Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 1218 Gäste online

Neue Kommentare

Herby Neubacher zu Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden: Die Geschmacklosigkeit schreckt wirklich heute vo...
Sabine Carbon zu „Karl Marx, Das Kapital“. Eine Hommage im Museum der Arbeit: Bei zu viel Text hilft vielleicht unser Kinderbuc...
Sabine Albrecht zu Neues Angebot der Kunstmeile Hamburg: Der 3-Tage-Kunstmeilenpass: Guten Tag,
ich suche nach einer Erklärun...

B.F.Schwarze zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo, Frau Lampert,
leider gibt es nicht ...

Angela zu „The Square”. Oder das Zeitalter des Misstrauens: Oh, dann Danke für den Lang-Spoiler - da muss ja...

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Musik

Adriana Altaras inszeniert „Anatevka“ in Osnabrück

Drucken
(99 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 02. Mai 2012 um 08:27 Uhr
Adriana Altaras inszeniert „Anatevka“ in Osnabrück 4.5 out of 5 based on 99 votes.
Anatevka

Ein herzerwärmendes Kleinod jüdischen Lebens hat Regisseurin Adriana Altaras mit dem Musical „Anatevka“ auf die Bühne des Stadttheaters gezaubert – helle Begeisterung nach der Premiere.
Was für eine vorzügliche Idee von Adriana Altaras, „Anatevka“ in einer Synagoge spielen zu lassen. Damit bekommt die herzerwärmende, aber auch informative Geschichte um den Milchmann Tevje und seine Familie im ukrainischen Schtetl Anatevka etwas Exemplarisches – mit dem sich auch andere Religions- und Kulturgemeinschaften veranschaulichen ließen. Der Außenraum spiegelt so den Innenraum und umgekehrt: Denn Tevje ist ein frommer Jude, dessen ständige Zwiegespräche mit Gott allerdings manchmal recht pragmatisch-irdisch verlaufen. So wie in der Synagoge im Eingangsbild auch ganz weltlich palavert, gelacht und gespielt wird.

Einen derb-soliden, aber anheimelnden Synagogenraum aus Holz hat Bühnenbild-Chef Martin Fischer auf die Bühne des Osnabrücker Stadttheaters gebaut. Durch das schadhafte Dachfenster in Judenstern-Form spielt der Fiedler auf dem Dach, der dem amerikanischen Musical von Jerry Bock und Sheldon Harnick (Songtexte) den Original-Titel verschafft hat („Fiddler on the roof“). Seine betörende kleine Geigen-Melodie versinnbildlicht das sympathische Lebensideal Tevjes und der Gemeinde: Möglichst oben fröhlich auf dem Dach spielen, auch wenn unten die Judenpogrome der Zarenzeit wüten und die Zukunft des jüdischen Volks höchst ungewiss ist.

Diese Haltung erlaubt es Tevje, den sicheren Hafen der Tradition zu verlassen, wenn seine drei ältesten Töchter sich eigenmächtig für einen Mann entscheiden. Der Osnabrücker Schauspieler Thomas Schneider ist eine Idealbesetzung für den Tevje und passt zudem glänzend zum Konzept von Außenwelt und Innenwelt. Deutliche, manchmal auch polternde Worte markieren seine familiäre Autorität. Doch sein Innenleben ist zart, beweglich und manchmal ängstlich. Dann fährt er einen nächtlichen Albtraum mit Stimmen aus dem Jenseits auf, um seiner Frau nicht allein unliebsame Entwicklungen mitteilen zu müssen.

Den berühmten Song „Wenn ich einmal reich wär“ intoniert Schneider wie ein nachdenkliches Selbstgespräch, meilenweit entfernt vom Musical-Gassenhauer. Wie auch jede einzelne der Szenen bis in die Kostüme (Yashi Tabassomi) spürbar mit Herzblut ausgestaltet worden ist. Die Chormitglieder spielen und singen so gut, dass sie von Solisten kaum zu unterscheiden sind. Unddas große Ensemble aus Sängern und Schauspielern macht jede Figur zum Kleinod und folglich jede Massenszene zur Augen- und Ohrenweide.

Ob es nun Tevjes Töchter Zeitel, Hodel und Chava sind, denen Astrid Kessler, Eva Schneidereit und Magdalena Helmig unterschiedliche Naturelle verleihen, oder Angelika Bartsch (zu Gast) als Golde, Marco Vasalli als stotternder Mottel, Jan Friedrich Eggers als Perschik, Daniel Wagner als Fedja, Heike Hollenberg als Jente oder Mark Hammann als Fleischer imponieren: Jede Figur wirkt authentisch, keine je schablonenhaft. Dazu kommt die von Till Drömann hinreißend kenntnisreich dirigierte, in vielen Facetten osteuropäisch gefärbte Musik, die elf Musiker aus dem Osnabrücker Symphonieorchester spielen, als wären sie weitere klagende, juchzende, spottende oder sich zart im Tanz wiegende Figuren – wie der Fiedler auf dem Dach.


"Anatevka"
Musical von Jerry Bock
Aufführungen: 24. / 27.05. und 01. / 15. / 23. und 30.06. sowie 04. und 07.07.2012. Die Vorstellung dauert ca. 2 Stunden 50 Minuten, eine Pause. Kartentelefon (0541) 7600 076.
Zu sehen im Theater Osnabrück, Domhof 10/11, in 49074 Osnabrück

Dieser Artikel erschien am 29.4.2012 in der "Neue Osnabrücker Zeitung" und wurde von der Autorin für Kultur-Port.De frei gegeben.
Fotonachweis: Alle Theater Osnabrück, Fotos: Jörg Landsberg
Header: Thomas Schneider (Mitte), Ensemble, Chor
Galerie:
01. Thomas Schneider
02. Von links nach rechts: Astrid Kessler, Eva Schneidereit, Magdalena Helmig
03. Von links nach rechts: Daniel Wagner, Magdalena Helmig
04. Ensemble, Chor, Statisterie
05. Von links nach rechts: Thomas Schneider, Angelika Bartsch (im Hintergrund Mark Sampson, Heike Hollenberg)
06. Von links nach rechts: Astrid Kessler, Angelika Bartsch, Andreas Schön, Marco Vassalli, Klaus Fischer, Mark Sampson, Stefan Kreimer, Statisterie

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Musik > Adriana Altaras inszeniert „Anatevka“ in ...

Mehr auf KulturPort.De

Kopf-Hörer 18
 Kopf-Hörer 18



Alexander M. Wagner ist 22 Jahre jung. Er brilliert bei TYXart mit Tschaikowskys b-Moll-Klavierkonzert und präsentiert seine eigene zweite Symphonie. Außerdem  [ ... ]



Andreas Brandhorst: „Das Erwachen“ – Maschinenintelligenz außer Kontrolle
 Andreas Brandhorst: „Das Erwachen“ – Maschinenintelligenz außer Kontrolle



Dieser Thriller hat es in sich. „Das Erwachen“ bestätigt all unsere Ängste und Befürchtungen: Maschinenintelligenz (MI) bemächtigt sich der Künstlichen  [ ... ]



All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater
 All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater



Oje, du Fröhliche! Das Ohnsorg Theater stimmt mit „All Johr wedder“, der plattdeutschen Fassung von Alan Ayckbourns „Schöne Bescherungen“, auf die Weih [ ... ]



add art 2017 – von der Wirkung von Kunst in Unternehmen
 add art 2017 – von der Wirkung von Kunst in Unternehmen



Seit dem Jahr 2013 findet die „add art“ in Hamburg statt und seit jenem Jahr nehmen unterschiedliche Unternehmen der Hansestadt daran teil, ihre Türen für  [ ... ]



Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden
 Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden



Seit 2014 spielt das Ensemble Resonanz jedes Jahr seine ganz eigene Fassung von Bachs „Weihnachtsoratorium“ im Resonanzraum im Bunker an der Feldstraße in H [ ... ]



„Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters“
 „Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters“



Reproduktionen und Variationen sind keine Erfindung der Moderne. Wie „Die Geburt des Kunstmarktes“ im Bucerius Kunst Forum zeigt, gingen schon „Rembrandt,  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.