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Musik

SCHMIDT im Mojo Club Hamburg: Sünde, Schnee und schwarze Schatten

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Geschrieben von Oliver Ballendat  -  Montag, den 11. März 2013 um 14:59 Uhr
SCHMIDT im Mojo Club Hamburg: Sünde, Schnee und schwarze Schatten 4.4 out of 5 based on 267 votes.
SCHMIDT im Mojo Club Hamburg: Sünde, Schnee und schwarze Schatten

Die 'Tanzenden Türme' kommen im Flockenwirbel über dem Mojo Club an der Reeperbahn gefühlvoll in Bewegung.
In Bewegung kommt auch die 23-jährige deutsche Sängerin Elisa Schmidt, die kurz und knapp unter SCHMIDT auftritt. Geschmückt mit Federboa und Silberglitzerkleid macht sie im Rahmen ihrer ‚Pop Noir'-Tour am vergangenen Samstag im unter den Türmen verborgenen Hamburger Mojo Club Station.

Die australische Rockband ‚All Mankind’ – die im vergangenen Juni schon einmal in Hamburg gastierte – eröffnet zunächst den Abend. Die aus Sydney stammende Formation empfiehlt sich dem Publikum im Vorprogramm mit ihrer an ‚U2’, ‚Snow Patrol’ und ‚The Killers’ erinnernden Performance.

Zum Haupt-Act betritt SCHMIDT mit dem rauchig klingenden Song ‚Shadowman’ die halbdunkle Bühne des Clubs und zieht fortan nicht nur die männlichen Konzertbesucher in ihren Bann. Die Sängerin spielt gekonnt mit Klischees. Mit Songs wie ‚Voodoo Eyes’ verzaubert sie die Zuhörer, wie sie es bereits früher in ihrem Vorprogramm großer Stars tat. So stand SCHMIDT als Support von Melanie C oder Lionel Richie auf internationalen Bühnen.

Mit dem bläsergetragenen Stück ‚Sin City’ huldigt sie der lasterhaften Elbmetropole und erklärt – als Folge nächtlicher Beobachtungen – Hamburg zu ihrem liebsten Sündenbabel. Passgenau zum Titelsong der 2011 erschienenen EP wurde aus „Leidenschaft für die Sünden der Stadt“ der ‚SinCity Film Award’ initiiert. Dessen Bewerbungswerke sollen die urbanen Versuchungen des 21. Jahrhunderts in Szene setzen. Zu den Juroren gehörten bislang Paul Verhoeven und Volker Schlöndorff.

Dass sich die in Koblenz geborene Musikerin auch auf echte Gefühle versteht, bewies sie mit dem getragenen Song ‚Under My Heart’, den sie einem verstorbenen Freund widmete. Dabei versinkt SCHMIDT jedoch keinesfalls in reine Wehmut. Vielmehr verleiht sie ihrer Devise „jeden Tag zu leben, als wäre er allein ein ganzes Leben wert“, ebenfalls mit dem kraftvollen Macy Gray-Cover ‚I Try’ Nachdruck. Diesem Motto scheint die Unternehmertochter auch sonst zu folgen. Das Highlight ihrer noch jungen, aber bereits beeindruckend verlaufenden Karriere war zweifelsohne eine Australien-Tour im Vorprogramm von Sir Elton John.

Das Hamburger Publikum erfährt an diesem Abend auch Details aus der Zusammenarbeit mit ihrem britischen Produzenten Guy Chambers, der vor allem durch seine Arbeiten für Robbie Williams bekannt wurde. SCHMIDT und Chambers sahen sich während der Produktionspausen alte Filme und TV-Serien an. Durch John Barrys Titelmelodie zur britischen Krimiserie ‚Die Zwei’ (Originaltitel: The Persuaders!) ließen sich beide zum Song ‚Alain Delon’ inspirieren.
Nachdem die Single-Auskopplung ‚Photo Booth’ die Cabaret-Ära und die sogenannten Goldenen Zwanziger wieder aufleben lies, erweist SCHMIDT mit weiteren Cover-Songs namhaften Künstlern die Ehre. So macht ihre Version aus dem John Lennon-Klassiker ‚Imagine’ eine stilvolle, aber gediegene Jazznummer. Zu Madonnas ‚Hanky Panky’ zeigt sie ihr darstellerisches Talent und wickelt Band und Zuhörer gleichermaßen um den Finger.

Als das Publikum nach sechzehn Liedern noch nicht genug vom koketten Rollenspiel der in Berlin und London lebenden Interpretin hat, wird es mit zwei Zugaben in die verschneite Märznacht entlassen. Selbstverständlich enthält SCHMIDT den Hamburger Konzertbesuchern ihren bisher größten Erfolg nicht vor: Unter anderem verhalf die Ausstrahlung einer Kölner Tatort-Folge der Titelmelodie ‚Heart Shaped Gun’ ebenso wie dem im vergangenen Jahr veröffentlichten Debütalbum ‚Femme Schmidt’ zum Einstieg in die deutschen Charts.

SCHMIDT verführt mit dem von Produzent Chambers kreierten ‚Pop Noir’ ihr Publikum. ‚Black Roses’ deutete es an: SCHMIDT schmückt sich mit der Schwarz-Weiß-Ästhetik der Sechziger-Jahre genauso gern wie mit der dekadenten Lebenslust der Zwanziger. Ihre Fantasiewelt ist mal dunkel und mal glitzernd, manchmal rockig, manchmal swingend und irgendwie immer auch verjazzt. Das Gesamtkunstwerk SCHMIDT kombiniert an diesem Abend weibliche Koketterie und musikalische Handwerkskunst augenzwinkernd zu einem sehr unterhaltsamen Abend.


Die nächsten Auftritte im Norden:
22.03.: Grüner Salon - Berlin
23.03.: Der Speicher - Schwerin
24.03.: Kulturforum - Kiel
Weitere Informationen: www.femmeschmidt.com

Fotos: Oliver Ballendat
 

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