vor allem der "Erzähler" sorgt dafür, dass das Publikum im richtigen Film ist: Abwechselnd greifen die Schauspieler dabei zum Mikro und schildern kurz und knapp (auf Spanisch, mit deutschen Untertiteln) die jeweiligen Handlungsverläufe.

Mariano Pensotti hat dieses Stück nach Interviews mit argentinischen Filmemachern geschrieben. Es ist seine Hommage an Buenos Aires, eine Stadt, die, wie er sagt, zunehmend als Drehort für internationale Filme genutzt wird.

Im Kern jedoch verhandelt „Cineastas“ die Frage nach dem Kunstwerk selbst. „Sind Kunstwerke Zeitkapseln, die unser kurzes Leben für die Nachwelt bewahren?“, fragt Pensotti. „Oder sind es im Gegenteil unsere Leben selbst, die die Kunstwerke unsterblich machen, indem wir wiederholen, was wir in der Kunst schon hunderte Male gesehen haben?“

Eine Antwort darauf gibt sein Stück nicht, aber selten sah man ein so komplexes und hoch philosophisches Thema mit so viel Esprit, Spiellaune und schauspielerischer Brillanz präsentiert. Einfach genial.

Noch heute, 22.8., 20 Uhr, Eintritt 24/12 Euro. Kampnagel, Jarrestraße 20, 22303 Hamburg.
Das Internationale Sommerfestival läuft noch bis zum 24. August 2014. Programm und Tickets unter www.kampnagel.de.


Abbildungsnachweis: Fotos Bea Borgers
Header und Galerie: Szenen aus Mariano Pensottis „Cineastas“.

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Theater & Tanz > Internationales Sommerfestival auf Kampnagel:...

Mehr auf KulturPort.De

Kopf-Hörer 18
 Kopf-Hörer 18



Alexander M. Wagner ist 22 Jahre jung. Er brilliert bei TYXart mit Tschaikowskys b-Moll-Klavierkonzert und präsentiert seine eigene zweite Symphonie. Außerdem  [ ... ]



Andreas Brandhorst: „Das Erwachen“ – Maschinenintelligenz außer Kontrolle
 Andreas Brandhorst: „Das Erwachen“ – Maschinenintelligenz außer Kontrolle



Dieser Thriller hat es in sich. „Das Erwachen“ bestätigt all unsere Ängste und Befürchtungen: Maschinenintelligenz (MI) bemächtigt sich der Künstlichen  [ ... ]



All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater
 All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater



Oje, du Fröhliche! Das Ohnsorg Theater stimmt mit „All Johr wedder“, der plattdeutschen Fassung von Alan Ayckbourns „Schöne Bescherungen“, auf die Weih [ ... ]



add art 2017 – von der Wirkung von Kunst in Unternehmen
 add art 2017 – von der Wirkung von Kunst in Unternehmen



Seit dem Jahr 2013 findet die „add art“ in Hamburg statt und seit jenem Jahr nehmen unterschiedliche Unternehmen der Hansestadt daran teil, ihre Türen für  [ ... ]



Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden
 Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden



Seit 2014 spielt das Ensemble Resonanz jedes Jahr seine ganz eigene Fassung von Bachs „Weihnachtsoratorium“ im Resonanzraum im Bunker an der Feldstraße in H [ ... ]



„Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters“
 „Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters“



Reproduktionen und Variationen sind keine Erfindung der Moderne. Wie „Die Geburt des Kunstmarktes“ im Bucerius Kunst Forum zeigt, gingen schon „Rembrandt,  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.