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Musik

"re-rite. Du bist das Orchester!"

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Geschrieben von Maria Willer  -  Mittwoch, den 08. Mai 2013 um 10:00 Uhr
"re-rite. Du bist das Orchester!" 4.5 out of 5 based on 255 votes.
re-rite. Du bist das Orchester!

Multimedial, interaktiv und höchst unterhaltsam – bei diesem Orchester-Erlebnis auf der Dauerbaustelle der Hamburger Elbphilharmonie ist Herumlaufen und Mitmachen ausdrücklich erwünscht.
Als vor 100 Jahren Igor Strawinskis Ballett „Le sacre du printemps“ in Paris uraufgeführt wurde, kam es zu wilden Tumulten im Publikum. Schon bei den ersten hohen Tönen des Fagotts gab es lautes Gelächter im Saal, später dann Pfiffe und Buh-Rufe. Zum 100. Jubiläum dieses Skandalstücks bekommt das Hamburger Publikum nun ein ganz besonderes „Sacre“-Erlebnis geschenkt.

Eine Aufführung, die so animiert ist, dass man das ganze Spektakel quasi aus dem Orchestergraben verfolgen kann. Der Ort, an dem die multimediale Musik-Ausstellung stattfindet, ist dabei ähnlich skandalumwittert wie das Stück: es ist die Baustelle der Elbphilharmonie. „re-rite. Du bist das Orchester!“ heißt das Projekt, das der finnische Dirigent Esa-Pekka Salonen und sein Londoner Philharmonia Orchestra erdacht haben. Im Englischen heißt das Strawinski-Ballett „The Rite of Spring“. Der Titel „re-rite“ spielt mit der phonetischen Ähnlichkeit zwischen den Wörtern rite und write; die Wortschöpfung re-rite soll also die Assoziation wecken, dass wir in dieser Ausstellung den „Sacre“ neu schreiben – neu definieren.

Die Ausstellung wird vom 8. bis zum 29. Mai im Backsteinsockel der Elbphilharmonie, im sogenannten Kaispeicher, zu sehen sein. Das Stück, das bei seiner Uraufführung die Pariser Gesellschaft verschreckte, ist zwar nicht gerade leichte Kost. Aber um „re-rite. Du bist das Orchester!“ erleben und genießen zu können, muss man kein Musikprofi sein, sagt Dirigent Esa-Pekka Salonen: „Auch wenn man das Stück nicht sehr gut kennt, oder noch nie in einem Konzert war oder noch nie Le Sacre du printemps gehört hat, ist das der perfekte Weg, um damit in Berührung zu kommen“. Um diesen Effekt zu kreieren, haben 29 Kameras das Orchester gefilmt. Teilweise aus ungewöhnlichen oder sogar nie gesehenen Perspektiven. So gibt es zum Beispiel Aufnahmen, die von Musikern mit Kopfkameras gedreht wurden. Im Ergebnis beobachtet das Publikum auf großen Videoleinwänden das Geschehen im Orchester als säße es selbst mitten drin. „Was man normalerweise sieht, sind einhundert Menschen im Frack“ erklärt der Dirigent die Ausgangsposition des Projekts. „Man bekommt nur selten die Gelegenheit, tatsächlich zu verstehen, wie das alles funktioniert und wie es sich anfühlt, Teil eines Orchesters zu sein.“

Nun liegt die Entscheidung beim den wandelnden Zuschauern. Stellen sie sich zuerst zu den Geigen? Oder doch erst einmal zu dem Fagott, das in Paris vor einhundert Jahren zu so viel Unmut geführt hatte? Wie wäre es dem Pauker über die Schulter zu schauen, während er beim „Spiele der rivalisierenden Stämme“ im ersten Teil des „Sacre“ stoisch einen Dreiviertel-Takt gegen den übrigen Viervierteltakt des Orchesters setzt? Alles ist möglich. Denn das Herumspazieren zwischen den Instrumentengruppen ist ausdrücklich erlaubt. Und nicht nur das. Mutige bringen sogar ihr eigenes Instrument mit, setzen oder stellen sich an eines der in der Ausstellung verteilten Notenpulte und spielen einfach mit. Besonders spannend ist der Platz des Dirigenten. Hier kann man als Ausstellungsbesucher das Geschehen entscheidend beeinflussen. Mithilfe eines Mischpults darf der Besucher, wie ein echter Dirigent, einzelne Stimmen durch das drehen an der Lautstärke hervorheben und andere dezenter spielen lassen.
Es ist nicht das erste Mal, dass „Le sacre du printemps“ in ganz neuer Art und Weise in Erscheinung tritt. Vor 10 Jahren nahmen sich die Berliner Philharmoniker und ihr Chefdirigent Simon Rattle ebenfalls das Strawinski-Ballett vor und stellten mit 250 Jugendlichen in Berlin eine Aufführung des „Sacre“ auf die Beine. Der begleitende Dokumentarfilm „Rythm is it!“ gewann sowohl den deutschen als auch den bayerischen Filmpreis und einen ECHO Klassik. Auch beim Hamburger „re-rite“ soll das Zusammenspiel aus multimedialer Technik und Konzerterlebnis vor allem die Jüngeren locken. Dafür bietet der Veranstalter „Elbphilharmonie Konzerte“ kostenlosen Eintritt für angemeldete Schulklassen an. Darüber hinaus gibt es ein reichhaltiges Rahmenprogramm, das von Mitmach-Konzerten, über Tanz-Workshops bis hin zur Sonderführung reicht. Und sogar für die Krönung der Ausstellung, wenn der „Sacre“ live in der Laeiszhalle von dem Philharmonia Orchestra London und Esa-Pekka Salonen gespielt wird (am 25. Mai), gibt es kostenlose Karten für Schulklassen.

Igor Strawinski schrieb im Jahr der Uraufführung in der New York Times: „Zweifellos wird man eines Tages verstehen, dass ich einen Überraschungscoup auf Paris gelandet habe, Paris aber unpässlich war. Bald wird es seine schlechte Laune vergessen.“ 100 Jahre später hat nicht nur Paris seine schlechte Laune abgelegt – nach Portugal, China und der Türkei, wo „re-rite“ als Ausstellung schon zu Gast war, ist nun Hamburg dran. Und sicher bekommt man bei einem„ Sacre“ der ganz besonderen Art großartige Laune!



Mi 08.05. bis Mi 29.05.13
„re-rite. Du bist das Orchester“
Multimediale Musikausstellung im Kaispeicher der Elbphilharmonie
Öffnungszeiten: So-Mi 10 bis 18 Uhr / Do-Sa 10 bis 21 Uhr
Preise: Erwachsene € 5, Kinder und Jugendliche bis einschließlich 18 Jahre € 3, Schulklassen mit Anmeldung haben freien Eintritt. Freier Eintritt außerdem donnerstags ab 19 Uhr (Tickets nur nach Verfügbarkeit ab 18 Uhr an der Tageskasse)
Tickets: per Telefon (040) 3576 6666, Mail Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. oder im Elbphilharmonie Kulturcafé am Mönckebergbrunnen (Barkhof 3).
Informationen zum Rahmenprogramm: www.elbphilharmonie.de/angedockt-re-rite

Fotonachweis:
Header: "re-rite. Du bist das Orchester!". Foto: © Philharmonia Orchestra
Galerie:
01. Foto Esa-Pekka Salonen: © Nicho Soedling
02. Foto Philharmonia Orchestra: © Benjamin Ealovega
03. Foto: © Philharmonia Orchestra

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