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Musik

„Mein Wagner"

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Montag, den 15. April 2013 um 10:50 Uhr
„Mein Wagner" 4.5 out of 5 based on 174 votes.
Mein Wagner - Hamburgische Staatsoper

Die Musikwelt feiert in diesem Jahr den 200. Geburtstag Richard Wagners.
Zum Jubiläum werden innerhalb von drei Wochen die zehn Hauptwerke des Bayreuther Meisters unter dem Dirigat von Opernchefin Simone Young an der Staatsoper gegeben. Wir sprachen mit einigen Künstlern und wollten gerne wissen: Was bedeutet Ihnen Richard Wagner? Welche Erlebnisse verbinden Sie persönlich mit dem Werk des Komponisten? Worin gründet Wagners Genialität? Oder: Was würden Sie Richard Wagner gerne fragen, wenn Sie ihm heute begegnen könnten?

Klaus Florian Vogt war in Hamburg als Erik, Lohengrin, Parsifal und als Stolzing zu Gast. Zum Geburtstag des Komponisten spielte er kürzlich die CD ‚Wagner’ ein. Beim Hamburger Wagner-Wahn singt er den Walther von Stolzing.

„Bei der Beschäftigung mit den Werken Richard Wagners habe ich in künstlerischer Hinsicht einige meiner intensivsten emotionalsten Momente erlebt. Bereits als Orchestermusiker habe ich seine Opern sehr geliebt. Und ich glaube sogar, dass meine Begeisterung für Wagner auf jeden Fall mit ausschlaggebend war, warum ich überhaupt Sänger geworden bin. Mein erster richtiger Kontakt mit dem Werk Wagners war tatsächlich im Bayreuther Festspielhaus. Während meines Musikstudiums hatte ich die Möglichkeit, dorthin zu gehen und Proben zu besuchen. Später als Hornist im Orchestergraben der Philharmoniker Hamburg fand ich die Herausforderungen, die der Komponist auch in technischer Hinsicht an das Orchester und an den Sänger stellt, immens reizvoll. Diese Art von Mischklang hat mich sehr fasziniert. Ich glaube, man spürt bei einer solchen Erfahrung tatsächlich diesen Begriff ‚Gesamtkunstwerk’: dass Text und Musik, die Instrumentation und die Stimmen, dass dies alles miteinander verflochten ist. Aus einer solchen Konzentration erwächst eine unheimliche Kraft, die einen, wenn man davon erfasst wird, im Innersten packen kann. Am meisten beeindruckt mich, wie erwähnt, die große Emotionalität bei Wagner und wie es ihm gelingt, die Gefühle der verschiedenen Figuren zu vergegenwärtigen. Das zu ergründen, ist immer eine große Herausforderung und auch eine überwältigende künstlerische Erfüllung.

Als ich mich für die Sängerlaufbahn entschieden habe, waren Wagners Bühnenhelden ein ferner Traum von mir, oder besser gesagt: ich wagte gar nicht davon zu träumen. Umso schöner, dass dieser Traum jetzt Wirklichkeit geworden ist, und dass Wagners Werke den Schwerpunkt meiner künstlerischen Laufbahn einnehmen.

Bei den Auftritten passieren immer mal wieder Dinge, über die man später lacht, beispielsweise, wenn man wieder einmal feststellen musste, wie schnell das Feierlich-Erhabene ins Komische kippen kann. Besonders bei meinen Gastspielen als Lohengrin gab es zuweilen Pannen, vielleicht, weil das Schwanenwunder oft nur mit Hilfe komplizierter Technik vonstatten gehen kann: Ausgerechnet bei meinem Debüt an der New Yorker Metropolitan Opera wäre der erste Auftritt beinahe gescheitert: Auf der Seitenbühne stand ein Fahrzeug auf Schienen, das den Schwan versinnbildlichte.

Auf diesem Gefährt sollte Lohengrin auf die Bühne gelangen. Wir hatten vorher keine Probe dafür gehabt, und so ist man natürlich super angespannt! Ich stellte mich also auf dieses Ding, aber es fuhr nicht los. Ich wartete geduldig, ob es noch in Gang gebracht wird, denn es stand ja ein Techniker mit einer Fernsteuerung neben mir. Irgendwann hörte ich von der Seite: Go! Go! Und es blieb mir nichts anderes übrig als abzusteigen und auf die Bühne zu rennen. Auch bei meinem ersten Lohengrin-Gastspiel in Madrid funktionierte die Technik nicht reibungslos. Lohengrin wurde von der Unterbühne aus auf die Szene gefahren. In meinem Ritterkostüm, das aus lauter Metallteilen bestand, sollte ich mit Hilfe eines Fahrstuhls auf einen Steg gelangen. Aber dann blieb dieses Ding einen Meter unter dem Steg stehen. Zum Glück war ich geistesgegenwärtig genug und kletterte in voller Rüstung und mit dem Schwert unterm Arm nach oben. Dank meiner sportlichen Kondition ist dieser Auftritt dann zu Stande gekommen, aber in Rüstung lässt es sich schlecht klettern.

Bei der Lohengrin-Premiere in Tokio funktionierte die Technik einwandfrei, aber etwas anderes beeinträchtigte den Ablauf der Vorstellung: Ausgerechnet beim Frageverbot ging ein Erdbeben los. Die erste Frage wird gestellt, dann kommt die Wiederholung: „Elsa, hast du mich vernommen?“ In diesem Moment fing alles an zu wackeln. Zuerst klang es so, als würde ein Güterzug über die Bühne fahren, dann jedoch wurde das Wackeln immer stärker, und im Hintergrund fingen die Scheinwerfer ordentlich an zu scheppern. Im Gesicht meiner Partnerin sah ich die blanke Panik. Das hielt so zehn oder fünfzehn Sekunden an, und eh man sich versah, hatte es sich wieder beruhigt, und die Vorstellung ging ohne weitere Zwischenfälle zu Ende.“

Bo Skovhus lieferte prägnante und stürmisch akklamierte Rollenporträts wie Wozzeck oder Lear. Nun singt er in Hamburg zwei Mal Wagner: als Beckmesser und als Kurwenal.

„Richard Wagners Opern waren für mich schon immer mit etwas Mystischem verbunden, man kann fast sagen mit etwas ‚Heiligem’. Auch während meines Studiums in Dänemark wurde diese Musik als etwas Besonderes behandelt, anders als zum Beispiel Mozart oder sogar Strauss. Natürlich sind Wagner-Partien von solch einer Schwierigkeit und Komplexität, dass man als Student überhaupt nicht daran zu denken wagt, etwas damit anzufangen. Auch deshalb sind für mich die Werke Wagners zu etwas Herausragendem gewachsen, etwas, das man bewusst mit Respekt angehen muss. Es gibt in der Musik eine gewisse Würde, die man meiner Meinung nach nirgendwo anders findet. Man ist nie im Zweifel, dass eine Musik von Wagner stammt, wenn man sie hört, obwohl man sie vielleicht vorher nicht gekannt hat. Auch das Publikum geht mit Wagner anders um, das ist meine Erfahrung: Erstens wegen der Länge der Opern, die wirklich nicht nur für die Interpreten, sondern auch für die Zuschauer eine Herausforderung bedeutet, aber auch wegen des ‚Unaussprechbaren’, was die Musik mit einem macht. Ich habe große Ehrfurcht vor dieser Genialität! Oft frage ich mich, wie ist es möglich, dass zwei so unterschiedliche Werke wie Tristan und Isolde und Die Meistersinger von Nürnberg von ein- und demselben Komponisten erschaffen worden sind? Trotz aller Verschiedenheit erkennt man jedoch sofort die unverwechselbare Tonsprache. Tristan ist für mich das absolute Meisterwerk, modern, neue musikalische Wege aufzeigend und gleichzeitig von einer Vollkommenheit, dass ich nie müde werde, es anzuhören.

Auch die Meistersinger sind großartig, so voller Humor und musikalischem Witz. Ich liebe Wagners Kritikerparodie Sixtus Beckmesser und freue mich jedes Mal, wenn ich in dieser Rolle auf der Bühne stehe. Für mich ist es wie ein Geschenk, in einer Wagneroper mitzuwirken, obwohl der Auftritt stets mit langer Warterei verbunden ist: Kurwenal singt beispielsweise im 2. Akt nur „Rette dich, Tristan!“ und muss dann die gesamte Ansprache von König Marke anhören, so lange, bis Tristan verwundet in seine Arme fällt, damit danach endlich der 3. Akt beginnen kann. Ein weiteres Beispiel: Amfortas singt im 2. Akt überhaupt nichts. Erst spät im 3. Akt hat er dann wieder zu tun. Eigentlich wäre dazwischen genügend Zeit für einen Kinobesuch. Beckmesser ist während der gesamten Oper mehr oder weniger da - bei – eine halbe Stunde Wartezeit bei einer Wagneroper zählt nicht.

Kaum jemand kann ohne emotionale Beteiligung mit Wagner umgehen, seien es wir Sänger auf der Bühne, Dirigent, Chor, Orchester oder auch das Publikum. Alle müssen ein Übermaß an Leistung bringen, und das geht nur mit viel Emotion und Konzentration! Ich glaube, das ist es, was Wagners Größe ausmacht.“

GMD Simone Young dirigiert innerhalb von drei Wochen die zehn Hauptwerke des Bayreuther Meisters vom Fliegenden Holländer bis zum Parsifal.

„Wagner zählt für mich zusammen mit Mozart, Strauss, Verdi und Puccini zu den fünf Säulen, auf die ein Opernhaus sein Repertoire baut. Intellektuell und psychologisch gesehen gehört er für mich zu dem Interessantesten, was ein Opernrepertoire zu bieten hat. Diese Mischung aus Mythos und Personendrama, die große Emotionalität und seine Kenntnis der menschlichen Psychologie bewirken, dass die Werke immer aktuell und immer faszinierend bleiben.

Ich bin in einem Land aufgewachsen, in dem man so gut wie gar nicht Wagner spielt. Wir haben in Australien weder geeignete Spielstätten noch eine Tradition, obwohl es immer wieder bedeutende Wagnerinterpreten in Australien und Neuseeland gegeben hat – Elizabeth Connell, Lisa Gasteen, Glenn Winslade, und sogar Joan Sutherland hat in Covent Garden London die Meistersinger-Eva gesungen, bevor sie ins Belcantofach wechselte. Auch der große Wagnerdirigent Charles Mackerras ist Australier. Und die berühmte Marjorie Lawrence stammte ebenfalls aus Australien und nicht, wie oft behauptet wird, aus den USA.

Meine ersten Begegnungen mit Wagner waren Schallplattenaufnahmen. Als Studentin im Alter von 21 Jahren bin ich einmal mit dem Bus dreizehn Stunden nach Melbourne gefahren, um eine konzertante Aufführung von Siegfried erleben zu dürfen. Als ich dann selber die Werke ‚mit den Händen greifen konnte’, eröffnete sich mir eine neue musikalische und musikdramatische Welt, die Stück für Stück weiter aufging, während ich zur selben Zeit intensiv damit beschäftigt war, die deutsche Sprache zu lernen.

Ich erinnere mich an jenen Moment, als ich vor der Alten Pinakothek in München stand und mir dachte, ich könnte jetzt jedem auf Deutsch erzählen, wo die Riesen ihre Schätze versteckt haben, aber wie man mit dem Bus zum Marienplatz kommt, das kann ich noch nicht fragen, weil es in keinem Wagnerlibretto vorkommt.

Ja, das waren die frühen Begegnungen mit dem Werk Richard Wagners. Und weitere Begegnungen mit dem Komponisten gab es dann selbstverständlich während meiner Arbeit als Repetitorin in Köln und dann als Assistentin in Bayreuth und danach, sehr schnell folgend, als Dirigentin von Wagners Opern in Berlin und Wien und London. Wenn man anfängt, sich mit seinem Oeuvre zu beschäftigen, spürt man, dass eine Lebensarbeit beginnt. Ich habe jetzt alle Werke zig Mal dirigiert, in verschiedensten Besetzungen, Inszenierungen, Situationen und freue mich, dass ich mich hoffentlich noch mindestens fünfundzwanzig Jahre immer wieder aufs Neue damit auseinandersetzen kann.

Das Schöne ist, besonders was die Sänger betrifft, dass man als junger Assistent mit einer Generation zusammenarbeitet, die wahrscheinlich zwanzig bis dreißig Jahre älter ist, als man selbst. Irgendwann trifft man dann auf Sänger der eigenen Generation. Und je älter und reifer man wird, desto stärker freut man sich auf die nachfolgenden Generationen. Ein Dirigent hat die Chance, mit drei bis vier Generationen von Sängern die Werke Wagners zu erleben. Und diese Möglichkeit empfinde ich als großes Geschenk.

Wenn ich Wagner heute treffen könnte, würde ich ihn gerne fragen, wie er als Komponist mit langen Unterbrechungen während der Entstehung des Rings zurechtgekommen ist. Am Ende des zweiten Aktes hat er die Komposition des Siegfried unterbrochen, und erst zwölf Jahre später, als er bereits »Tristan und Isolde« und Die Meistersinger von Nürnberg zu Ende komponiert hatte, die Arbeit wieder aufgenommen.
Einmal abgesehen davon, dass man diesen Bruch in der Musik deutlich spürt, denn die Unbeschwertheit des ersten Teils ist nicht mehr so vorhanden, und die Musik klingt chromatischer und erinnert ein wenig an Tristan.

Wagner arbeitete bekanntlich immer mit musikalischen Zitaten. Gingen ihm die Ohrwürmer immer noch im Kopf herum, als er bereits die nächste Oper in Angriff genommen hatte? Es ist für mich unfassbar, dass ein Mensch vor einem leeren Notenblatt saß und daraus die Götterdämmerung entstand.“


 

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