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Musik

Schleswig-Holstein Musik Festival – im Gespräch Intendant Christian Kuhnt

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(168 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Hans-Juergen Fink und Claus Friede  -  Freitag, den 27. Juni 2014 um 10:56 Uhr
Schleswig-Holstein Musik Festival – im Gespräch Intendant Christian Kuhnt 4.6 out of 5 based on 168 votes.

Schleswig-Holstein Musik Festival

Das Schleswig-Holstein Musik Festival öffnet seine Saison am 5. Juli und endet am 31. August 2014.
Seit seiner Gründung 1986 gehört es zu den herausragenden internationalen Kulturereignissen. Mit seinem neuen Intendanten Dr. Christian Kuhnt geht das Festival ab 2014 neue Wege und widmet wechselnden Komponisten eine Retrospektive. Von 1999 bis 2007 war er bereits als künstlerischer Direktor und stellvertretender Intendant tätig.
Hans-Juergen Fink und Claus Friede trafen Christian Kuhnt in Hamburg und sprachen mit ihm über die neue Ausrichtung, das Programm und die Retrospektive mit Felix Mendelssohn und seine Künstler von Sol Gabetta über Thomas Hengelbrock bis Elton John sowie über Perspektiven und Finanzen.


Hans Juergen Fink (HJF): Wenn das SHMF bald 30 wird, dann fragt man sicher: Was soll bloß aus mir werden – wie sieht das Festival in fünf Jahren, in zehn Jahren aus?
 

Christian Kuhnt (CK): Wir ändern an der ursprünglichen Grundstruktur gar nicht so viel, sondern greifen eher auf sie zurück. Wir erkennen: Immer noch bewegt sich die klassische Musik in einem relativ engen Zirkel, in Konzertsälen, mit dem Schema Ouvertüre, Solistenkonzert, Pause, Symphonie. Und sie richtet sich an eine relativ kleine Zahl von Kennern. Dem Festival mit Justus Frantz, Leonard Bernstein und Christoph Eschenbach ist es gelungen, ein neues Publikum zu erschließen für diese Musik. Ein Publikum, dass sich teilweise anders als in der Berliner Philharmonie und auch mal zwischen den Sätzen klatscht. Das wurde weder den Menschen übel genommen, die sich neu für Klassik begeisterten, noch hat es dem Ansehen des Festivals geschadet – wurde fast so etwas wie unser Markenzeichen.
Daran knüpfen wir an, indem wir unter Einbeziehung nichtklassischer Musik sagen: Beschäftigt euch doch mal mit uns, werdet angelockt von Bobby McFerrin, DJ Phono, La Brass Banda, Ina Müller, Elton John und stellt fest: Das tut gar nicht weh.

HJF: In der Hamburger Presse stand anlässlich der Programmpressekonferenz: Zu wenig Glanz, zuviel Routine. Es fehle ein roter Faden jenseits der Länderschwerpunkte. Trifft Sie das?

CK: Wieso? In der Hamburger Presse stand doch, dass wir eine bemerkenswerte Retrospektive auf Mendelssohns Schaffen bieten und man nun endlich die Gelegenheit habe, Felix Mendelssohn 166 Jahre nach seinem Tod gründlich kennenzulernen. Und auch die Bandbreite unseres Solistenporträts von Sol Gabetta wurde ausdrücklich gelobt. 70 Prozent unseres Programms sind durchwoben von Mendelssohn-Bezügen. Sol Gabetta war in ihrem ganzen Leben zweimal in Schleswig-Holstein, dass sie jetzt 17 für uns ersonnene Konzerte macht, ist einzigartig. Im Übrigen haben unsere Künstler fast alle Konzerte speziell für uns entwickelt.

Claus Friede (CF): Speziell entwickelt heißt...?

CK: Ich habe die Künstler darauf angesprochen: Fällt euch zu Mendelssohn etwas ein? Und dann hat der eine gesagt: Nein, nichts, und der andere hat gesagt: Ja, klar. Wir entwickeln die Projekte im Dialog mit den Künstlern. Thomas Hengelbrock ist eine Menge zu Mendelssohn eingefallen, unter anderem Händels „Israel in Ägypten“, von dem er sagt: Ohne dieses Oratorium würden „Paulus“ und „Elias“ ganz anders klingen. Wir gehen nicht enzyklopädisch an das Thema heran, wir suchen das Besondere und wollen den Komponisten hinterher besser verstehen.

CF: Und wie weit sind die Künstler an der Entwicklung längerfristiger Ideen für das Festival beteiligt?

CK: Ein Vorteil meines vorherigen Jobs bei der Konzertdirektion Goette war es, dass Kontakte und Vertrauen zu sehr vielen Künstlern gewachsen sind. Ich bin ein Brückenbauer, ich möchte gern Projekte, die den Künstlern am Herzen liegen, realisieren. Natürlich ist so etwas wie „Israel in Ägypten“ sehr aufwendig. Aber ich möchte es Thomas Hengelbrock ermöglichen, dass er sich erstmals damit auseinandersetzen kann. Genau wie Sol Gabetta in ihren Programmen – von Schostakowitschs Cello-Konzert bis zu Xenakis. Wir haben ihr durchaus Anregungen gegeben, die hat sie meistens aus guten Gründen verworfen. Sie hat ein tolles Programm vorbereitet.

HJF: Normalerweise planen Festivals langfristig – wie viel von den Ideen Ihres Vorgängers steckt im SHMF 2014?

CK: Null! Das war eine meiner Bedingungen. Ich konnte ja auch schon 2012 anfangen zu planen – mein früherer Arbeitgeber war zum Glück sehr tolerant.

HJF: Und hat ja auch eine Abo-Reihe mit großen Symphonieorchestern. Da gibt es beim SHMF auffällig wenig. Eine Rücksichtnahme?

CK: Nein, überhaupt nicht. Wir machen viele Veranstaltungen, die auch bei Goette oder Funke laufen würden. Was ist ein großes Symphonieorchester? Wir haben das Mariinsky Theatre Symphony Orchestra aus St. Petersburg und das NDR Sinfonieorchester. Das Tourneegeschäft verändert sich, und wir wollten keine beliebigen Programme. Das SHMF hat kein so großes Bedürfnis, Reiseorchester einzuladen, sondern wenn überhaupt, dann soll es zu uns passen. Beim russischen Dirigenten Valery Gergiev ist es klar: den hat Sol Gabetta sich gewünscht, denn er hat sie entdeckt und das erste große Konzert dirigiert, das sie gegeben hat. Seither haben die beiden nicht mehr zusammengearbeitet – dieser Wunsch macht in meinen Augen Sinn.

CF: Die Wiener Philharmoniker zu haben, nur weil sie gerade auf Tournee sind...

CK: ...ist für mich nicht interessant. Es muss auch inhaltlich passen. Außerdem sind Festivals und der normale Konzertbetrieb zwei ganz verschiedene Sachen, die einander gar nicht tangieren. Wir sind ein Künstlerfestival mit starkem regionalen Bezug, das NDR Sinfonieorchester passt also bestens. Es ist eines der besten in Deutschland, und Hengelbrock ist der vielleicht spannendste Dirigent in Deutschland. Oder die NDR Radiophilharmonie unter ihrem designierten Chef Andrew Manze. Der NDR-Chor. Oder die NDR Bigband – die wohl beste Bigband der Welt.

HJF: Sie sind ja nun nicht gleichzeitig Chef der NDR-Klangkörper wie Ihr Vorgänger – macht das die Zusammenarbeit mit dem Sender einfacher oder schwieriger?

CK: Sie ist viel besser. Wir können uns austauschen, jeder vertritt seine Institutionen und Interessen und es gibt keine Kompromisse, die wir eingehen müssen. Klare Kanten – wenn einer etwas nicht will, kann er nein sagen. Es ist ein intensiver Austausch.

HJF: Ein Intendantenwechsel ist normalerweise ein Anlass für eine Frischzellenkur, Altes muss weichen, Neues kommt herein. So wie Mendelssohn und die vielen Ideen ihrer Künstler. Was gibt es da noch?

CK: Wir habend drei radikale Veränderungen: Wir habend den Länderschwerpunkt ersetzt durch die Komponisten-Retrospektive, nicht aus Anlass eines Geburtstags, sondern weil wir ihn mögen. Wir haben das Interpreten-Porträt mit Sol Gabetta und wir weiten das Programm um nicht-klassische Themen aus.

CF: Wird das so bleiben?

CK: Ich mag keine Schablone. Wir haben einen Künstler-Schwerpunkt für 2015, auch für 2016. Mal sehen, so lange uns etwas Gutes dazu einfällt, machen wir das weiter.

CF: Und warum wurde es in diesem Jahr Felix Mendelssohn?

CK: Der unmittelbare Auslöser war, dass wir im Jahr 2013 Richard Wagner anlässlich seines 200. Geburtstags gefeiert haben und mir bei aller Feierlaune zu kurz kam, welch negative Wirkung Richard Wagner im 19. Jahrhundert auf einige Komponisten hatte. Ein Komponist fällt dabei besonders auf, der unter dem vernichtenden Urteil Wagners zu leiden hatte – und das wirkt sich bis heute aus: Felix Mendelssohn. Dementsprechend war es auf der einen Seite eine Reaktion auf den Wagner-Geburtstag, auf der anderen Seite gibt es diesen wunderbaren Regionalbezug. Mendelssohn wurde in Hamburg geboren – nur das wissen die wenigsten.
Er verdient es, wieder entdeckt zu werden. Denn wenn man ehrlich ist: Die Schottische, die Italienische Symphonie stehen häufig auf dem Programm, das Violinkonzert sowie „Paulus“ und „Elias“ stehe häufig auf dem Programm. Und das war’s. Schon die „Lieder ohne Worte“ hört man kaum noch.

HJF: Sie haben die Zahl der SHMF-Konzert in Ihrem ersten Jahr erheblich ausgeweitet und das Platzangebot von 112.000 auf 180.000. Wie geht das?

CK: Ich bin Veranstalter, ich liebe Konzerte. Wir haben ein ganzes Bundesland, das südliche Dänemark, das nördliche Niedersachsen – und Hamburg.

HJF: Und wo haben Sie am stärksten ausgeweitet?

CK: Auch wenn es vielleicht so aussehen könnte, als hätten wir die Klassik behalten und die Nicht-Klassik stark ausgeweitet; Es gibt mehr klassische Konzerte, wir sind gern in der Fläche, wir machen mehr Konzerte auch in Orten wie Haseldorf oder Wotersen...

HJF: Es hieß ja mal, das würde schwierig, wenn die Finanzen immer knapper werden.

CK: Ich habe das Argument nie verstanden. Denn nur wenn man mehr Konzerte anbietet, kann man mit mehr Einnahmen planen.

CF: Wie kam es zur Idee, 17 Mal Sol Gabetta zu präsentieren?

CK: Mir war klar, dass dieses Festival Identifikationsfiguren braucht, die frisch sind für Schleswig-Holstein. Ich habe mit vielleicht sieben Konzerten gerechnet. Aber dann bekam ich von ihr an die 50 Programmvorschläge. Dann haben wir mit ihr geschaut, was kriegen wir hin. Das wird mit ihr toll, ist aber auch eine hohe Messlatte für die Zukunft.

HJF: Wie läuft der Vorverkauf?

CK: Wir haben schon jetzt mehr Karten verkauft als im vergangenen Jahr zum Ende des Festivals. Das ist schon mal sehr ermutigend, denn es bedeutet, es kommen wieder mehr Menschen zum Festival. Auch das wirkt in der Zukunft, unser Publikum soll ja der Hauptnetzwerker für das Festival sein.

CF: Am Ende eines Festivals kommt immer die Pressemitteilung, so und so viele Menschen haben die Veranstaltungen besucht – quasi die Einschaltquote. Das ist für einen Intendanten oberflächlich schön, aber inhaltlich irrelevant...

CK: Ich frag mich immer: Müssen wir das überhaupt sagen? Was bedeutet 92 Prozent Auslastung? Von was denn? Das sagt doch rein gar nichts über die künstlerische Qualität und die Begeisterung des Publikums. Mich würde es freuen, wenn man mit Journalisten darüber in den Dialog eintreten könnte.

HJF: An welchen Kriterien wollen Sie denn für sich den Erfolg des Festivals messen?

CK: Mir ist es wichtig, dass wir mehr Menschen erreichen als in den letzten Jahren. Wir haben noch Wachstumspotenzial. Gute Kritiken sind schön, aber das nächste Jahr ist das beste Kompliment für das Jahr zuvor. Wenn neue Programme funktionieren, die wir angestoßen haben, wenn die Menschen das weitersagen und wiederkommen. Wir bauen auf ihre Neugier. Und wir wollen überraschen – so wie mit Rocko Schamoni in Kiel. Es gibt ja auch kein anderes Festival, das Sol Gabetta und Dieter Thomas Kuhn im Programm haben kann. Mozart in Scheunen kopiert inzwischen ja jeder.

HJF: Dieter Thomas Kuhn, der Schlagerkomiker. Wie kam der denn ins Programm?

CK: Ihm fehlt nur ein Buchstabe zu meinem Namen... Wir sind bei der Sylt-Quelle in Rantum zu Gast. Einmal mit Ina Müller, die dort mit uns ihren Geburtstag feiert, und haben uns gefragt, was geht da noch? Dieter Thomas Kuhn ist einfach ein genialer Parodist. Was er auf jeden Fall schafft: dass die Menschen Freude haben. Das sehe ich einfach ganz lustvoll.

CF: In Ihrem ersten Programm gibt es weniger Konzerte in Hamburg.

CK: Ja. Aber es gibt ein vergleichbares Platzangebot und wir haben rund 40 Konzerte in der Metropolregion Hamburg. Wir laden die Hamburger ein, das Festival außerhalb ihrer Stadt zu besuchen und dabei das Nachbarland und seine Preziosen zu entdecken. Hamburg ist schließlich die Metropole in Schleswig-Holstein.

CF: Das ist also ein ganz anderer Denkansatz. Ein Bundesland kann nicht nur über seine Landschaft, sondern sich auch darüber definieren, was dort künstlerisch-musikalisch geschieht.

CK: Und es bringt dem Land neues Selbstbewusstsein.

HJF: Auf welche Programmpunkte sind Sie denn persönlich stolz?

CK: Ganz spontan? Auf Elton John! Sein Album „Elton John“ ist eine meiner absoluten Lieblingsplatten – ein fast klassisches Album, auf dem kaum ein nicht klassisches Instrument zu hören ist – dass das in meinem ersten Jahr geklappt hat, macht auch ein bisschen stolz. Ich kenne Leute, die sind in unserem Verein Mitglied geworden, nur weil sie sich Karten für Elton John sichern wollten. Und dadurch haben sie das andere Programm für sich entdeckt. Wenn das aufgeht, ist das die Fortführung von „Mozart in Scheunen“ mit anderen Mitteln.
Ich bin auch stolz darauf, dass uns Sol Gabetta vertraut. Wir haben für ihre 17 Konzerte 17.000 Tickets im Angebot, davon sind bereits 15.000 verkauft. Stolz bin ich auch auf Mendelssohn. Das Feuilleton kennt ihn, aber das Publikum bekommt eine Chance, ihn neu und viel tiefer kennen zu lernen.

CF: Was möchten Sie konkret, was das Publikum an ihm und seiner Musik entdecken sollte?

CK: Mendelssohn war ein multibegabtes, einzigartiges Talent – ein Superstar seiner Zeit und gleichzeitig eine ganz sensible Pflanze, die am Ruhm und am kreativen Schaffensdruck zerbrochen ist. Es begegnet einem Schönheit und Tragik in seinem Leben, was tief berührt. Dies möchte ich unserem Publikum näher bringen.
Mendelssohn ist ja kaum präsent, abgesehen von den Werken, die ich vorhin genannt habe. Wann hört man mal seine erste Symphonie? Haben Sie die jemals im Konzert gehört? Wahrscheinlich nicht. Er hat fünf Symphonien komponiert – da gibt es so viel zu entdecken. „Die erste Walpurgisnacht“ nur zum Beispiel. Das wird eine richtige Entdeckung eines großen Komponisten.

HJF: 1985, beim Gründungskonzert des Festivals, hat der damalige Ministerpräsident Uwe Barschel den Part des Erzählers im „Karneval der Tiere“ gelesen. Wäre das heute auch denkbar? Wie ist heute das Verhältnis des SHMF zur Politik? Es gab ja – rund um den Verkauf von Salzau etwa, wo die SHMF-Orchesterakademie residierte – auch schwere Verwerfungen.

CK: Das ist eine gute Idee – Torsten Albig würde das auch können, er kann gut erzählen und hat Humor. Das Verhältnis ist sehr, sehr gut. Wir hatten eine Veranstaltung in Berlin. Die Landesregierung lädt dort regelmäßig zum Empfang in die Landesvertretung beim Bund. Da ist weder die Kieler Woche, noch die Windkraft Thema, sondern das Schleswig-Holstein Musik Festival. Und das gesamte Kabinett war da – das muss man sich für ein Hamburger Kulturereignis mal vorstellen. Mehr politische Würdigung geht gar nicht.

HJF: Eigentlich bekennt sich ein Land aber doch dadurch, dass es finanziell unterstützt.

CK: Ein reiches Land tut das, und ein nicht ganz so reiches hilft, dass wir in Kontakt kommen mit Menschen, die uns helfen können.

CF: Wir sieht es bei den Finanzen denn aus?

CK: Wir erwirtschaften einen sehr hohen Eigenanteil von 85 Prozent, das ist nicht schlecht. Und wir müssen sehr viel Umsatz an der Kasse erwirtschaften. Das ist ein Risiko, aber das schreckt mich nicht.

CF: Wie reagieren Sponsoren? Sponsoring kommt oft durch sehr persönliche Kontakte zustande, die sensibel reagieren auf Gesichter und Charaktere.

CK: Meine Herausforderung war, dass ich erst am 1. Oktober 2013 ins Amt kam, und alle Hauptsponsoren-Verträge liefen aus zum 31. Dezember. Aber mir wurde wahnsinnig viel Vertrauen entgegen gebracht. Es gab viele, gute Gespräche. Sponsoren sind Partner, nicht nur Geldgeber, sie haben eigenen Interessen. Da können wir kommunikativ helfen. Prozentual ist ihr Anteil an den Finanzen des Festivals geblieben.

HJF: Die Chorakademie hat ein gravierende Veränderung erfahren...

CK: Wir wollen das Publikum zum aktiven Mitmachen motivieren. Es gab Vorsingen, da kamen mehr als 400, die mitsingen wollten. Wir haben 165 ausgewählt, die dann beim „Elias“ unter Thomas Hengelbrock dabei sind. Die Proben laufen, immer an Wochenenden. Das ist wie bei der historischen Aufführungspraxis zur Zeit von Mendelssohn, da sangen auch, wie es damals hieß, „Dilettanten“, also begabte Musikliebhaber. Es ist für uns ein großer Gewinn, dass wir im Norden die Menschen mit einbeziehen. So wie in den Beiräten. Es gibt übrigens ein Revival des Chorsingens. Das Bedürfnis, Musik zu machen, lebt in vielen, nur die Möglichkeiten sind sehr begrenzt. Wir öffnen gerne eine neue Tür. Darüber bin ich glücklich.

HJF: Es gibt ein Konzert des Gründungsintendanten Justus Frantz und seiner Philharmonie der Nationen. Das Verhältnis zu ihm war manchen Jahren nicht immer so entspannt.

CK: Ich hatte nie Streit mit ihm und ich kenne ihn zu wenig. Ich hab ihn ein paarmal getroffen und war sehr beeindruckt von seiner Präsenz. Er hat das Festival gegründet, jetzt ist er 70 Jahre alt geworden, er gehört zu Familie.

HJF: Ist es denn denkbar, dass es irgendwann auch ein Konzert mit der Chorakademie Lübeck gibt, die Ihr Vorgänger Rolf Beck gegründet hat, der ja 15 Jahre das Festival geleitet hat?

CK: Das ist eine berechtigte Frage, auf die ich keine Antwort habe.

HJF: Verraten Sie uns noch, wie Sie es geschafft haben, die englische Königin Elizabeth II zur Schirmherrin des SHMF zu machen?

CK: Über Mendelssohn. Ihre Urur-Großmutter, Queen Victoria, war eine enge Freundin von Mendelssohn, bei ihr ist er ein- und ausgegangen. Das wusste ich, das weiß sonst kaum jemand. Ich wusste auch, dass die Queen das weiß. Deshalb haben einfach gefragt, ob sie die Schirmherrschaft übernehmen möchte. Das hat sie zugesagt in einem Brief mit der Unterschrift „Elizabeth R“ – wir haben uns sehr gefreut.



Abbildungsnachweis: Alle Fotos SHMF
Header: Altenhof Musiker im Park Dorfmüller-Kröger
Galerie:
01. Christian Kuhnt, Intendant SHMF
02. Festivalstimmung in Wotersen mit Quarett. Foto: Axel Nikolaus
03. Sol Gabetta. Foto: Uwe Arens
04. Thomas hengelbrock. Foito: Florence Grandidier
05. Elton John. Foto: Funke Media
06. NDR Bigband. Foto: Steven Haberland
07. Symphonischer Chor Hamburg
08. Dieter Thomas Kuhn. Foto: koko dtk entertainment GmbH

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avatar Herby Neubacher
+3
 
 
'Wir wollen das Publikum zum aktiven Mitmachen motivieren. Es gab Vorsingen, da kamen mehr als 400, die mitsingen wollten. Wir haben 165 ausgewählt, die dann beim „Elias“ unter Thomas Hengelbrock dabei sind. Die Proben laufen, immer an Wochenenden. Das ist wie bei der historischen Aufführungspraxis zur Zeit von Mendelssohn, da sangen auch, wie es damals hieß, „Dilettanten“, also begabte Musikliebhaber. Es ist für uns ein großer Gewinn, dass wir im Norden die Menschen mit einbeziehen. So wie in den Beiräten. Es gibt übrigens ein Revival des Chorsingens. Das Bedürfnis, Musik zu machen, lebt in vielen, nur die Möglichkeiten sind sehr begrenzt. Wir öffnen gerne eine neue Tür. Darüber bin ich glücklich."

Ein Klassikfestival als Singalong - da muss ich unbedingt hin! Waere ich doch nur nicht so weit weg in Vietnam. Aber vielleicht kann ich ein Band besingen? Ob die das dann wohl abspielen?

SWH sucht den Klassik Star - na toll!
Schlimmer geht's echt nimmer ...
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avatar Peter Schmidt
+2
 
 
Jeder Intendant hat seine Spezialität. Ob es nun Frantz oder Beck war. Es gab sehr starke Phasen, durchzogen von Schwächen. Christian Kuhnt hat bei seinem Vorgänger über Jahre gelernt und es ist verständlich, dass er nun nicht alles kopiert, sondern sich mit neuer Konzeption frei schwimmt. Sehr gut, dass er das Lamentieren über geringere staatliche Zuschüsse nicht fortsetzt, sondern sein Angebot in der Fläche Schleswig-Holsteins vergrößert.
Dieser Turn-Around ist ausbaufähig.
Als ich mich 1985 in Athen, damals die erste europäische Kulturhauptstadt, aufhielt, kam die Kunde über die Begründung des Festivals in Schleswig-Holstein gerade an und man wurde als
Deutscher sogleich befragt. Schleswig-Holstein- was ist das? nie gehört. Aber ein Leonard Bernstein erzeugte Aufmerksamkeit und entsprechende Fragestellungen.
Hamburg verpasste das Erstangebot, weil eine im Flugzeugbau bewanderte Ingenieurin als Kultursenatorin ihre Sachkunde mit einem Wort aus der Fäkalsprache bewies. "Glanzpapierk..."
wurde uns überliefert.
Die Handelskammer wollte den Fehler heilen und wir entwickelten mit Zustimmung von
Justus Frantz das Konzept eines "Brahmsfestivals", das die rot-gelbe Koalition im Kulturausschuss schnell beerdigte. Wer bekennt sich schon gern zu seinem Irrtum?
Rolf Beck ging dann immer weiter auf Hamburg zu. Er sah die Zielmarke Elbphilharmonie
und sich dort zeitweise als Intendanten. Eine "Wanderdüne" mit der einst verschmähten Braut. Weg aus den Landhöfen mit ihren Scheunen und Kuhställen in Richtung einstigem Wunschpartner.
Verständlich, dass Christian Kuhnt hier den Zeiger in eine andere Richtung dreht und
sich dem von Frantz gelegten konzeptionellen Grundstein annähert.

Man kann nur hoffen, dass das Feuilleton dabei mitspielt. Es war überregional schon stärker.
Immerhin gibt es unseren Kulturport, der den Kulturmanager auch mal ausreden läßt und
nicht der abgehackten Internetsprache anhängt.
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